kalaydo.de Anzeigen

AKW-Laufzeiten: Gabriel attackiert Merkels Atompläne

SPD-Chef Sigmar Gabriel hält die Pläne der Kanzlerin, Kernkraftwerke länger laufen zu lassen, für "knallharte Lobbypolitik" und droht mit einer Verfassungsklage. Die Diskussion um das Energiegutachten sorgt für Missstimmung in der Regierung.

SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel droht der Bundesregierung wegen den AKW-Laufzeiten mit einer Verfassungsklage.
SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel droht der Bundesregierung wegen den AKW-Laufzeiten mit einer Verfassungsklage.
Foto: dpa
Berlin –  

Nach der Festlegung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf 10 bis 15 Jahre längere Atomlaufzeiten hat die Opposition harten Widerstand angekündigt.

«Die Festlegung der Kanzlerin zeigt: Es geht nicht um ein zukunftsfähiges Energiekonzept sondern um knallharte Lobby-Politik für die Atomkonzerne», sagte SPD- Chef Sigmar Gabriel. Da die Regierung aufgrund einer fehlenden Mehrheit den Bundesrat bei der Laufzeit-Entscheidung umgehen will, wollen mehrere Bundesländer vor dem Bundesverfassungsgericht klagen.

Brennelemente-Lagerbecken im Kernkraftwerk Krümmel: Die Opposition will 10 bis 15 Jahre längere Atom-Laufzeiten nicht akzeptieren und wirft Schwarz-Gelb Klientelpolitik vor.
Brennelemente-Lagerbecken im Kernkraftwerk Krümmel: Die Opposition will 10 bis 15 Jahre längere Atom-Laufzeiten nicht akzeptieren und wirft Schwarz-Gelb Klientelpolitik vor.

Im Zentrum der Kritik steht das Gutachten, auf dessen Basis die Regierung die Laufzeiten verlängern will. Es empfiehlt laut Berichten zwischen 12 und 20 Jahren längere Laufzeiten. Der erste Überblick über die Szenarien zeige: «Sowohl was die Versorgungssicherheit, den Strompreis als auch das Erreichen der Klimaziele anbelangt, ist die Kernenergie als Brückentechnologie wünschenswert», sagte Merkel.

Die Linke wirft der Kanzlerin vor, das Ergebnis habe schon vorher festgestanden, deshalb soll der Bundesrechnungshof die Rechtmäßigkeit des mit Steuergeldern finanzierten Gutachtens prüfen. «Für die Arbeitnehmer gibt es Maßhalteappelle, für Atomkonzerne Profitgeschenke», kritisierte Parteichefin Gesine Lötzsch. Die Opposition kritisiert zudem, dass ein am Gutachten beteiligtes Institut mit Millionensummen von RWE und Eon unterstützt wird.

Die Diskussion um das Energiegutachten über die Auswirkungen längerer Atomlaufzeiten hat nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa am Wochenende auch für Missstimmungen in der Regierung gesorgt. Das Umweltministerium war überrascht über die rasche Interpretation von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, der aus dem Gutachten ein klares Votum für «eine klar zweistellige Verlängerung» herauslas.

Die Zusammenfassung der Gutachter war zudem aus Sicht von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) unannehmbar, berichtete das «Handelsblatt» (Montag). Diese kämen zu dem Ergebnis, dass bei einem frühzeitigen Aus für die Kernenergie in Deutschland der Import von Strom aus ausländischen Kernkraftwerken stark an Bedeutung gewinnen würde. Vertreter der erneuerbaren Energie-Branche verweisen darauf, dass es bereits heute - trotz des Stillstands mehrerer AKWs - teilweise deutliche Stromüberschüsse in Deutschland gebe.

Aus Röttgens Sicht liefere der Hinweis auf die wachsende Bedeutung von Atomstromimporten aus dem Ausland den Befürwortern einer möglichst umfassenden Laufzeitverlängerung neue Argumente, hieß es in dem Bericht. Zudem gab es nach dpa-Informationen Diskussionen über einen Passus, der die Erreichung von Klimaschutzzielen nur bei einem international verbindlichen Klimaabkommen als realistisch ansieht. Dies ist aber derzeit in weiter Ferne, weshalb Röttgen im Notfall für nationale Alleingänge beim Klimaschutz eintritt.

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministerium sagte der dpa, sie könne Missstimmungen zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium nicht bestätigen. Die intensiven Gespräche seien in guter Atmosphäre verlaufen. Heute (Montag) sollen Ergebnisse aus dem Gutachten auch der Öffentlichkeit mitgeteilt werden.

10 bis 15 Jahre längere Laufzeiten würden bedeuten, dass es bis mindestens 2035 Atomstrom geben würde. Vor rund zehn Jahren hatte die damalige rot-grüne Bundesregierung den Atomausstieg beschlossen. Durch Stillstand und Drosselung der Leistung würde gemäß der damals vereinbarten Reststrommengen der letzte Meiler etwa 2025 vom Netz gehen. Eigentlich war das Jahr 2022 als Enddatum anvisiert worden.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) machte erneut deutlich, dass die Gewinnabschöpfung bei längeren Atomlaufzeiten in hohem Maße auch der Förderung von erneuerbaren Energien zugute kommen soll. «Einen solchen Beitrag sollte und muss es nach meiner Überzeugung geben», sagte sie in der ARD. Zunächst werde das Kabinett am Mittwoch aber über die Brennelementesteuer beraten.

Die Steuer soll pro Jahr 2,3 Milliarden Euro bringen und vor allem zur Haushaltssanierung verwendet werden. Laufzeit und Ausgestaltung der Steuer seien noch offen - ebenso wie der Beitrag bei längeren Laufzeiten, der nicht in Form einer weiteren Abgabe kommen soll.

FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger deutete in der «Rheinischen Post» an, dass notfalls weniger Geld für den Haushalt verwendet werden könnte. Dass 2,3 Milliarden für die Haushaltssanierung und nur ein geringer Betrag für die erneuerbaren Energien abgeschöpft werden, dazu werde es «mit Sicherheit nicht kommen», sagte sie. (dpa)

Datum:  30 | 8 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!