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10. Februar 2011

Gegen Kitas in Wohngebieten: Kinderschutzbund empört über CDU-Senioren

 Von Marten Hahn
Zu laut? Die Senioren-Union wehrt sich gegen die generelle Zulassung von Kitas in Wohngebieten.  Foto: dpa

Leonhard Kuckart, der Vize-Bundesvorsitzende der Senioren-Union, will verhindern, dass Kitas generell in Wohngebieten zugelassen werden. Der Deutsche Kinderschutzbund sieht darin den "Ausdruck einer zunehmend kindentwöhnten Gesellschaft".

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Berlin –  

„Kinderlärm ist für mich wie Musik“: Das ist ein Satz, den Leonhard Kuckart schon oft gehört hat und als pauschal verurteilt. Schließlich sei Kindergeschrei, wie es oft in Kindertagesstätten (Kitas) zu hören ist, für viele eine unzumutbare Lärmbelästigung. Genau wie das Hämmern eines Pressluftbohrers. Deswegen hat sich Kuckart, der Vize-Bundesvorsitzende der Senioren-Union, an seinen Parteikollegen Norbert Röttgen (CDU) gewandt.

Der Bundesumweltminister nämlich will das Bundes-Immissionsschutzgesetz um eine Klausel ergänzen, die besagt: Kinderlärm ist „im Regelfall keine schädliche Umwelteinwirkung“. Demnach sollen Kitas in Wohngebieten „generell zugelassen“ werden. Die Regierung will so Klagen stoppen, die sich gegen geplante Kitas in Wohngegenden richten. Wiederholt haben lärmempfindliche Bürger versucht, gegen Kitas in der Nachbarschaft vorzugehen. Der Gesetzentwurf wird kommende Woche im Kabinett beraten.

Doch der Minister hat die Rechnung ohne die Senioren gemacht, die mit rund 57.000 Mitgliedern nach der Jungen Union die zweitgrößte Bundesvereinigung der CDU stellen. Die Klausel müsse verschwinden, fordern sie: „Ich habe das Gefühl, dass hier eine Ausnahmeregelung getroffen wird, die wirklich zu unnötigen Konflikten führt“, erläutert Kuckart. „Man kann nicht von älteren Menschen erwarten, dass sie bis zur Selbstaufgabe alles ertragen“ und verweist auf den wohlverdienten Ruhestand. Sollte es natürlich wissenschaftliche Studien geben, die die Schädlichkeit von Kinderlärm widerlegen, dann, ja dann könne man von der Kritik an Röttgens Vorhaben absehen.

Der Deutsche Kinderschutzbund reagierte am Donnerstag empört auf die Forderung der Seniorenunion der CDU, Kitas und Kinderlärm möglichst aus Wohngegenden fernzuhalten. Äußerungen dieser Art seien „Ausdruck einer zunehmend kindentwöhnten Gesellschaft“, sagte Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers. Kinder würden immer mehr in Schon- und Schutzräume abgeschoben und kämen im Alltagsleben vieler Bürger kaum noch vor.

"Ich bin nicht gegen Kinder"

Den Vorwurf der Kinderfeindlichkeit hält Kuckart für ein Totschlagargument. „Ich bin nicht gegen Kinderlärm, ich bin nicht gegen Kinder. Kinder haben das Recht sich auszutoben. Aber es gibt auch das Recht älterer Menschen.“ Und die seien nun einmal ruhebedürftiger.

Man glaubt Kuckart, dass er „versöhnen statt spalten“ will. Aber wo sollen sie hin, die Kitas? Auf die grüne Wiese? Neben das Einkaufszentrum? Kuckart bleibt diesbezüglich vage: „Die gibt es doch heute schon überall – Kinderspielplätze und -tagesstätten – bei denen es keine Probleme gibt.“ Er vertraue darauf, dass die Kommunalpolitik, wie bisher, die Interessenkonflikte löse – ohne Kinderklausel. Die Gefahr eines Generationenkonflikts hält Kuckart sonst für sehr groß. „Irgendwann werden die wach und dann kommt der Aufstand der Älteren.“ Schon jetzt dränge sich der Eindruck auf, dass „ältere Menschen nicht mehr so wertvoll sind, wie junge Menschen“.

Nun sieht es gerade in Westdeutschland bei der Kinderbetreuung noch dürftig aus. Es kann sein, dass im Fall einer geglückten Familienpolitik das ein oder andere Mitglied der Senioren-Union irgendwann einen Kita-Neubau vor der Haustür hat. Dank des dazugehörigen Kindergeschreis könnten die Betroffenen dann immerhin das Motto der CDU-Senioren leben, das da heißt: Hellwach!

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