Büchel (dpa) - "Im Irak gesucht, in Büchel gefunden: atomare Massenvernichtungswaffen." Mit solchen und ähnlichen Plakaten haben etwa 2000 Menschen in Büchel im nördlichen Rheinland-Pfalz gegen die amerikanischen Atomwaffen protestiert, die dort wahrscheinlich in einem Fliegerhorst der Bundeswehr lagern.
Friedlich zogen die Menschen zu einem Gelände am Haupttor des Lagers und forderten dort bei Kundgebungen den Abzug und die Vernichtung der Waffen. 24 Menschen wurden festgenommen, weil sie laut Polizei den Zaun zum Gelände überwanden oder dieses vorhatten. Nach Angaben der Veranstalter, mehrerer Friedensinitiativen, war es die größte Demonstration, die es bislang am Fliegerhorst gab.
Der Friedensaktivist und Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter, der schon die großen Friedensdemonstrationen in den Achtzigerjahren erlebt hat, zeigte sich dennoch etwas enttäuscht - auch, weil keine prominenten Politiker an der Demonstration teilnahmen. Der Bombenabwurf über Hiroshima 1945 sei anscheinend nicht mehr präsent: "Das muss wieder stärker in das Bewusstsein der Menschen kommen."
"Friedensbewegung muss aufgeweckt werden"
Elke Koller, die im Initiativkreis Büchel seit Jahren für den Abzug der Atombomben eintritt, glaubt, dass die "allgemeine Bequemlichkeit" der Menschen eine Rolle spielt. "Es geht ihnen gut." Anscheinend müsse die Friedensbewegung erst wieder "aufgeweckt" werden. Vielen Bürgern sei vermutlich gar nicht bewusst, dass noch Atomwaffen in Deutschland lagern, meinte Koller. Schließlich bestätigt dies auch keine offizielle Stelle.
Fachleute wie der Friedensforscher Otfried Nassauer sehen jedoch indirekte Beweise, dass Büchel heute noch Atomwaffenstandort - der einzige in Deutschland - ist. So sei dort eine amerikanische Spezialeinheit für Atomwaffen stationiert. Haushaltsunterlagen des amerikanischen Kongresses belegten, dass in die Flugzeug-Schutzbauten Magazine für Atomwaffen eingebaut worden seien. Büchel stehe auf der Liste der Standorte, die von amerikanischen Fachleuten für Nuklearwaffensicherheit besucht werden.
Kritischer Soldat fordert im Ernstfall Befehlsverweigerung
Gerade die Einwohner in Büchel und Umgebung sind zurückhaltend mit Protesten. Während die Demonstranten mit fliegenden Fahnen am Zaun des Fliegerhorstes vorbeizogen, wendeten heimische Bauern äußerlich unbeeindruckt ihr Heu. Nach Angaben von Elke Koller sind viele Menschen aus der Eifel im und am Fliegerhorst beschäftigt. Sie selbst sei deshalb früher körperlich bedroht worden, als sie Flugblätter gegen die amerikanischen Atomwaffen verteilt habe. "Mittlerweile hat sich das etwas gelegt", sagte sie. Die Menschen äußerten zwar manchmal hinter vorgehaltener Hand Kritik an den Waffen, hielten sich jedoch öffentlich zurück, sagte die 65 Jahre alte Apothekerin.
Rocksängerin Nina Hagen mahnte in gewohnt schriller Manier, das atomare Wettrüsten müsse zu einem "Friedensrennen" umgewandelt werden. Auch dürften die Menschen materiellen Dingen nicht zu viel Wert zumessen. "Mir kann ein Ziegelstein auf den Kopf fallen, dann hab' ich morgen von meinem goldenen Wasserhahn nix mehr."
Jürgen Rose, Vertreter des "Darmstädter Signals", einer Vereinigung kritischer Bundeswehrsoldaten, forderte seine Kameraden sogar auf, im Ernstfall den Befehl zu verweigern. Für alle Soldaten, die sich an der nuklearen Massenvernichtung beteiligen, gälten die Worte des Publizisten Kurt Tucholsky: "Diese Soldaten sind Mörder."
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