Eine Pipeline direkt vom Förderland zum Verbraucher: Das war der Wunsch der russischen Regierung und der deutschen Energieversorger. Die Geografie wäre überlistet. Kein Staat, der dazwischen liegt, könnte den Gasfluss stören. Das ist der politische Hintergedanke der Planungen.
Polen und die baltischen Republiken haben gegen die Ostsee-Pipeline Nord Stream von Anfang an protestiert: Sie wären davon abgeschnitten, könnten sich nicht auf die Interessen der westlichen EU-Partner verlassen, sollte es zu Konflikten wie zwischen Russland und der Ukraine kommen. Der Ausbau der seit 2001 funktionierenden Jamal-Gasleitung - Gazprom und die polnische PGNiG sind Hauptbesitzer - würde Polen dabei helfen, seine West-Integration fördern und zur Stabilisierung der Lage in Europa beitragen.
Nord Stream, die Ostsee-Pipeline, gehört zu 51 Prozent einer Tochtergesellschaft des russischen Monopolunternehmens Gazprom. Mit je 20 Prozent sind die deutschen Energiekonzerne BASF / Wintershall und Eon Ruhrgas beteiligt. Neun Prozent hält die niederländische Gasunie. Firmensitz ist Zug (Schweiz). Die geschätzten Kosten für den Bau erhöhten sich seit 2005 von fünf Milliarden auf rund acht Milliarden Euro. Kritiker sagen, dass das Projekt nicht nur noch deutlich teuerer wird, sondern zudem unkalkulierbare Risiken für die Umwelt beinhaltet. Das Nabucco-Konsortium wird von der österreichischen OMV geführt. Beteiligt sind Gaz de France, die italienische Eni sowie die deutschen Firmen Eon und RWE. An den nationalen Netzen in Serbien, Bulgarien und Österreich besitzt Gazprom durch Tochtergesellschaften große Anteile. Gazprom hält auch 50 Prozent der Anteile am Speicher- und Verteilerknoten Baumgarten (OMV, Österreich), der auch ein Endpunkt von South Stream werden soll. Der Baubeginn der Röhre wurde mehrfach verschoben, zuletzt auf 2011. South Stream ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Gazprom und Eni und steht in Konkurrenz zum Nabucco-Projekt. Bulgarien, Serbien und Ungarn stimmten dem Bau der Röhre zu. Russland würde damit seine Dominanz in der Gaslieferung stärken.
Derzeit ist die Ukraine in der Schlüsselposition. An ihrer Westgrenze, bei Brody, laufen die Ost-West-Pipelines zusammen. Die Sowjet-Planer knüpften absichtlich den Knotenpunkt: Sie schnitten das gesamte Verteilungsnetz auf das UdSSR-Territorium zu. Daher sind die wichtigen Förderstaaten Zentralasiens auf den Transit über das von Gazprom monopolistisch verwaltete Netz angewiesen.
Westliche Konzerne, die früh in Kasachstan und Usbekistan zu investieren begannen und vor allem Turkmenistan für ihren Weltmarkt öffnen möchten, wollen das ändern. Das Nabucco-Projekt dient diesem Ziel. So wurde Georgien zum Teilnehmer im Gasröhrenpoker; die Rosenrevolution und der russisch-georgische Krieg haben Einiges damit zu tun.
Wie viel Gas Zentralasien in die Nabucco-Röhre - so sie denn gebaut wird - einleiten könnte, ist unsicher. Gazprom und Chinas Sinopec haben sich bereits erhebliche Mengen gesichert. Iran käme als Zulieferer in Betracht. Das brachte der türkische Energieminister Taner Yildiz, der die Türkei als Transitland im Projekt sehen will, vor drei Wochen zur Sprache. Der US-Sonderbeauftragte Richard Morningstar konterte: "Gegenwärtig unterstützen wir die Beteiligung Irans nicht" - da gebe es schließlich ein Embargo.
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