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Geistliches Ex-Oberhaupt der Hisbollah: Radikal, aber auch aufgeschlossen

Sein Leben lang war er eine religiöse Autorität, der Mentor der libanesischen Hisbollah. Großayatollah Mohammed Hussein Fadlallah, stirbt im Alter von 74 Jahren. Von Martin Gehlen

Mohammed Hussein Fadlallah galt als aufgeklärt und verurteilte die Attentate vom 12. September.
Mohammed Hussein Fadlallah galt als aufgeklärt und verurteilte die Attentate vom 12. September.
Foto: dpa

Er war der große alte Mann der libanesischen Schiiten - klug und umfassend gebildet, radikal in seinen Ansichten und gleichzeitig gegenüber modernen Ideen aufgeschlossen. Den USA galt er als der geistliche Mentor der Hisbollah, eine Charakterisierung, die er stets zurückgewiesen hat. In der Nacht zum Sonntag ist Großayatollah Mohammed Hussein Fadlallah in einem Krankenhaus in Beirut an inneren Blutungen gestorben.

Sein Leben lang war der 74-Jährige eine religiöse Autorität, die über den Libanon hinaus auch im Irak großen Einfluss hatte. In den achtziger Jahren beschuldigten ihn die USA, hinter den Geiselnahmen von Europäern udn Amerikanern im Libanon zu stecken. Einer mutmaßlichen CIA-Bombe entging er nur, weil er sich wegen eines Gesprächs mit einer alten Frau verspätet hatte. Statt seiner starben 80 Moscheebesucher. Später setzte Washington den eloquenten Gottesmann zusammen mit Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah auf seine Terrorliste.

Geboren wurde Fadlallah am 16. November 1935 im mittelirakischen Nadschaf, wohin seine Eltern aus einem Dorf im Südlibanon emigriert waren. Er wuchs auf im Schatten der heiligsten Stätte der Schiiten, der Grabmoschee von Imam Ali, dem vierten Kalifen und Schwiegersohn des Propheten. Seit Jahrhunderten war die Stadt ein wichtiges Zentren schiitischer Gelehrsamkeit.

Früh Distanz zur Teheran

Auch Ayatollah Khomeini verbrachte hier den größten Teil seines Exils und erarbeitete das Konzept der "Herrschaft des höchsten Rechtsgelehrten", jener Doktrin, nach der das geistliche Oberhaupt in allen Staatsangelegenheiten das letzte Wort hat.

Fadlallah dagegen war Schüler von Ayatollah Baqr al-Sadr, der als geistiger Vordenker einer schiitischen Befreiungstheologie 1980 von Saddam Hussein hingerichtet wurde. Zurück im Libanon gründete der Prediger zahlreiche Religionsschulen, aber auch Kliniken, Büchereien sowie Kulturzentren, um den neu erwachten politischen Anspruch seiner Glaubensgemeinschaft zu verankern.

Zur iranischen Revolution ging der Großayatollah mit dem grauen Bart schon bald auf Distanz. Die Teheraner Führung verstünde die komplexen Verhältnisse im Libanon nicht, kritisierte er und lehnte einen Gottesstaat nach iranischem Vorbild ab.

Fadlallah gehört zu den Mitbegründern der libanesischen Hisbollah und der irakischen Dawa-Partei, aus der der amtierende Ministerpräsident Nuri al-Maliki hervorging. In seinen Fatwas setzte sich der Vater von elf Kindern auch für die Rechte von Frauen ein - unter anderen verurteilte er die weibliche Genitalverstümmelung und machte Front gegen so genannte Ehrenmorde.

Mehrfach äußerte sich der Gelehrte zum Einsatz von Gewalt im Namen des Islam. Zu Zeiten der israelischen Besatzung im Südlibanon hielt er Selbstmordattentate für gerechtfertigt. Dezidiert verurteilte er dagegen die Anschläge vom 11. September 2001. Die Al-Kaida-Kämpfer seien keine Märtyrer, sagte er damals, sondern "bloße Selbstmörder".

Autor:  Martin Gehlen
Datum:  5 | 7 | 2010
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