Die Kölner kann man nicht regieren, denn sie hören nicht zu. Sie reden lieber selber. Warum aber wählt man jetzt in Köln überhaupt einen Oberbürgermeister? Das kann ja nur einen Sinn machen, wenn dieser dann nicht regiert. Und in der Tat scheint sich diese These zu bestätigen, wenn man sich den noch amtierenden Kölner OB Fritz Schramma (CDU) genauer ansieht. Er ist äußerst beliebt bei Kaninchenzüchtern und Karnevalisten, als Grüßaugust ganzjährig eine Kapazität. Aber hat er in seiner Amtszeit je regiert? Als das Kölner Stadtarchiv in die Baugrube der Nord-Süd-Stadtbahn stürzte, musste man feststellen: Der Oberbürgermeister hat vom U-Bahnbau gar nichts gewusst! Er wisse nicht, fragte Schramma, ob man in so einer dicht bewohnten Stadt wie Köln überhaupt eine U-Bahn einsetzen solle. Fritz Schramma ist also zweifellos ein guter Oberbürgermeister, man sollte ihn nur nicht in bewohnten Städten einsetzen.
Dabei hat Köln Potenzial. Ganz Deutschland diskutiert über die Bad Bank, die alle schmutzigen Geldgeschäfte versammelt und am Ende vom Steuerzahler finanziert wird. Das Prinzip kennt man in Köln. Hier heißt das nicht "Bad Bank", sondern einfach Sparkasse Köln-Bonn. Hier werden seit Jahrzehnten mit Hilfe der Stadt öffentliche Gelder verbraucht, um Firmen zu helfen. Dies geschieht mit Hilfe eines Fonds, der durch seine unselige Beteiligung an Arcandor bundesweit mit der aktuellen Karstadt-Pleite in Verbindung gebracht wird: des Oppenheim-Esch-Fonds. Dem hat die Stadt mit Hilfe ihrer Sparkasse zum Beispiel die neuen Messehallen im Prinzip geschenkt, den Umbau überteuert bezahlt und dieselben Gebäude dann noch teurer für 30 Jahre zurück gemietet.
Jürgen Becker, 49, ist Kabarettist. Die Domstadt kennt er seit seiner Geburt.
Dies geschieht bei vielen Bauprojekten in Köln: Die Investoren haben eine garantierte Rendite, die Bürger tragen das Risiko und zahlen die Zeche. Und kein Politiker setzt den Plünderern ein Ende, geschweige der Oberbürgermeister. Kein Wunder, erhalten doch Parteikollegen wie Rolf Bietmann oder Josef Müller Beraterverträge bei der Sparkasse. Dass diese Summen womöglich ohne Gegenleistung fließen, sei dabei ein Trost. Wenn diese Herrschaften sich wirklich anschickten, zu beraten, sähe es in der Stadt erst richtig finster aus. So wundert es nicht, dass der Favorit der Kölner für das Amt des OB nun Jürgen Roters von der SPD ist, ein ehemaliger Polizeipräsident. Vermutlich ist nun die Erfahrung mit Kriminalität in der Kölner Politik eine Einstellungsvoraussetzung. Auch hier gilt wieder: Bloß nicht regieren! Inhaftieren reicht.
Anders der OB-Kandidat der CDU: Peter Kurth war Vorsitzender des Bundesverbandes der Entsorgungswirtschaft, und zu entsorgen gibt es bei der Kölner CDU einiges. Man dürfte gespannt sein, in welche Tonne er als Amtsinhaber Finsterlinge wie Bietmann klopfen würde. Allerdings war er Finanzsenator von Berlin in der skandalreichen Ära Diepgen, müsste also wissen, wie man öffentliche Gelder in private Portemonnaies pumpt. Doch wie Goethe sagte: "Das Tun interessiert, das Getane nicht." Kann er also die Gelder auch umgekehrt fließen lassen? Dann wäre ihm ein Sieg zu gönnen, zumal er auch sonst gut zu Köln passt, denn die eine Hälfte der Kölner sind Türken, die andere Hälfte ist schwul. Peter Kurth ist kein Türke.
So machen es beide Lager ihren Wählern nicht leicht: Die Linken und Grünen, die einst riefen, "Haut die Bullen platt wie Stullen", haben einen Kandidaten aus dem Polizeiapparat, und die Konservativen einen Homosexuellen. Macht nichts, der Kölner hört eh nicht zu. Er ist ein Augenmensch, liebt die farbenfrohen Umzüge, egal ob es der Rosenmontagszug ist, der Christopher Street Day, an dem Lesben und Schwulen durch die Stadt ziehen, oder eine Fronleichnamsprozession - Hauptsache, d´r Zoch kütt. Und so steht heute schon fest: OB wird der Kandidat, der am besten aussieht.
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