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16. November 2012

Gaza: Krieg zwischen Israel und Hamas

 Von Inge Günther
Das Bildungsministerium der Hamas in Gaza City liegt nach einem Luftangriff der Israelis in Schutt und Asche. Foto: dapd

Der Kampf zwischen Israel und der Hamas eskaliert. Experten warnen, dass sich Israel verkalkuliert habe. Nach dem arabischen Frühling ist Gaza nicht mehr so stark isoliert wie zuvor.

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Der ägyptische Premier kam mit großer Delegation samt medizinischem Personal am Freitagmorgen nach Gaza. Kairo werde keine Anstrengung scheuen, einen Waffenstillstand zu vermitteln, versprach Hischam Kandil bei seinem Solidaritätsbesuch am Krankenbett palästinensischer Verletzter in Gaza-City. Aber selbst die Hoffnung, dass seine Visite zur kurzfristigen Beruhigung beitragen könnte, erwies sich als trügerisch.

Kaum hatte Kandil den Gazastreifen verlassen, ertönten erneut in Tel Aviv die Sirenen. Menschen rannten in Panik durch die Straßen, um sich in Sicherheit zu bringen. Im Süden der Stadt war der Explosionsknall unüberhörbar, berichteten Augenzeugen. Zum Glück krachte die Rakete offenbar ins Meer. Am Abend gab es sogar in Jerusalem Alarm, das Geschoss ging aber außerhalb, im Gebiet von Gush Etzion, nieder.

16.000 Reservisten müssen eintreten

Der Versuch palästinensischer Militanter, Israels Metropolen zu treffen, fordert die Regierung Netanjahu geradezu zu einer Bodenoffensive in Gaza heraus. Von den 30.000 israelischen Reservisten, die sich auf Weisung von Verteidigungsminister Ehud Barak bereit halten mussten, erhielten 16.000 am Freitag den Befehl zum Einrücken.

Hanija persönlich tauchte am Freitag erstmals seit dem Attentat auf Achmed al-Dschabari, den Chef des bewaffneten Flügels der Hamas, an der Seite seines ägyptischen Amtskollegen in der Öffentlichkeit auf. „Die Brüder in Kairo“, appellierte der Regierungschef der Hamas an Kandil, sollten doch bitte sehr Maßnahmen zur Abschreckung der Israelis ergreifen. Doch Israels Angebot, während des hohen Besuchs aus Ägypten in Gaza die Waffen schweigen zu lassen, ignorierten palästinensische Militante.

Am Ende schossen beide Seiten unvermindert weiter. Salvenweise flogen Raketen aus Gaza Richtung Aschdod, Beer Scheva und Kiryat Gat und ins nahe Grenzgebiet zu Gaza. Viele fing das Abwehrsystem „Eisenhut“ noch in der Luft ab.

Israel bombardierte Waffenlager in Dschabalja, Gazas nördlichstem Flüchtlingslager. Bislang setzt die israelische Offensive „Verteidigungssäule“ auf volle Schlagkraft der Luftwaffe. Über 500 Ziele wurden bereits getroffen. Ein Großteil des Raketenarsenals, das radikale Palästinenser-Fraktionen über die Tunnel eingeschmuggelt haben, sei neutralisiert, hieß es in Militärkreisen.

20 Todesopfer, darunter Kinder

Allerdings kosteten die „Präzisionsschläge“ auch Menschenleben. Unter den mehr als zwanzig Opfern waren UN-Angaben zufolge Kinder und Zivilisten. Im Vergleich zum Gaza-Krieg 2009 sind diese Opferzahlen gering. Die palästinensische Wut, die sich in Internet-Blogs äußert, ist dennoch enorm.

Selbst in Foren der säkularen Fatah werde die Hamas ermuntert, „den hinterlistigen Mord an al-Dschabari zu rächen und den Israelis weh zu tun“, hat der palästinensische Analyst Usama Antar beobachtet. Er glaubt, dass Israel sich verkalkuliert habe. Seit dem Arabischen Frühling sei Gaza nicht mehr isoliert wie zuvor.

Konkretes Indiz dafür: Ägypten hat jetzt den Grenzübergang Rafah weit aufgemacht. Auch kündigte sich der tunesische Außenminister für Samstag zum Besuch in Gaza-City an, selbst der türkische Ministerpräsident Erdogan erwägt einen Besuch.

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