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Gedenken an Dresden-Bombardement: Bunt stoppt Braun

Während auf dem Dresdner Heidefriedhof Kränze zum gedenken an die Zerstörung der Stadt 1945 niedergelegt werden, braut sich in der Stadt Ärger zusammen: Linke Aktivisten errichten Barrikaden gegen den Neonazi-Aufmarsch. Am späten Samstagabend dann wird aus Frust Gewalt. Von Bernhard Honnigfort

Polizisten gehen am Dresdner Hauptbahnhof gegen linke Demonstranten vor.
Polizisten gehen am Dresdner Hauptbahnhof gegen linke Demonstranten vor.
Foto: Getty

Dresden. Am späten Samstagabend wurde aus Frust Gewalt. Auf der Heimreise tobten sie sich aus: In der Stadt Pirna in der Sächsischen Schweiz zertrümmerten Neonazis das Büro einer SPD-Landtagsabgeordneten. Im ostthüringischen Gera kam es zu Krawallen mit der Polizei, die 183 Neonazis festnahm.

Der Samstag war ein schlechter Tag für die Rechtsextremen: Den größten braunen Aufmarsch in Europa wollten sie inszenieren, 8000 sollten nach Dresden kommen. Am Ende waren es deutlich weniger, rund 5000, die frierend, schlecht gelaunt und von Polizei umzingelt den Tag hinterm Neustädter Bahnhof festsaßen.

Dabei hatten doch Europas Rechtsextreme wieder einmal in einem "Trauermarsch" durch die sächsische Landeshauptstadt ziehen und an den Dresdner "Bombenholocaust" vor 65 Jahren erinnern wollen, wie sie die alliierten Luftangriffe im Februar 1945 nennen. Doch zum ersten Mal gelang es Demonstranten, den Marsch zu unterbinden. Das Aktionsbündnis "Dresden Nazifrei" hatte Anhänger aus ganz Deutschland mit großem Erfolg zum zivilen Ungehorsam aufgerufen. Mit Straßenblockaden verhinderten Nazigegner den brauen Marsch.

Aus mehr als 70 Städten waren Sozialdemokraten, Grüne, Gewerkschafter, Linke und Christen nach Dresden gekommen, um den Neonazis den Tag zu verderben. Sie blockierten die Zufahrtsstraßen zum Bahnhof, einige besetzten die Gleise - nichts ging mehr. Die Polizei, die mit mehr als 5000 Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz war, verhielt sich weise: Sie erklärte sich für außerstande, die gewaltigen Blockaden aufzulösen. Stattdessen schickte sie am Spätnachmittag die Neonazis nach Hause.

Es war ein arbeitsteiliger Samstag: Während die Auswärtigen mit Prominenten wie Konstantin Wecker, den Grünen Hans-Christian Ströbele und Claudia Roth oder Jenas SPD-Oberbürgermeister Albrecht Schröter an der Spitze den Marsch verhinderten und der Stadt die Neonazis vom Hals hielten, gedachten die Dresdner selbst in der Altstadt auf der anderen Elbseite mit einer gewaltigen Menschenkette der Kriegsopfer. Etwa 15000 Menschen schlossen sich am Mittag zu einem Ring, der den Stadtkern vom Altmarkt, wo nach den Angriffen vor 65 Jahren Tausende Tote in offenen Feuern verbrannt wurden, bis um das Rathaus, die Synagoge und die Brühlsche Terrasse herum einschloss. So viele Menschen waren noch nie gekommen.

Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) zeigte sich überwältigt. "Alt- und Neunazis versuchen, unseren Tag der Trauer zu missbrauchen. Wir stellen uns deutlich und eindrucksvoll dagegen", sagte Orosz. Sie erwähnte nicht, dass es vor allem Zugereiste waren, die vor dem Neustädter Bahnhof "deutlich und eindrucksvoll" dagegenhielten.

Die Polizei musste gelegentlich einschreiten. Autonome aus den Reihen der Linken hatten in der Neustadt mehrere Autos umgekippt, Müllcontainer in Brand gesetzt und versucht, eine Filiale der Deutschen Bank zu zertrümmern. Auch zerschlugen sie mehrere Busse. Am Ende gab es 29 Festnahmen und mindestens 27 Verletzte, 15 davon Polizisten.

Autor:  Bernhard Honnigfort
Datum:  13 | 2 | 2010
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