Im französischen Seebad Deauville kennt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bestens aus. Vor sieben Monaten war sie dort schon einmal zu Gast. Bei einem Strandspaziergang kungelte sie damals mit Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy neue Spielregeln für die Eurozone aus. Die übrigen Partner in Europa waren außer sich vor Wut. Sie fühlten sich übergangen, am Ende mussten sie sich aber dem Willen der beiden mächtigsten EU-Staaten beugen. Das „Diktat von Deauville“ ist seitdem ein geflügeltes Wort.
Dieses Mal gilt die Devise: Bloß keinen Streit, bloß keine Provokation, bloß keine missverständliche Geste. Vom G8-Gipfel in der Normandie soll das Signal ausgehen, dass die sieben größten westlichen Industriestaaten und Russland in zentralen Fragen der Weltpolitik an einem Strang ziehen. Das Abschluss-Kommuniqué ist bereits weitgehend fertig, böse Überraschungen sind nicht zu erwarten.
Für Angela Merkel dürfte das Treffen zu den angenehmeren Terminen gehören. 25 Stunden lang, von Donnerstag- bis Freitagnachmittag, kann sie sich im Licht der Weltpolitik sonnen. Berlin, die verstörte CDU und die dahinsiechende FDP sind dann ganz weit weg.
Im Kreise der Staatslenker wird Angela Merkel auch ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Sie ist ja neuerdings überzeugte Atomkraft-Gegnerin. Damit besitzt sie im G8-Kreis ein Alleinstellungsmerkmal.
Am Donnerstag jedenfalls soll es unter anderem um mögliche Konsequenzen aus der Nuklearkatastrophe von Fukushima gehen. Man wolle ausloten, wie weltweit die höchstmöglichen Standards für Atomsicherheit erreicht werden können, berichten deutsche Regierungsbeamte. Die Kanzlerin werde die Gelegenheit nutzen und ihre Überlegungen zur geplanten Energiewende präsentieren. Weiter heißt es, bei den Partnern gebe es ein „freundliches“, um nicht zu sagen ein „ehrliches Interesse“ daran, wie die Deutschen Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und die Hinwendung zu erneuerbaren Energien unter einen Hut bringen wollen.
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