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09. Februar 2016

Gespräch mit Papst Franziskus : Der Anruf, an den sich Merkel nicht erinnert

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Nach eigener Darstellung tat der Papst daraufhin, was seine Vorgänger gegenüber Luther nie getan hätten: Er ruderte zurück.  Foto: REUTERS

Ein Vergleich von Papst Franziskus brachte Kanzlerin Angela Merkel offenbar so in Rage, dass sie zum Telefon griff - das hat Franziskus kürzlich ausgeplaudert.

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Ab und zu erwacht in Angela Merkel die protestantische Pfarrerstochter. Dann muss sie sich unbedingt mit jener Institution anlegen, in der einst Martin Luther (zumindest zeitweise) den Antichrist gesehen hat. Papst Benedikt XVI. hat diesen dunklen Drang der Kanzlerin zu spüren bekommen. Nun war auch Franziskus dran, angeblich. Während Merkel den Streit mit dem deutschen Landsmann selbst an die große Glocke gehängt hat, wäre die Kontroverse mit dem Argentinier nie bekannt geworden – hätte das Oberhaupt der Katholiken sie nicht ausgeplaudert.

„Sie war ein bisschen verärgert, weil ich Europa mit einer unfruchtbaren Frau verglichen habe“, berichtete Franziskus im Gespräch mit der italienischen Zeitung „Corriere de la Sera“. In einer Rede vor dem EU-Parlament hatte der Papst das organisierte Europa als „Großmutter“ bezeichnet, die „nicht mehr fruchtbar und dynamisch“ sei. Angela Merkel hat diese Kritik so in Rage gebracht, dass sie zum Telefonhörer griff und sich mit Franziskus verbinden ließ, so der Bericht der italienischen Zeitung.

Wie meinen?

Ob er tatsächlich meine „Europa könne keine Kinder mehr bekommen“, habe sie gefragt. Nach eigener Darstellung tat der Papst daraufhin, was seine Vorgänger gegenüber Luther nie getan hätten: Er ruderte zurück und versicherte der aufgebrachten Politikerin, dass Europa aus seiner Sicht „in seinen dunkelsten Momenten“ unerwartete Ressourcen gezeigt habe.

Die Kanzlerin selbst ließ zu dieser Episode mitteilen: „Die Bundeskanzlerin kann sich an einen Anruf beim Papst nicht erinnern. Ansonsten schätzt sie jede Begegnung mit ihm außerordentlich“, so ihr Sprecher Steffen Seibert gegenüber der FAZ (Mittwoch).

Mit dem Vorgänger des heutigen Papstes führte Merkel durchaus harte Auseinandersetzungen. 2009 hatte der Papst eine Kirchenstrafe gegen ultrakonservative Priester zurückgezogen, an der Spitze den britischen Bischof Richard Williamson – einen Leugner des Holocaust. Angela Merkel forderte eine Klarstellung.

Zwar gehört sie einer anderen Kirche an, aber als deutsche Regierungschefin fühlt sie sich grundsätzlich für das Verhältnis zu den Juden verantwortlich. Es sei der Eindruck entstanden, sagte sie öffentlich, dass es eine Leugnung des Mordes an den Juden geben könne. Das aber dürfe nicht so stehen bleiben.
Benedikt lenkte ein und erklärte bei einer Generalaudienz, der Holocaust sei „ein Mahnmal gegen jedes Vergessen und Leugnen.“ Auch mit ihm kam sie wieder ins Reine.

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