Aktuell: Peter Tauber | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

14. Februar 2016

Gedenktag der Bombardierung: Feier ohne Schreier in Dresden

 Von 
Hand in Hand gedenken Menschen in Dresden der Zerstörung ihrer Stadt vor 71 Jahren.  Foto: dpa

Immer wieder wurde der Gedenktag der Bombardierung Dresdens von Neonazis missbraucht. In diesem Jahr gedachten die Dresdner der Bombardierung so friedlich wie selten.

Drucken per Mail

Es war wie immer: Am Samstagabend haben sich etwa 13 000 Menschen beim Geläut der Kirchenglocken in Dresden die Hand gegeben und eine Menschenkette gebildet, um an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bomber und an die geschätzt 25 000 Menschen zu erinnern, die damals am 13. Februar 1945 umkamen. Es gab Kranzniederlegungen auf Friedhöfen, die Dresdner Philharmonie spielte in der Kreuzkirche, es gab den Mahngang auf den „Täterspuren“ durch die Stadt, es gab Friedensgebete und um 21.45 Uhr das Läuten aller Kirchenglocken, das an den Beginn des Bombardements erinnerte.

Und es war diesmal dennoch anders, als in manchen Jahren zuvor: Erstmals führte die rund vier Kilometer lange Menschenkette auch durch den Zwinger und über den Theaterplatz vor der Semperoper, jenen Platz, der seit über einem Jahr immer wieder vom fremden- und islamfeindlichen Pegida-Bündnis für Kundgebungen genutzt wird. Ein Zeichen wollte man damit setzen: Seht her, es geht auch anders!

Vor allem blieb es ein friedlicher Gedenktag. Zwar waren über 1000 Polizisten im Einsatz, aber sie mussten nicht eingreifen. Früher missbrauchten Neonazis den Dresdner Gedenktag, wollten Dresden zur Hauptstadt ihrer Bewegung machen, sprachen vom „Bombenholocaust“.

Befreit von politischem Missbrauch

5000, manchmal 6000 Rechtsextremisten aus halb Europa zogen durch die Stadt. Es gab heftigen Protest und Blockadeversuche. Es kam jedesmal zu Ausschreitungen. Nach den Tumulten 2011 und einer maßlos überzogenen Handydatenabfrage musste der Polizeipräsident seinen Hut nehmen. Diesmal gab es weder eine Großkundgebung von Rechten noch die entsprechenden Anmeldungen von Gegendemonstranten, keine Blockadeversuche, keine Gewalttaten. Zwar waren am Freitagabend rund 500 Neonazis fernab vom Zentrum durch den Stadtteil Prohlis gezogen, ausgepfiffen und ausgebuht von Gegendemonstranten, aber auch dort passierte ansonsten nichts.

Dresden wirkt mittlerweile kundgebungsmüde. Die Rechten finden sich montags regelmäßig bei Pegida ein, was auch zur Entspannung des Bomben-Gedenktages beigetragen haben dürfte. Der 13. Februar ist in den Hintergrund gerückt, seit Pegida in Dresden offen Fremdenfeindlichkeit predigt und Hass auf Politiker und Journalisten anheizt.

Der Gedenktag ist so mittlerweile zum echten Gedenktag geworden, weitgehend befreit von politischem Missbrauch. Wer verstehen wolle, was am 13. Februar 1945 passiert und wie es dazu gekommen sei, müsse zuhören können, hatte Dresdens FDP-Oberbürgermeister Dirk Hilbert bei einem Bürgerdialog im Haus der Kreuzkirche am Samstag gemahnt. Weniger Geschrei, dafür mehr Gespräche – und Zuhören. Hilbert wünschte sich, dass die Dresdner wieder mehr miteinander reden und dem Anderen auch einmal Gehör schenken würden. Das habe die gespaltene Stadt dringend nötig, denn, so Hilbert: „Wer die Vergangenheit von vor über 70 Jahren von dem trennt, was wir heute in Teilen der Welt erleben, wer sein Herz gegenüber denjenigen verschließt, die bei uns Schutz suchen, der hat die Botschaft des 13. Februars nicht verstanden.“


Die politischen Analysen und Kommentare der FR -
auch unterwegs auf dem Laufenden mit „FR News“.
Unsere beliebte App für iPhone und Android-Smartphones.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Deutsche Banken

Wenn die Deutsche Bank wankt

Von  |
Nicht mehr die Macht der Deutschen Bank bedroht die Gesellschaft, sondern ihre Schwäche.

Heute bedroht nicht die Macht der Finanzkonzerne die Gesellschaft, sondern ihre Schwäche. Ihr Fall könnte die gesamte Volkswirtschaft mit in die Tiefe reißen. Der Leitartikel.  Mehr...

Fremdenfeinde

Die Hassgesänge werden lauter

AfD-Plakat: "Jeder kann sich mal im Ton vergreifen".

Immer hörbarer werden die Stimmen der gesellschaftlichen Klimavergifter, immer brutaler die Angriffe ihrer Anhänger. Doch noch sind die Storchs, Kudlas, Broders nicht die Mehrheit. Der Leitartikel.  Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung