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22. Januar 2013

Geiseldrama: Algeriens Premier zieht eine schreckliche Bilanz

Sicherheitskräfte sorgen für den Abtransport der Leichen in In Amenas. Foto: AFP

Angeblich starben 37 Ausländer bei der Geiselnahme, auch 29 Kidnapper sind tot. Jetzt beginnt die Suche nach Vermissten

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Offensive in Mali

Die Bundeswehr hat am Montag mit Unterstützungsflügen für die Truppen der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas begonnen. In der Perspektive soll die Mission 5 800 Soldaten umfassen. Die Maschinen waren am Samstag in Malis Hauptstadt Bamako eingetroffen.

Die vollständige Rückeroberung Malis sei das Ziel, sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Wochenende. Islamistischen Kämpfern dürften keine Rückzugsräume in dem Land gelassen werden. Bisher wurden 2 150 französische Soldaten in das westafrikanische Land verlegt.

Nach dem Ende des Geiseldramas in der algerischen Wüste sind ausländische Experten zur Identifizierung der Leichen in Algerien eingetroffen. Die Experten aus den USA und Japan wollen nach einem TV-Bericht die Opfer untersuchen.

Bei dem Geiseldrama kamen nach einer vorläufigen Bilanz mindestens 80 Geiseln und Islamisten ums Leben, es sollen 37 ausländische Geiseln getötet worden sein. Die ausländischen Todesopfer gehörten acht verschiedenen Nationalitäten an, sagte Algeriens Ministerpräsident Abdelmalek Sellal auf einer Pressekonferenz am Montag in Algier. Aber es würden immer noch Menschen vermisst, noch seien Suchtrupps auf dem Gelände im Einsatz.

Die mehrtägige Geiselnahme von mehreren hundert Menschen in der algerischen Gasförderanlage bei In Amenas soll nach Angaben Sellals von einem Kommando verübt worden sein, das aus dem Norden Malis kam. An dem Kommando seien ungefähr drei Dutzend Terroristen aus sechs Ländern beteiligt gewesen, sagte der Regierungschef. 29 Kidnapper seien getötet, fünf Terroristen festgenommen worden. Drei weitere Islamisten seien geflohen.

Die Täter sollen aus Algerien, Tunesien, Ägypten, Mauretanien, Mali und Kanada stammen. Anführer der Gruppe war laut Sellal der algerische Islamistenführer Mohamed el-Amine Benchenab. Dieser sei dem Geheimdienst seit langem verdächtig gewesen. Benchenab sei bei dem Sturmangriff zur Beendigung der Geiselnahme getötet worden.

Zur Staatsangehörigkeit der getöteten Geiseln äußerte sich Sellal nicht weiter.Am Montag galten noch immer fünf Ausländer als vermisst. Durch ihre Heimat-Regierungen wurden der Tod eines Franzosen, eines US-Bürgers, zweier Rumänen, dreier Briten sowie von sechs Philippinern und sieben Japanern bestätigt.

Weitere Angriffe angedroht

Die Gruppierung Al-Mulathamin – „Die mit Blut unterzeichnen“ – kündigte inzwischen weitere Angriffe an. „Wir versprechen weitere Einsätze in allen Ländern, die an dem Kreuzzug gegen Azawad (der von den Tuareg für ihren künftigen Staat in der Sahel-Region verwendete Name, zu dem der Nord-Mali gehört ) teilgenommen haben, wenn sie ihre Entscheidung nicht überdenken.“ So heißt es in einer Erklärung der Gruppe, deren Anführer der Algerier Mokhtar Belmokhtar ist.

Zu den Forderungen der Geiselnehmer gehörte unter anderem, die algerische Regierung müsse Frankreich den Überflug algerischen Territoriums für Einsätze im benachbarten Mali im Süden verweigern. Informationsminister Mohamed Said erklärte am Sonntagabend, die Regierung in Algier habe sich noch nicht festgelegt, ob sie französischen Flugzeugen im Mali-Konflikt uneingeschränkte Überflugrechte gewährt würde. Die Frage werde „in Abhängigkeit von den obersten Interessen Algeriens entschieden.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius hatte vor einer Woche, zwei Tage nach Beginn des Mali-Einsatzes, gesagt, Algerien habe französischen Flugzeugen auf dem Weg in das im Süden angrenzende Mali „uneingeschränkte“ Überflugrechte gewährt. Präsident Hollande erklärte, Algeriens Präsident Bouteflika habe den Überflug für „eine bestimmte Zahl unserer Flugzeuge“ genehmigt. (AFP, dpa)

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