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22. April 2015

GAU Tschernobyl: Tschernobyl-Deckel wird teurer

 Von 
Hinter dem Arbeiter, unter dem viel zu alten Beton-Mantel, liegt radioaktiver Schutt des Tschernobyl-Reaktors.  Foto: REUTERS

Der Sarkophag für den Unglücksreaktor in der Ukraine wird später fertig und noch teurer. Die fehlende halbe Milliarde will Deutschland für Tschernobyl einsammeln. Die Zeit drängt: Der ursprüngliche Mantel war als Provisorium für höchstens 15 Jahre gedacht.

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Kurz vor dem Jahrestag des Super-GAU von Tschernobyl teilt das Umweltministerium mit, dass der Schutzmantel später fertig und noch teurer wird. Deutschland will die fehlende halbe Milliarde einsammeln. Den Grünen bereitet aber Sorge, dass die Ukraine mit der strahlenden Ruine alleingelassen werden soll.

Trotz der Krim-Krise haben sich die G-7-Industriestaaten und Russland dazu bekannt, die Sicherung der strahlenden Reaktor-Ruine des Atomkraftwerks im ukrainischen Tschernobyl weiter gemeinsam zu finanzieren. Weil sich der Bau der neuen Stahlhülle jedoch erneut verzögert und verteuert, fehlen noch 615 Millionen Euro, die die deutsche Regierung nun während ihrer G-7-Präsidentschaft eintreiben will. Das geht aus einem Bericht des Umweltministeriums hervor, der auf Antrag der Grünen am Mittwoch im Fachausschuss des Bundestags debattiert wurde und der FR vorliegt.

500 Millionen Euro mehr

Neues Ziel ist nun, den Katastrophenreaktor bis November 2017 zu versiegeln. Anders als geplant wird der Bau damit nicht zum 30. Jahrestag des Super-GAU fertig. An diesem Sonntag jährt sich die Atomkatastrophe zum 29. Mal.

Die Kosten für die weltweit einmalige Bogenkonstruktion, die von außen über den alten Betonmantel geschoben und dann das gesamte Gelände umschließen soll, steigen laut dem Bericht erneut von 1,6 auf 2,15 Milliarden Euro. Ursachen seien, dass das Grunddesign zunächst unklar gewesen sei und immer neue, technisch komplexe Details erdacht und umgesetzt werden mussten.

Die Bogenkonstruktion des Reaktor-Mantels ist weltweit einzigartig.  Foto: REUTERS

Die Verzögerungen erklärt das Papier unter anderem damit, dass vor Baubeginn die Klage des unterlegenen Bieters geprüft werden musste, später wurden Genehmigungsunterlagen zu langsam fertig. Erst seit einem Jahr wird nun an der neuen gigantischen Stahlhülle gebaut, die 108 Meter hoch, 162 Meter lang und 257 Meter breit werden soll. Die Kosten haben sich seit der ersten Schätzung über 715 Millionen Euro von 1997 verdreifacht.

„Die bisherigen Zusagen und Absichtserklärungen werden für den sicherheitstechnisch erforderlichen Abschluss aller Maßnahmen nicht ausreichen“, warnt deshalb das Umweltministerium. Bisher haben die G 7 und Russland für den eigens gegründeten Fonds 1,5 Milliarden Euro zugesagt. Deutschland hatte seine Beteiligung 2011 aufgestockt und weitere 42,4 Millionen zugesagt. Der Großteil der nun zusätzlich fehlenden Mittel könnte über die Europäische Entwicklungsbank bereitgestellt werden, heißt es im Bericht. Die Bank lädt für Sonntag zur Geberkonferenz nach London.


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Provisorium viel zu alt

Die Verzögerungen erhöhen auch das Sicherheitsrisiko. Denn der bisherige Beton-Sarkophag war nach dem Super-GAU 1986 überstürzt von Soldaten und Helfern über den strahlenden Reaktor gebaut worden und eigentlich nur als Provisorium für höchstens 15 Jahre gedacht.
Laut einem früheren Bericht des Ministeriums weist er gefährliche neue Schäden und Risse auf. Im Inneren lagern noch immer Unmengen verseuchten Schutts, jeder aufgewirbelte Staub gefährdet die Umgebung.

Wenn die Hülle fertig ist, soll sie über den Reaktor geschoben werden.  Foto: REUTERS

Die Grünen besorgt auch, dass die Geber die Verantwortung für das Gelände nach Fertigstellung des Baus allein der Ukraine übertragen wollen. Dazu soll die Sicherung, der Rückbau des alten Sarkophags und die Beseitigung der radioaktiven Abfälle zählen. Obwohl auch das deutsche Umweltministerium Zweifel am Umgang der ukrainischen Behörden mit Tschernobyl äußerte, sollen diese dann „zur Kostenersparnis“ ohne das Experten-Konsortium auskommen, das sie bisher unterstützte.

„Der neue Sarkophag löst ja das eigentliche Problem noch nicht“, sagte die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, der FR. Die G 7 sollten auch bei der Beseitigung der radioaktiven Altlasten helfen – und die Ukraine im Gegenzug auffordern, auf geplante Laufzeitverlängerungen ihrer anderen AKW zu verzichten. „So würde man mehrere tickende Zeitbomben zugleich entschärfen.“

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