kalaydo.de Anzeigen

Fünf Tote in Afghanistan: Polizist erschießt Briten

Bestürzung in Großbritannien: Fünf Soldaten sterben, als ein afghanischer Polizist an einem Kontrollpunkt in der Helmand-Provinz das Feuer eröffnet. Von Peter Nonnenmacher

Isaf-Soldaten in der afghanischen Helmand-Provinz. An einem Kontrollpunkt in dieser Region kamen fünf Briten ums Leben.
Isaf-Soldaten in der afghanischen Helmand-Provinz. An einem Kontrollpunkt in dieser Region kamen fünf Briten ums Leben.
Foto: afp

London. Bestürzung hat am Mittwoch in Großbritannien die Nachricht von der Erschießung fünf britischer Soldaten durch einen afghanischen Polizisten an einem Kontrollpunkt in der Helmand-Provinz ausgelöst. Der bisher noch ungeklärte Vorfall vom Dienstag hat den Ruf nach einem britischen Truppenabzug aus Afghanistan lauter werden lassen. Die Regierung Brown will stattdessen aber sogar die Truppen verstärken, wenn es nötig wäre.

229 britische Soldaten sind damit seit 2001 im Afghanistan-Einsatz ums Leben gekommen. Drei der Männer gehörten der Grenadier-Garde, zwei der Königlichen Militärpolizei an. Sechs weitere Soldaten und afghanische Polizisten wurden bei dem Vorfall verletzt. An einem von Briten und Afghanen gemeinsam bemannten Kontrollposten im Distrikt Nad Ali hatte offenbar einer der Polizisten plötzlich das Feuer eröffnet. Über Motiv und Verbleib des Betreffenden war am Mittwoch noch nichts Konkretes bekanntgeworden.

Laut ersten Spekulationen soll der Todesschütze von Taliban-Kämpfern zu der Tat angehalten worden sein. Der frühere Vize-Chef der UN-Mission in Kabul, Peter Galbraith, kritisierte mangelnde Personalüberprüfung bei der Aufnahme von Polizeianwärtern, wegen des dringende Bedarfs zur Zeit der Präsidentschaftswahlen.

Oberst Richard Kemp, ein früherer britischer Afghanistan-Kommandant, erklärte am Mittwoch, es würde ihn "nicht wundern, wenn jetzt eine Menge britischer Soldaten in Afghanistan den Finger sehr fest am Abzug hätten, solange sie von afghanischen Polizisten oder Soldaten umgeben sind".

Premierminister Gordon Brown drückte sein tiefes Bedauern über den "schrecklichen Verlust" aus. Die "heldenhaften" Soldaten seien im Einsatz gewesen, "um Afghanistan sicherer zu machen, vor allem aber um Britannien zu sichern gegen den Terrorismus, der uns weiterhin von den Grenzgebieten Afghanistans und Pakistans aus bedroht".

Kritik am Einsatz wird lauter

Dieses Argument, auf dem der britische Afghanistan-Einsatz im wesentlich beruht, wurde gestern erstmals von einem führenden Labour-Politiker zurück gewiesen. Ex-Außenamts-Staatssekretär Kim Howells, der jetzt Vorsitzender des Geheimdienst- und Sicherheitsausschusses im Unterhaus ist, nannte es "absurd", dass man sich darauf einrichte, "möglicherweise für immer" in Afghanistan zu sein. Vernünftiger sei es doch, "die große Mehrheit" der Streitkräfte heim zu holen, und das so eingesparte Geld für bessere Schutzmaßnahmen in Großbritannien selbst auszugeben.

Applaus erhielt Howells für seinen Ruf nach einem "geordneten Truppenabzug" von Gegnern des britischen Afghanistan-Einsatzes, deren Zahl auf der Insel Umfragen zufolge stetig wächst. Vor allem im Lager der Liberaldemokraten, die schon gegen den Irak-Krieg eintraten, wird mittlerweile erwogen, mit der Forderung nach Truppenabzug in die kommenden Unterhauswahlen zu ziehen.

Labour-Regierungschef Brown hält dagegen daran fest, dass er mit seinem Afghanistan-Einsatz "die richtige Strategie" verfolge. In diesem Jahr, in dem die Briten aus Irak abzogen, hat London seine Truppenzahl in Afghanistan von 8 000 auf 9 000 erhöht.

Autor:  Peter Nonnenmacher
Datum:  4 | 11 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!