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14. Januar 2016

Fünf-Sterne-Bewegung in Italien: Beppe Grillos Sauber-Image ist angekratzt

 Von 
Verdankt ihren Wahlsieg wahrscheinlich der Camorra: Rosa Capuozzo, Bürgermeisterin der Stadt Quarto di Napoli.  Foto: Imago

Die italienische Transparenz-Bewegung Fünf Sterne des früheren Komikers Beppe Grillo heftet sich gerne den Kampf gegen mafiöse Strukturen auf die Fahnen. Doch in Quarto nahe Nepael paktiert die Bewegung jetzt selbst mit der Mafia.

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Rom –  

„Ehrlichkeit wird zur Mode“, lautet ein Slogan der Grillini, der Anhänger der italienischen Protestbewegung Fünf Sterne. Mit dem Ex-Kabarettisten Beppe Grillo an der Spitze wollen sie mit der alten italienischen Politik und deren Übeln aufräumen: mit Bestechlichkeit, Stimmenkauf, Mafia-Verstrickungen und Politikern, die auf ihren Posten kleben.

Transparenz gilt ihnen als oberstes Gebot. Landesweit sind die Fünf Sterne inzwischen zweitstärkste politische Kraft und der Regierungspartei PD von Premier Matteo Renzi in Umfragen knapp auf den Fersen. Doch nun bekommt das Sauber-Image erstmals heftige Kratzer. Grund ist eine Affäre in der Kleinstadt Quarto, 40 000 Einwohner, nördlich von Neapel gelegen, der Heimat der Camorra. Im Juni 2015 war dort die Kandidatin der Fünf Sterne, die Anwältin Rosa Capuozzo, zur neuen Bürgermeisterin gewählt worden. Ein Aufbruch zu neuen Ufern, eine Wende zum Guten schien das, nachdem die Stadtverwaltung wegen Mafia-Unterwanderung zweimal hatte aufgelöst werden müssen.

Wahlsieg dank Camorra

Vor wenigen Wochen kam nun heraus, dass sich auch die Fünf Sterne dem Mafia-Sumpf nicht entziehen konnten und dass sie ihren Wahlsieg der Camorra verdankten. Ermittelt wird gegen den Stadtrat Giovanni De Robbio, der in Quarto die meisten Stimmen für die Bewegung holte. Geholfen haben soll ihm ein Bestattungsunternehmer mit Mafia-Kontakten.

„Wir bringen jeden dazu, sein Kreuzchen bei den Fünf Sternen zu machen, auch die 80-jährigen Alten“, sagte der Bestatter in einem abgehörten Telefonat. Gegenleistung sollte die Betreiberlizenz für das örtliche Fußballstadion an eine mafiöse Unternehmergruppe sein. Bürgermeisterin Capuozzo, in den Stimmenkauf nicht verwickelt, verweigerte die Lizenz.

De Robbio versuchte es mit Erpressung, weil sie ohne Baugenehmigung ihr Wohnhaus vergrößert hatte. Der Stadtrat ist abgesetzt und aus der Fünf-Sterne-Bewegung ausgeschlossen worden. Die Bürgermeisterin behielt zunächst die Unterstützung von Beppe Grillo, sie sei schließlich Opfer, hieß es. Doch dann kamen immer mehr Angriffe gegen sie. „Gomorrha“-Bestsellerautor Roberto Saviano, eine Autorität im Anti-Mafia-Kampf, forderte Capuozzo zum Rücktritt auf.

Vorgeworfen wird ihr, dass sie den Erpressungsversuch geheim hielt und nicht zur Polizei ging. Auch sie ist inzwischen von Grillo aus der Bewegung verstoßen worden. Doch sie ist stur und will weiterregieren, nun eben ohne das Symbol der fünf goldenen Sterne.

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