London. Bestürzung hat am Mittwoch in Großbritannien die Nachricht von der Erschießung fünf britischer Soldaten durch einen afghanischen Polizisten an einem Kontrollpunkt in der Helmand-Provinz ausgelöst. Der bisher noch ungeklärte Vorfall vom Dienstag hat den Ruf nach einem britischen Truppenabzug aus Afghanistan lauter werden lassen. Die Regierung Brown will stattdessen aber sogar die Truppen verstärken, wenn es nötig wäre.
229 britische Soldaten sind damit seit 2001 im Afghanistan-Einsatz ums Leben gekommen. Drei der Männer gehörten der Grenadier-Garde, zwei der Königlichen Militärpolizei an. Sechs weitere Soldaten und afghanische Polizisten wurden bei dem Vorfall verletzt. An einem von Briten und Afghanen gemeinsam bemannten Kontrollposten im Distrikt Nad Ali hatte offenbar einer der Polizisten plötzlich das Feuer eröffnet. Über Motiv und Verbleib des Betreffenden war am Mittwoch noch nichts Konkretes bekanntgeworden.
Laut ersten Spekulationen soll der Todesschütze von Taliban-Kämpfern zu der Tat angehalten worden sein. Der frühere Vize-Chef der UN-Mission in Kabul, Peter Galbraith, kritisierte mangelnde Personalüberprüfung bei der Aufnahme von Polizeianwärtern, wegen des dringende Bedarfs zur Zeit der Präsidentschaftswahlen.
Oberst Richard Kemp, ein früherer britischer Afghanistan-Kommandant, erklärte am Mittwoch, es würde ihn "nicht wundern, wenn jetzt eine Menge britischer Soldaten in Afghanistan den Finger sehr fest am Abzug hätten, solange sie von afghanischen Polizisten oder Soldaten umgeben sind".
Premierminister Gordon Brown drückte sein tiefes Bedauern über den "schrecklichen Verlust" aus. Die "heldenhaften" Soldaten seien im Einsatz gewesen, "um Afghanistan sicherer zu machen, vor allem aber um Britannien zu sichern gegen den Terrorismus, der uns weiterhin von den Grenzgebieten Afghanistans und Pakistans aus bedroht".
Kritik am Einsatz wird lauter
Dieses Argument, auf dem der britische Afghanistan-Einsatz im wesentlich beruht, wurde gestern erstmals von einem führenden Labour-Politiker zurück gewiesen. Ex-Außenamts-Staatssekretär Kim Howells, der jetzt Vorsitzender des Geheimdienst- und Sicherheitsausschusses im Unterhaus ist, nannte es "absurd", dass man sich darauf einrichte, "möglicherweise für immer" in Afghanistan zu sein. Vernünftiger sei es doch, "die große Mehrheit" der Streitkräfte heim zu holen, und das so eingesparte Geld für bessere Schutzmaßnahmen in Großbritannien selbst auszugeben.
Applaus erhielt Howells für seinen Ruf nach einem "geordneten Truppenabzug" von Gegnern des britischen Afghanistan-Einsatzes, deren Zahl auf der Insel Umfragen zufolge stetig wächst. Vor allem im Lager der Liberaldemokraten, die schon gegen den Irak-Krieg eintraten, wird mittlerweile erwogen, mit der Forderung nach Truppenabzug in die kommenden Unterhauswahlen zu ziehen.
Labour-Regierungschef Brown hält dagegen daran fest, dass er mit seinem Afghanistan-Einsatz "die richtige Strategie" verfolge. In diesem Jahr, in dem die Briten aus Irak abzogen, hat London seine Truppenzahl in Afghanistan von 8 000 auf 9 000 erhöht.
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