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07. September 2012

Gastarbeiter in China: Nordkorea vermietet sein Volk

 Von Bernhard Bartsch
Beste Laune: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (rechts) mit Wang Jiauri, dem Direktor der Abteilung für internationale Beziehungen beim Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas. Foto: dapd

Sie sind gehorsam, billig und leidensfähig: Immer mehr Nordkoreaner werden als Gastarbeiter nach China geschickt. Ihre Einkünfte kassiert das Kim-Regime in der Heimat.

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Peking –  

Nordkoreas Elite pflegt einen aufwändigen Lebensstil, mit importierten Lebensmitteln, teuren Autos und Shopping-Reisen in asiatische Metropolen. Finanziert wird der Luxus durch Exporte von Rohstoffen, Waffen – und zunehmend von Menschen. Tausende Nordkoreaner werden neuerdings in Gastarbeitertrupps nach China geschickt. In chinesischen Fabriken sind sie hochwillkommen, denn die Nordkoreaner sind billiger, gehorsamer und leidensfähiger als die immer anspruchsvolleren chinesischen Arbeiter. Ihre Gehälter fließen direkt in die nordkoreanische Staatskasse. 

Obwohl internationale Menschenrechtsgruppen die nordkoreanische Arbeitskräftevermietung als moderne Sklaverei kritisieren, wird darum in China kein Geheimnis gemacht. Staatsmedien berichten offen über den neuen Gastarbeitertrend. „Wer nach China kommt, bleibt etwa drei bis fünf Jahre, man kann den Job nicht kündigen, auch wenn er nicht gefällt“, zitierte die Zeitung „Global Times“ kürzlich einen Fabrikmanager in der nordöstlichen Stadt Donggang. Mit der Arbeitsleistung seiner nordkoreanischen Angestellten ist er äußerst zufrieden. „Chinesische Arbeiter sind im Vergleich ziemlich hitzköpfig und weniger engagiert.“ Die nordkoreanischen Angestellten leben meist streng abgeschottet, bewacht von nordkoreanischen Aufpassern. Sie haben eigene Werkräume und Wohnheime. Das Fabrikgelände dürfen sie nicht verlassen. Die nordkoreanische Regierung hätte Sorgen, dass ihre Arbeiter „gehirngewaschen“ werden könnten, gibt ein chinesischer Beamter offen zu.

Gemeinsame Industriezonen

40.000 Nordkoreaner sollen in einer ersten Phase nach Nordchina kommen, sieht ein von beiden Regierungen kürzlich unterzeichnetes Abkommen vor, wie die südkoreanische Zeitung „Chosun Ilbo“ berichtet. Gefragt sind Näherinnen, Techniker, Mechaniker, Bergleute und Bauarbeiter. Im August hatten Peking und Pjöngjang darüber hinaus den Aufbau von zwei gemeinsamen Industriezonen beschlossen, in denen chinesische Firmen von den niedrigen Lohnkosten des verarmten Landes profitieren können.

Rund 2000 Yuan (240 Euro) bezahlen die chinesischen Fabriken für ihre nordkoreanischen Angestellten, so die „Global Times“. Dafür schuften sie bis zu elf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Chinesische Arbeiter würden für die gleiche Arbeit rund doppelt so viel Geld verlangen. Bezahlt werden die Gehälter an die offiziellen nordkoreanischen Arbeitsvermittler, berichten chinesische und südkoreanische Medien. Die Angestellten selbst erhalten angeblich nur 300 bis 400 Yuan (36 - 48 Euro), ausgezahlt in nordkoreanischer Währung. Das liegt leicht über den in Nordkorea üblichen Gehältern.

Zu Sowjetzeiten in Sibirien

Die Chinesen sind nicht die ersten, an die Nordkorea sein Volk vermietet. Schon zu Sowjetunionzeiten arbeiteten Nordkoreaner in Sibirien als Holzfäller oder Bergleute. Pjöngjang zahlte Moskau damit seine Schulden zurück. Russischen Behördenangaben zufolge waren Anfang 2010 noch immer mehr als 20.000 Nordkoreaner im Land beschäftigt.

Inzwischen hat Pjöngjang sein Gastarbeitersystem global etabliert: Nordkoreaner arbeiten in diversen Ländern Asiens, Afrikas, des Nahen Ostens und Osteuropas. Kürzlich berichtete die japanische Zeitung „Asahi Shimbun“, dass nordkoreanische Näherinnen in einer Textilfabrik in der Tschechischen Republik ausgebeutet würden. Von den 120 Euro, welche die Firma jeden Monat bezahle, gingen 80 Prozent an den nordkoreanischen Staat. Auch in den 2010 von Wikileaks veröffentlichen US-Diplomatendepeschen finden sich Berichte über nordkoreanische Gastarbeiter. „Die Beschäftigungs- und Lebensbedingungen dieser Arbeiter geben Anlass zur Sorge, dass sie unter Zwang stehen“, kabelte die US-Botschaft in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator 2006 nach Washington. Die nordkoreanischen Arbeiter würden stets von nordkoreanischen Aufpassern begleitet und überwacht. Anfang dieses Jahres schrieb das US-Außenministerium in einem offiziellen Bericht, es gebe glaubwürdige Informationen, wonach Nordkoreas Behörden die daheimgebliebenen Familien bestrafen, wenn ein Gastarbeiter zu fliehen versucht oder sich beschwert.

In Chinas Staatsmedien tauchen derartige Informationen höchstens verklausuliert auf. Stattdessen verkauft man die Kooperation mit dem Nachbarland als chinesischen Beitrag zu wirtschaftlichen Reformen. Je mehr Nordkoreaner ins Ausland gingen, umso schneller werde sich das Land öffnen, lautet das Argument. Außerdem sei es besser, Nordkorea verdiene selbst Geld, statt auf ausländische Hilfslieferungen angewiesen zu sein. Südkoreanische Menschenrechtler sehen das freilich anders. „Dieses Gastarbeitersystem hilft, das nordkoreanische Regime am Leben zu halten“, sagt der südkoreanische Aktivist Kim Sang-hun. „Das Geld ermöglicht es Nordkorea, sich um echte Reformen zu drücken.“

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