Berlin. Schon vor fünf Jahren war sie von SPD und Grünen für das Bundespräsidentenamt vorgeschlagen worden, mehr als ein Achtungserfolg sprang gegen Horst Köhler aber nicht heraus.
An diesem Samstag ist Gesine Schwan, die ehemalige Professorin für Politische Philosophie, im zweiten Anlauf für das höchste Staatsamt erneut gescheitert. Auch Delegierte des eigenen Lagers verweigerten ihr offensichtlich diesmal die Gefolgschaft in der Bundesversammlung.
Schwan war zuvor mit Bemerkungen zur Bewertung der DDR und über die soziale Lage in Deutschland teilweise angeeckt. "Ich bin nicht der Typ für Ausgefallenes", sagt Schwan. Sie trägt klassische Kostüme - gekauft meist in einer Second-Hand-Boutique. Für andere zeichnete sie schon früh durch ganz andere Qualitäten aus.
"Sie war schon damals superschlau, sehr gerecht, sehr redlich", erinnert sich ihr ehemaliger Mitschüler Reinhard Mey. Der spätere Liedermacher durfte bei ihr vor einem halben Jahrhundert am Französischen Gymnasium in Berlin bei Klassenarbeiten abschreiben.
Die Tochter eines Oberschulrats, die am Tag vor der Präsidentenwahl 66 Jahre geworden war, stammt aus einem sozial engagierten Elternhaus, das im Nationalsozialismus zu Widerstandskreisen gehörte. Politisch wurde Schwan auch durch die Studentenbewegung der 60er Jahre geprägt.
1972 trat sie in die SPD ein. Dort zählte sie zum konservativen Flügel. Wegen ihrer abweichenden Meinung zum deutschlandpolitischen Kurs der Partei schied sie vorübergehend aus der SPD-Grundwertekommission aus. Zu ihrem Lebensthema hat Schwan das ständige Werben für die Demokratie gemacht.
Die bekennende Katholikin lehrte an der Berliner Freien Universität. Seit 1999 stand sie bis zu ihrer Pensionierung im Oktober 2008 an der Spitze der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Das Amt der Koordinatorin der deutsch-polnischen Zusammenarbeit setzte die Mutter von zwei erwachsenen Kindern auch unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) fort. Ihr Mann ist der frühere Weltbank-Manager und Gründer der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, Peter Eigen. (dpa)
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.