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20. Juli 2014

Gaza: Israels eiserne Faust

 Von 
Mit der weißen Flagge: Zwei Palästinenser auf der Flucht in Gaza-Stadt.  Foto: dpa

Tausende Palästinenser fliehen vor dem Beschuss durch die Armee aus Gaza-City. So viele Tote wie nie an einem Tag.

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Sederot –  

Die Straßen sind menschenleer in Sederot, der israelischen Negev-Stadt, die am längsten und am häufigsten Raketenbeschuss aus Gaza ausgesetzt ist. Aber oben auf dem Kobi-Hügel am Ortsrand, hocken Maor Barami und ein paar Kollegen aus der Kunststoff-Fabrik auf Plastikhockern, ausgerüstet mit Zigaretten, Softdrinks und Feldstechern, um Krieg zu gucken. Der ist nur zwei Kilometer Luftlinie entfernt, die Distanz zwischen Sederot und dem nördlichen Gazastreifen. „Wir kommen fast jeden Tag her“, sagt Barami, „was sollen wir sonst tun? In Sederot hat wegen der Raketen nichts mehr offen.“

Drüben am Horizont steigen dunkle Rauchsäulen auf, dumpfe Schläge grollen herüber. Sie stammen von schwerem Artilleriefeuer in Schajaija, einem nordöstlichen Viertel von Gaza-City, wo laut palästinensischen Angaben am Sonntagvormittag an die sechzig Menschen ums Leben gekommen sein sollen, unter ihnen sollen 17 Kinder und 14 Frauen sein. Angesichts dieser Berichte – viele Palästinenser sprechen von einem „Massaker“ – stimmt Israel am Mittag auf Bitten des Internationalen Roten Kreuzes einer dreistündigen humanitären Waffenpause zu, damit die Opfer geborgen werden können.

Nein, sagt Maor, „die Leiden auf der anderen Seite freuen uns nicht“. Aber dafür sei die Hamas verantwortlich, die sich hinter Zivilisten verstecke. „Seit 14 Jahren rennen wir mit unseren Kindern wegen der Gaza-Raketen immer wieder in die Schutzräume.“ Damit müsse ein für alle Mal Schluss sein. Nicht, dass er glaube, dass die jetzige Bodenoffensive eine Lösung bringe.

Die werde es höchstens geben, „wenn unsere Truppen in Gaza bleiben, bis es dort eine bessere palästinensische Führung gibt.“ Er hoffe dabei auf Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas. Der zumindest ist der Einzige, der mit allen Konfliktparteien und möglichen Vermittlern über eine Waffenruhe spricht.

Die Hamas setzt auf Katar

Am Sonntag traf Abbas in Katar den Hamas-Exilchef Khaled Meschal. Die Islamisten setzen auf den ihnen wohl gesonnenen Golfstaat und die Türkei als Gegengewicht zu Kairo bei der Suche einer Waffenstillstandsformel. Israel, die USA und Abbas ziehen die ägyptische Initiative vor, die die moderaten Palästinenser stärken soll statt der Islamisten. Doch vorerst deutet nichts auf Deeskalation. „Die Offensive wird ausgedehnt, bis wieder Ruhe herrscht“, betont Israels ultrarechter Wirtschaftsminister Naftali Bennett, als er auf den Feldherrnhügel bei Sederot steigt. „Nach dem Eisendom“ – der israelische Raketenabfangschirm, der sich als höchst effizient gegen Geschosse aus Gaza erwiesen hat – „bekommt die Hamas jetzt unsere Eisenfaust zu spüren.“

Ein israelischer Panzer feuert Richtung Gaza.  Foto: AFP

Drei Viertel der 350 palästinensischen Todesopfer (Stand Sonntagnachmittag) sind laut UN-Angaben aus Gaza allerdings Zivilisten. Die israelische Armee betont zwar, man bemühe sich, Unschuldige zu schonen. Doch Augenzeugen in Gaza schildern, das Bombardement in Schajaija habe viele Menschen getroffen, als sie nach Vorwarnungen per SMS aus ihren Häusern auf die Straßen geflüchtet seien.
Auch das israelische Militär, das seit Beginn der Bodenoffensive fünf Soldaten verloren hat, rechnet mit wachsenden Verlusten. Am Gaza-Grenzübergang Eres wurde am Sonntag ein Feldlazarett aufgeschlagen. Bislang zählt Israel etwa 40 Verwundete. Zudem starben zwei Israelis durch den anhaltenden Raketenbeschuss, darunter ein Beduine aus einem der Negev-Dörfer, in denen es keine Schutzräume gibt.


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Dennoch spricht die Armee von einer Erfolgsbilanz der Operation. Mehr als 40 „Angriffstunnels“ seien bereits entdeckt worden, in ihnen versteckt: Betäubungsmittel, Sprengstoffe und andere Waffen. Sicherheitsexperten sehen sich bestätigt: „Wenn wir sie jetzt nicht zerstören, werden wir eines Tages von einem Mega-Anschlag überrascht“, meint Uzi Dajan, ehemals Chef des nationalen Sicherheitsrates in Israel. Es müsse soviel wie möglich von der Infrastruktur der Hamas zerschlagen werden.

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