Vor einer Woche lief hier noch die „Hölloween“-Party. Es ging rund bis vier Uhr morgens in der Disco des „Eifeldorfs Grüne Hölle“, das vor zwei Jahren am Nürburgring gebaut wurde. Da wusste man noch nicht, dass kurz danach auch politisch die Hölle losbrechen würde wegen des Erlebniszentrums an der Formel-1-Rennstrecke in der Eifel. Inzwischen ist klar: Das Prestigeprojekt der rheinland-pfälzischen Regierung, das Arbeitsplatzmotor für die strukturschwache Region sein sollte und satte 330 Millionen Euro gekostet hat, droht endgültig ein Flop zu werden.
In einem Brief haben die privaten Betreiber der Rennstrecke das Land aufgefordert, die bis auf 15 Millionen Euro jährlich steigenden Pachtforderungen bei fünf Millionen Euro zu deckeln und aus der Landeskasse pro Jahr noch 3,2 Millionen an Tourismus-Zuschüssen zu überweisen. Verbunden war das mit harscher Kritik am Land, dem die Rennstrecke mit ihrer zunehmend traurigen Spaßmeile zu 90 Prozent gehört.
Das Freizeitzentrum sei mangelhaft konzipiert, eine wirtschaftliche Nutzung vieler Gebäude kaum möglich. Die vom Land erwartete Besucherzahl hätte sich als realitätsfern herausgestellt. Statt prognostizierter vier Millionen Gästen pro Jahr sollen es deutlich unter einer Million sein. Die Betreiber, die Lindner-Hotelgruppe und der Düsseldorfer Projektentwickler Kai Richter, drohten mit Vollbremsung: Große Teile des Freizeitzentrums, darunter die Arena mit 5 000 Plätzen und das Rennsport-Museum namens Ringracer müssten zumindest im Winter stillgelegt werden.
Entlassungen unvermeidbar
Zudem sei die Entlassung von rund 140 der 380 Mitarbeiter nötig, wenn die Pacht in voller Höhe fällig würde. Sie steigt laut Vertrag von Land und Pächtern von derzeit 5 Millionen über 10 im nächsten Jahr auf 15 im Jahr 2013. Die Mainzer Regierung hat das Geld eingeplant, um die gigantische Investition wieder herein zu bekommen. Fließt es nicht, sind die Steuerzahler dran.
Der Ring: Im Sommer 2009 ist das Erlebniszentrum am Nürburgring eröffnet worden. Aber auch jetzt, mehr als zwei Jahre nach dieser Eröffnung, ist die eigentliche Hauptattraktion, die „weltschnellste“ Achterbahn, noch nicht in Betrieb. Über einen Testlauf kam die Anlage, deren Schienen atemberaubende Kurven in den Himmel über dem Nürburgring schreiben, nicht hinaus.
Die Kosten: Die Ausgaben für das Projekt vervielfachten sich von den ursprünglich vorgesehenen 150 auf schließlich 330 Millionen Euro. Die geplante Privatfinanzierung fiel aus und der ehemalige Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) musste zurücktreten, weil er kriminellen Geschäftsleuten aufgesessen war. Seitdem ringt man in Rheinland-Pfalz um die Rettung des Projekts.
Der letzte Versuch des Mainzer Regierungschefs Kurt Beck (SPD), den Ring aus den Negativschlagzeilen zu bringen, war damit gescheitert. Die privaten Betreiber hatten das überdimensionierte Projekt, über dem seit der Eröffnung im Sommer 2009 der Pleitegeier kreist, nach der Übernahme im Mai 2010 doch noch rentabel machen sollen. Das funktionierte nicht. Gerade im Herbst, wenn sich in der Eifel Niesel, Nebel und andere Varianten schlechten Wetters abwechseln, verirren sich kaum Besucher ins PS-Museum, die Arena oder die Geschäftszeile am Ring. Kritiker hatten das Konzept, einen schwungvollen ganzjährigen Betrieb an der abgelegenen „Grünen Hölle“ aufzuziehen, von Anfang an für vermessen gehalten.
Auf die vermeintlichen Retter des Rings ist die rot-grüne Beck-Regierung inzwischen gar nicht mehr gut zu sprechen. Sie keilt zurück. Es läuft nicht nur ein Mahnverfahren gegen die Ring-Pächter, weil diese dem Land angeblich vier Millionen Euro schulden. Mainz stellte auch klar: Die Pacht wird nicht gekürzt, und Fördergeld gibt es auch keins. Der Chef der SPD-Landtagsfraktion, Hendrik Hering sagte: „Wir lassen uns nicht unter Druck setzen. Verträge müssen eingehalten werden.“ Clevere Geschäftsleute könnten aus dem Ring schon etwas herausholen.
In dieser Woche wird es ein Krisengespräch zwischen Land und Pächtern über den eskalierten Streit geben. Lindner und Richter wollten am Ring durchaus weitermachen, sagte ihr Sprecher, aber mit tragbaren Konditionen. Mainz aber gab sich bisher hartleibig. Vize-Regierungschefin und Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) und der für den Ring zuständige Innenminister Roger Lewentz (SPD) kündigten an: Notfalls werde der Betrieb der Anlagen halt neu ausgeschrieben.
Ob sich da jemand bewerben wird? Der ADAC, der ins Gespräch gebracht wurde, hat schon abgewunken. Die CDU-Opposition in Mainz jedenfalls kann sich nicht vorstellen, dass jemand einsteigen will. „Man hat den Eindruck, dass die Formel 1, die selber Defizite macht, noch den defizitären Rummel finanzieren soll“, ätzte Fraktionschefin Julia Klöckner jüngst. Sie warnte vor den Risiken für den Landeshaushalt. Es werde ein „Fass ohne Boden“.
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