London. Zweieinhalb Wochen nach dem G20-Gipfel in London bringen neue Videos und weitere Vorwürfe zu Polizeiübergriffen auf Demonstranten Scotland Yard zunehmend in Erklärungsnot.
Die unabhängige Polizeiaufsicht untersucht mittlerweile eine dritte Attacke gegen einen Demonstranten. Zudem zeigt neues Videomaterial, wie ein Beamter einem Gipfelgegner mit einem Schutzschild auf den Kopf schlägt und wie ein anderer Polizist einem Demonstranten einen Kinnhaken versetzt. Beide Opfer waren in den zu sehenden Sequenz nicht aggressiv. Der Vorsitzende der unabhängigen Polizeiaufsicht, Nick Hardwick, äußerte harsche Kritik am Vorgehen der Sicherheitskräfte und forderte eine generelle Debatte im Parlament.
Hardwick kritisierte, dass mehrere Polizisten während des Einsatzes beim G20-Gipfel absichtlich ihre Erkennungsnummern verborgen hätten. "Da muss man sich über die Aufsicht der Vorgesetzten ernsthaft Gedanken machen. Das ist nicht hinnehmbar. Es geht darum, Diener zu sein, nicht Herrscher", sagte er der Sonntagszeitung "The Observer".
Bei dem neuen Fall, den die Polizeiaufsicht nun unter die Lupe nimmt, handelt es sich um die Beschwerde eines Mannes, der von einem Beamten auf den Kopf geschlagen und zu Boden geworfen worden sein soll. Wegen anderer Übergriffen, die auf Videos zu sehen sind, waren in den vergangenen Tagen bereits zwei Polizisten suspendiert worden.
Gegen einen Beamten laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, nachdem ein Mann wenige Minuten nach einer Polizei-Attacke tot zusammengebrochen war. Nachdem der Tod des 47- jährigen Ian Tomlinson zunächst mit einem Herzinfarkt begründet worden war, kam eine zweite Obduktion zu dem Ergebnis, dass er an inneren Blutungen starb. Bei dem zweiten Fall, in dem ein Polizist suspendiert wurde, handelt es sich um einen Übergriff auf die die 35 Jahre alte Nicola Fisher.
Prügel-Opfer Fisher kritisierte den Einsatz der Polizei als "sehr gewalttätig". Ein Beamter hatte ihr erst mit der Hand ins Gesicht und dann mit einem Schlagstock auf ihre Beine geschlagen. "Es war nicht nur ein Klaps, er hat seine ganz Kraft hineingesteckt. Es war sehr gewalttätig, aggressiv und unnötig", sagte sie dem Rundfunksender BBC. Zu dem Vorfall war es am 2. April während einer Mahnwache für den 47-Jährigen gekommen, der am Vortag wenige Minuten nach der Polizei-Attacke tot zusammengebrochen war.
Fisher gab zu, vor der Attacke auch den Polizisten geschubst zu haben, allerdings als Reflex auf dessen Einsatz. "Plötzlich kamen mehrere Beamte und bildeten eine Reihe vor uns und der Polizist vor mir schrie "haut ab" und schob mich weg, bevor ich überhaupt die Möglichkeit hatte zu reagieren." Als Reaktion darauf habe sie zurückgeschoben, worauf ihr der Polizist ins Gesicht geschlagen habe. Als sie den Beamten dann angeschrien habe, habe dieser mit dem Schlagstock zugeschlagen. (dpa)
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