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Führungsschwach: Linke drängen Lafontaine

Nach dem Auftritt des Parteichefs hoffen viele Genossen auf eine rasche Erklärung zu seinen Zukunftsplänen. Denn der Partei gehen die Führungskräfte aus. Von Jörg Schindler

Oskar Lafontaine trat am Dienstagabend erstmals nach seiner Krebsoperation  wieder auf.
Oskar Lafontaine trat am Dienstagabend erstmals nach seiner Krebsoperation wieder auf.
Foto: ddp

In der Linkspartei wächst der Druck auf Oskar Lafontaine, seine Zukunftspläne zügiger zu offenbaren als geplant. Einen Tag nach dem vorübergehenden Comeback des Linken-Chefs beim Neujahrsempfang der Linken in Saarbrücken hieß es am Mittwoch in der Parteispitze: "Er sollte sich nun möglichst schnell erklären."

Da bereits feststehe, dass auf dem Rostocker Parteitag im Mai Lothar Bisky, Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow nicht mehr für höhere Parteiämter kandidieren, laufe den Linken allmählich die Zeit davon. "Sollte Lafontaine nicht weitermachen, müssten wir innerhalb von zwei, drei Monaten eine komplette Parteiführung aus dem Boden stampfen. Das wird schwierig", hieß es.

Lafontaine hatte am Dienstagabend nach achtwöchiger Krankheitspause seinen ersten politischen Auftritt absolviert. Auf dem Empfang in Saarbrücken vermied er vor rund 400 Gästen jedoch Aussagen zu seinen Absichten. "Niemand ist unersetzlich", erklärte der 66-Jährige lediglich. Er werde "zu gegebener Zeit" entscheiden, ob er im Mai noch einmal für den Parteivorsitz kandidiert. Bislang wird mit seiner Erklärung im Februar gerechnet.

In seiner knapp einstündigen, überwiegend bundespolitisch geprägten Rede ging Lafontaine nur am Rande auf die "überflüssigen Personalquerelen" in der Linkspartei ein: "Da nicht alle Akteure einander in tiefer Sympathie und Zuneigung verbunden sind, muss man sich wie im Alltag an Regeln halten, die ein solidarisches Miteinander ermöglichen." Im Übrigen habe er den jüngsten Ausführungen von Gregor Gysi und Klaus Ernst nichts hinzuzufügen. Der Fraktionschef und der Parteivize hatten zuletzt maßgeblich an der Demontage von Bundesgeschäftsführer Bartsch mitgewirkt.

Gefährlicher als interne Streitigkeiten ist nach Lafontaines Auffassung ohnehin der "Kampagnenjournalismus", der auf eine Spaltung der Linken in Pragmatiker und Chaoten hinwirke. Ähnliches sei den Medien bereits vor Zeiten mit der SPD und den Grünen gelungen, die Linke sollte sich dagegen "immunisieren". Wenn die Partei ihren "Markenkern" - den Kampf für Frieden, soziale Gerechtigkeit und "wirtschaftliche Vernunft" - beibehalte, werde sie weiterhin Erfolg haben.

Lafontaines Einschätzung wird von weiten Teilen der Linken geteilt. Lediglich die Medienschelte nannte ein Mitglied der Parteiführung verfehlt: "Wenn jemand eine Partei so über Medien regiert, wie er das tut, ist es ausgesprochen problematisch, Genossen vorzuwerfen, dass sie mit der Presse reden." Erfreulich sei hingegen, dass Lafontaine den Flügelkampf in der Partei nicht weiter angeheizt habe. "In unserer Lage wäre es fatal gewesen, wenn er weiteres Öl ins Feuer gegossen hätte."

Autor:  Jörg Schindler
Datum:  20 | 1 | 2010
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