Dresden. Mit Glockengeläut und einer anschließenden "Nacht der Stille" in der Frauenkirche ist das Gedenken an die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg am Samstagabend zu Ende gegangen.
Die Elbestadt war vor 65 Jahren bei Luftangriffen britischer und amerikanischer Bomber zerstört worden, bis zu 25 000 Menschen kamen ums Leben. Nach den traditionellen Konzerten der Staatskapelle Dresden und der Philharmonie gingen viele Besucher mit Kerzen in der Hand noch einmal zur Frauenkirche. Das Gotteshaus ist ein Symbol für die Tragödie, aber auch für den Wiederaufbau Dresdens. Gegen 22.00 Uhr - dem Zeitpunkt der ersten Angriffswelle britischer Bomber am 13. Februar 1945 - läuten in Dresden alle Kirchenglocken.
Am 65. Jahrestag der Luftangriffe hatten mehr als 10 000 Menschen ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt und den Aufmarsch einiger tausend Neonazis vereitelt. Gegendemonstranten blockierten seit den Vormittagsstunden den Zugang zur vorgesehenen Marschstrecke und machten es damit unmöglich, dass Rechtsextreme aus dem In- und Ausland durch die Stadt ziehen konnten. Dresden habe den angereisten Neonazis klar die Stirn geboten, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Am Rande kam es zu vereinzelten Auseinandersetzungen.
Die Polizei registrierte nach ihrem Einsatz 27 Verletzte, darunter 15 Polizisten. Allerdings wurde keiner schwer verletzt. 29 Menschen kamen in polizeilichen Gewahrsam, gab die Polizeidirektion Dresden kurz vor Mitternacht bekannt. Die Betroffenen im Alter zwischen 16 und 36 müssten sich unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz sowie des Waffengesetzes verantworten. "Fast alle Veranstaltungen und Versammlungen in Dresden trugen dem Anlass des Tages gebührend Rechnung", sagte Polizeipräsident Dieter Hanitsch.
Am Sonntag wird der sowjetische Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow in der Semperoper mit dem erstmals vergebenen "Dresden-Preis" geehrt. Gorbatschow war wie auch der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) am Samstagabend Gast beim Gedenkkonzert der Staatskapelle Dresden, bei dem Christian Thielemann Beethovens "Missa solemnis" dirigierte. Der mit 25 000 Euro "Dresden-Preis" wird Gorbatschow vom Verein Friends of Dresden Deutschland verliehen. Ursprünglich sollte die Ehrung am Samstag erfolgen. Aus Sicherheitsgründen war sie aber um einen Tag verschoben worden. Der Preis soll künftig jährlich besondere Leistungen gegen Konflikte, Gewalt und Eskalationen honorieren. (dpa)
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