Sabine R. ist ein funktionierendes Mitglied der Bürgergesellschaft. Sie sitzt im Elternbeirat zweier Schulen, sie lebt ein unauffälliges Leben mit Hobbys wie "lecker essen gehen" und "künstlerisches Werkeln", sie hat mit zehn Kindern dazu beigetragen, die Rente zu sichern. Bundespräsident Roman Herzog übernahm die Ehrenpatenschaft des siebten Kindes, das tut das Staatsoberhaupt bei allen siebten Kindern.
Enibas ist Nationalsozialistin. Sie moderiert Foren auf thiazi.net, der wohl wichtigsten deutschen Neonazi-Plattform im Internet. Sie verehrt Joseph Goebbels und Leni Riefenstahl, feiert Hitlers Geburtstag und freut sich, dass "Jude", wie sie meint, wieder ein "Schimpfwort" sei. Enibas findet, "für den Volkserhalt ist es notwendig, dass Mann und Frau wissen, dass das höchste Glück auf Erden in vielen Kindern und einer guten Ehe liegt". Sie glaubt, "dass ein Mensch mit einem gesunden Rassebewusstsein einfach kein Verlangen nach fremdrassigem Sex hat". Homosexualität hält sie für "eine Krankheit, für die es leider noch keine Heilung gibt" - denn Schwule tun ihre Pflicht nicht: "eine deutsche Familie zu gründen". Sie selbst hat zehn Kinder, Hund und Meerschweinchen.
Sabine R. ist Enibas, sagen Antifa-Aktivisten. Auf Flugblättern an ihrem Wohnort und per Internet haben sie sie jetzt geoutet. Die Autonome Antifa Freiburg (AAF) hat auf thiazi.net die hier wiedergegebenen Zitate gesammelt, Bilder, die Enibas von sich in Netz gestellt hat, sowie Fotos, die sie bei Neonazi-Demonstrationen zeigen. Kein Zweifel: Die Frau auf den Bildern ist dieselbe wie auf der Homepage von Sabine R.
Sabine R. spricht nicht mit der Presse. Sie lässt sich von ihren Kindern verleugnen oder schickt ihren Mann vor, der alles abstreitet - kein Wunder: Viele Äußerungen von Enibas sind illegal. Doch die Reaktionen auf das Outing liefern weitere Indizien: Die Homepage der Familie "wird zur Zeit überarbeitet". Die übelsten Zitate sind von thiazi.net verschwunden. Moderatorin Enibas hat sich in "Heller Schatten" umbenannt. Zu spät. Um Sabine R. auf die Schliche zu kommen, reichte es, den Usernamen Enibas rückwärts zu lesen und ein paar Informationen zu googeln, die sie von sich preisgibt. Bei "Sabine Großfamilie Meerschweinchen" ist der erste Treffer die Kabel-1-Reportage "Unternehmen Großfamilie" von 2004. Mit den Informationen dazu - darunter Namen aller zehn Kinder - ist die Homepage von Familie R. schnell gefunden.
Gegenteil des Klischees
Im Kabel-1-Text heißt es über Sabine R.: "Die Mutter ist Köchin, Putzfrau, Zuhörerin, Krankenschwester und Spielkameradin in einer Person." Dass sie Torten mit Hakenkreuz-Guss backt, als Sanitätshelferin bei Neonazi-Demos fungiert und mit den Kindern bei Gleichgesinnten "Wikingerspiele" veranstaltet, deretwegen auch mal die Polizei gerufen wird, fiel dem Kabel-1-Team offenbar ebenso wenig auf wie dem SWR, der 2007 über die Familie berichtete.
Sabine R. ist das Gegenteil des Klischees vom jungen, männlichen, schlecht ausgebildeten, arbeitslosen, ostdeutschen Neonazi, Tarnung ihre Taktik. Enibas schrieb: "Ich glaube, niemand würde mich mehr in den Elternbeirat unserer Schule wählen, wenn ich in der NPD wäre. Dann täte man mich als ,bösen Nazi´ abstempeln und niemand würde mir mehr zuhören." Deshalb sei sie "nirgends offiziell organisiert".
Am Elternstammtisch hätten "die meisten Eltern eine recht gesunde Auffassung", fruchtbarer Boden für "subtilen Einfluss", findet Enibas: ",Wir müssen nun schmiegsam und anpassungsfähig sein - wie es unser Führer so ergreifend sagte." Was Enibas von ihrer Tätigkeit als Elternvertreterin erzählt, klingt weder subtil noch geschmeidig: Sie agitiert gegen Aktionswochen "Schule ohne Rassismus", macht Schülerinnen lächerlich, die Neonazis fürchten, hetzt gegen "Mulattenkinder".
Vor allem wegen der Tätigkeit im Elternbeirat haben Antifa-Aktivisten Sabine R. jetzt geoutet. Wie der mutmaßliche NPD-Bombenbastler aus Lörrach, den die AAF 2009 auffliegen ließ, sei Enibas "eine Gefahr": weil sie als Elternvertreterin Unbedarfte ebenso indoktriniere wie ihre eigenen Kinder, weil sie mit Vorträgen Neonazis festige, weil sie als Anti-Antifa-Aktivistin Gegendemonstranten bei rechten Kundgebungen fotografiere und die Bilder ins Internet stelle. Dafür hat sich die Antifa nun gründlich revanchiert.
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