Ein Zeichen der Versöhnung in den gespannten Beziehungen zwischen Polen und Russland: Der russische Premier Wladimir Putin will 70 Jahre nach dem Massenmord an polnischen Soldaten in Katyn durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD im April an den Gedenkfeiern teilnehmen. Putin habe seinen polnischen Amtskollegen Donald Tusk zum gemeinsamen Gedenken in dem russischen Ort Katyn eingeladen, hieß es in Moskau. Tusk habe angenommen.
Der polnische Premier sprach von einer Geste mit hohem Symbolwert, denn zum ersten Mal würden die Regierungschefs der beiden Länder gemeinsam des Jahrestags des Massakers von Katyn gedenken. "Premier Putins Teilnahme an den Feierlichkeiten zum Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs und die jetzige Einladung geben Anlass zur Hoffnung, dass unser Gespräch über die Geschichte Polens und Russlands langsam aber konsequent fortgeführt wird. Auch zu dem Zweck, dass die polnisch-russischen Beziehungen immer besser werden", erklärte Donald Tusk.
Der Ort Katyn ist in Polen ein zentrales Symbol für die Unterdrückung und den Terror, den das Land durch die sowjetischen Besatzer erleiden musste. Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Ostpolen im Jahr 1939 wurden fast 15000 polnische Offiziere, Reservisten, Grenzbeamte und Polizisten festgenommen, die später unter anderem in Katyn ermordet wurden. Kaum hatten deutsche Soldaten im Februar 1943 die Massengräber im Wald von Kozy Gory bei Katyn entdeckt, wurde dieser Fund zu einem wesentlichen Element der Nazipropaganda gegen die Sowjetunion.
Sowjets gaben den Deutschen die Schuld
Im Gegenzug behaupteten die sowjetischen Medien, die polnischen Gefangenen seien im Herbst 1941 von den Deutschen ermordet worden. Diese Lüge zog sich 50 Jahre lang durch die Moskauer Propaganda. Erst Michail Gorbatschow gestand die sowjetische Schuld an dem Massaker offiziell ein. Die heutigen Machthaber im Kreml tun sich allerdings überaus schwer damit, die Ermordeten als Opfer des damaligen stalinistischen Terrors anzuerkennen.
In ihrem Leitkommentar schreibt die liberale polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza, die Einladung nach Katyn sei ein weiterer Schritt in der Annäherung der beiden Länder, nachdem Putin bereits an den Gedenkfeiern zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auf der Westerplatte am 1. September 2009 teilgenommen hat. Nun biete sich endlich die Chance, die Beziehungen frei von "Polonophobie und Russophobie zu gestalten, ohne dabei die Tragik der Geschichte zu vergessen".
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