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Gefahrenzone Asse

Kritik am Betreiber des Atommüll-Lagers

Hannover. Anwohner und Umweltschützer des Atommüll-Lagers Asse sehen ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. "Dass Atommüll in Asse trocken lagert, ist eine Legende", sagte der Landrat des niedersächsischen Landkreises Wolfenbüttel, Jörg Röhmann (SPD), am Freitag der FR, "eine Legende, die jahrzehntelang aufrechterhalten wurde." Den Schuldigen nannte er auch: "Der Betreiber wusste von Anfang an, dass eine trockene Einlagerung gar nicht geht."

Röhmann forderte, vor einer Schließung des Lagers die Rückholung sämtlicher Abfälle ernsthaft zu prüfen. Das Konzept des Betreibers, des Helmholtz Zentrums München, sieht dagegen vor, dass der Atommüll dort auf immer unter Tage bleibt. Am Vortag war ein Gutachten bekannt geworden, wonach die cäsiumverstrahlte Lauge in dem ehemaligen Salzbergwerk bei Remlingen aus einer der Lagerkammern mit Atommüllfässern stammte. Dort habe sich Verfüllflüssigkeit aus den Zeiten des Kali-Abbaus in den 20er Jahren befunden, erklärten die Experten des Forschungszentrums Jülich und der Universität Clausthal.

Das bedeutet offenbar, dass in den 60er und 70er Jahren ungeachtet der durchtränkten Umgebung Abfallbehälter in die Lagerkammern auf der 750-Meter-Sohle verbracht wurden. Die Flüssigkeit hat dann im Laufe der Jahrzehnte die Fässer angegriffen und Radioaktivität ausgespült.

Hinfällig wurden damit die Erklärversuche des Betreibers, wonach ein kleiner Unfall mit einem Gabelstapler in den 70er Jahren die Cäsiumbelastung ausgelöst habe. Dafür sei die Menge des strahlenden Materials viel zu hoch, heißt es unmissverständlich in der neuen Studie. 77 Kubikmeter der verseuchten Lauge hatte das Helmholtz Zentrum, das die Asse im Auftrag des Bundesforschungsministeriums betreibt, illegal auf die 975-Meter-Sohle abgepumpt.

Skeptisch reagierten die Asse-Gegner auf einen TÜV-Bericht, wonach in dem Bergwerk keine hochradioaktiven Stoffe lagern. Die Prüfer hatten nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums Inventarlisten und Lieferscheine verglichen und dabei keine Anhaltspunkte für Kernbrennstoffe gefunden.

"Der Verdacht bleibt", meinte dagegen Udo Dettmann vom Asse-Koordinationskreis. Laut Ex-Mitarbeitern seien Fässer auch ohne Begleitpapiere angeliefert worden. In einem Fall habe ein Behälter eine extrem hohe Oberflächenkontamination aufgewiesen; doch dann sei so lange Salz darüber gekippt worden, bis man keine Strahlung mehr habe messen können.

Nach Angaben der Linken-Fraktion im Landtag befinden sich mehr als 300 Fässer mit hochradioaktivem Müll in Asse. Diese seien 1973 und 1974 eingelagert worden, sagte der Linken-Abgeordnete Kurt Herzog unter Berufung auf das Umweltministerium. Eine Sprecherin von Ressortchef Hans-Heinrich Sander (FDP) wies dies als unrichtig zurück. Es gehe um acht Fässer mit mittelradioaktiven Abfällen.

Autor:  PETER MLODOCH
Datum:  23 | 8 | 2008
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