Wer wissen möchte, was Gabriele del Grande treibt, sollte versuchen herauszufinden, wie viele Flüchtlinge aus Afrika in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren auf dem Seeweg nach Europa ums Leben gekommen sind. Offizielle Statistiken dazu gibt es nicht. Früher oder später stoßen Rechercheure vermutlich auf die in 21 Sprachen übersetzte Internetseite fortresseurope.blogspot.com. Als del Grande den Blog „Festung Europa“ vor vier Jahren gründete, war der Italiener gerade mal 24 Jahre alt.
Der Journalist del Grande hat nicht nur wichtige Fakten über die Opfer von Migration an den Außengrenzen Europas zusammengetragen, er ist selbst verdeckt unterwegs und sogar schon in libyschen Gefängnissen gewesen. In Berichten, Büchern und Filmen dokumentiert er, wie die von Italien zurückgewiesenen Bootsflüchtlinge dort misshandelt werden. Einmal hat er Kontakt zu Gefangenen gehalten, die zu Hunderten in einen Container gesperrt waren. Einer von ihnen hatte ein Handy dabei.
Als im vergangenen Jahr vor der italienischen Insel Lampedusa 77 Bootsflüchtlinge ums Leben kamen – drei Wochen waren einige von ihnen auf dem Meer getrieben – , war es del Grande, der die Angehörigen aufspürte und ihnen vom Schicksal der Flüchtlinge berichtete.
Durch seine Arbeit als Journalist hat del Grande ein gewaltiges Netzwerk aufgebaut. Häufig weiß er schneller Bescheid als Menschenrechtsorganisationen, wer wo eingesperrt oder abgeschoben wurde. Das hilft Organisationen wie der deutschen Gruppe Pro Asyl, denn wenn sie die Identität eines Flüchtlings kennen, können sie bei Bedarf einen Anwalt einschalten.
Auf den Spuren der Flüchtlinge durch die Sahara
Nach dem Studium der Geschichte und Orientalistik in Bologna, durchlief del Grande eine Journalistik-Ausbildung bei der Lelio-Basso- Stiftung in Rom. Vor zwei Jahren erschien sein erstes Buch, „Mamadous Fahrt in den Tod“. Er berichtet darin von Menschen, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft ihr Leben verlieren. Del Grande ist auf ihren Spuren quer durch die Sahara gereist. So beschreibt er etwa den Weg Romeos vom westafrikanischen Kamerun bis zu den Stränden im Norden des Kontinents, an denen der Fußballer vier Jahre auf eine Bootspassage wartet. Die ganze Zeit über hütet Romeo eine Videokassette, auf der seine besten Spiele aufgezeichnet sind.
Del Grande macht mit seinen Werken klar, warum so viele Menschen aus Afrika Migranten sind: Sie suchen Schutz. Heute zeichnet Pro Asyl den italienischen Journalisten Gabriele del Grande in Frankfurt mit dem Menschenrechtspreis der Organisation aus.
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