Erst im Jahr 2009 sei die Notwendigkeit erkannt worden, die Bundeswehr-Angehörigen im Norden Afghanistans mit Fahrzeugen auszurüsten, die Bomben unschädlich machen können. Das sagte am Freitag ein Sprecher des Ministeriums in Berlin.
Er kündigte an, dass vom kommenden Oktober an erste Fahrzeuge in den Einsatz kommen sollen, die mit Robotertechnik ausgestattet seien. Damit ließen sich Sprengfallen auf Straßen finden und unschädlich machen, sagte er. Im Jahr 2013 sollen dann auch Geräte zur Verfügung stehen, die im Gelände eingesetzt werden könnten.
Seit 2009 seien etwa unbemannte Fahrzeuge mit Metalldetektoren und ferngesteuerten Fräsen entwickelt worden, so der Sprecher weiter. Dafür sei „ein gewisser Vorlauf nötig gewesen“. Es werde aber „alles getan, diesen Missstand abzustellen“. Von Frühjahr 2012 an werde die Bundeswehr in Afghanistan über einen besseren Standard verfügen als die dort eingesetzten US-Streitkräfte. Der Sprecher sagte, es sei das Verdienst des Anfang März zurückgetretenen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die Ausrüstung der Bundeswehr zur Chefsache gemacht zu haben. Vor Guttenbergs Amtsübernahme habe die Bürokratie der Ausrüstung zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet.
Zuvor hatte der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), den Einsatz von schwerem Räumgerät in Afghanistan gefordert. Er reagierte damit auf den Tod eines 23-jährigen Soldaten, der am Donnerstag Opfer einer Sprengfalle im Norden Afghanistans geworden war.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ den Angehörigen des Getöteten am Freitag über ihren Sprecher Steffen Seibert ihr Mitgefühl ausdrücken. Die Kanzlerin sei tief traurig, sagte er. Gleichwohl halte die Bundesregierung trotz des dritten Anschlags mit insgesamt vier Toten innerhalb von neun Tagen an der Absicht fest, die Verantwortung für die Sicherheit in Afghanistan schrittweise an afghanische Polizisten und Soldaten zu übergeben.
Anschlag „trifft uns ins Herz“
Bei der Trauerfeier für die vergangene Woche getöteten drei Soldaten in Hannover zeigte sich Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) erschüttert. Was in Afghanistan geschehen sei, „trifft uns tief ins Herz“, sagte de Maizière: „Wir ringen um Fassung.“ Nach solchen Anschlägen seien Zweifel am Afghanistan-Einsatz erlaubt und sogar notwendig, sagte der Minister: „Aber solche Zweifel müssen überwunden werden, wenn wir vom Ziel insgesamt überzeugt sind, und das sind wir.“
Zwei Soldaten, ein 31-jähriger Hauptfeldwebel aus Hannover und ein 43-jähriger Major aus Kastellaun in Rheinland-Pfalz, waren am Samstag bei einem Attentat am Sitz des Gouverneurs der nordafghanischen Provinz Tachar getötet worden. Ein 33-jähriger Hauptmann aus dem hessischen Stadtallendorf starb am Mittwoch zuvor in der Nähe von Kundus durch einen Sprengsatz. Insgesamt kamen seit der Jahreswende 2001/2002 bereits 52 Bundeswehr-Angehörige in Afghanistan ums Leben.
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