Im Atomkraftwerk Biblis B besteht nach FR-Informationen seit 10. Januar ein Leck zwischen erstem und zweitem Kühlkreislauf, durch das radioaktive Flüssigkeit dringt. Das Leck war bis Freitag nicht geschlossen. Reparaturarbeiten waren nicht im Gange.
Das hessische Umweltministerium bestätigte den Sachverhalt auf FR-Anfrage. "Es ist radioaktives Wasser aus dem ersten in den zweiten Kreislauf ausgetreten", sagte Sprecher Thorsten Volkert. Der Dampf im zweiten Kreislauf treibt die Strom-Turbinen an. Die Menge liege "aber nur bei einem Tausendstel des zulässigen Tagesgrenzwerts". Es sei kein Störfall.
Man werde erst in zwei Wochen bei einer Routine-Wartung mit der Reparatur beginnen, sagte Volkert - obwohl man nicht wisse, "ob eine Rohrverbindung undicht ist oder ob es ein Loch gibt".
Als "unverantwortlich" und "gefährliches Spiel mit der Gesundheit der Menschen" bezeichnete Grünen-Chef Tarek Al-Wazir den Weiterbetrieb des AKW. "Auch wenn es sich nur um geringe Mengen handelt, zeigt dies einmal mehr die großen Gefahren, die von der Atomkraft insgesamt und den pannenanfälligen Reaktoren in Biblis im Speziellen ausgehen." Auch die Ärzteorganisation IPPNW, die auf die Leckage hingewiesen hatte, kritisierte das Vorgehen des Ministeriums heftig.
Der Reaktor-Experte des Öko-Instituts in Darmstadt, Stephan Kurth, sagte der FR, er halte es für notwendig, Leckagen im radioaktiven Primärkreislauf so weit wie möglich zu vermeiden und möglichst schnell abzustellen, falls sie doch eintreten. Leckagen an Dampferzeugerrohren habe es auch in anderen AKW bereits gegeben. Die tatsächliche Bedeutung hänge von der Größe des Lecks ab. Zulässige Grenzen sind in den Betriebsvorschriften definiert. Biblis B ist das drittälteste der noch aktiven deutschen Atomkraftwerke.
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