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30. Juli 2012

Gewalt gegen Homosexuelle: Der Hass der Machos

 Von Peter Riesbeck
Schweigeminute beim Brüsseler CSD für Ihsane Jarfi.  Foto: dpa/Olivier Hoslet

Eine Serie von Gewalttaten gegen Homosexuelle erschüttert Belgien. Oft lauern die Schläger ihren Opfern im Umfeld von Schwulencafés auf. Trauriger Höhepunkt war die Ermordung des 32-jährigen Ihsane Jarfi Ende April in Lüttich.

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Brüssel –  

Die Täter kamen auf dem Fahrrad. Matthias Goethals hatte gerade ein Schwulencafé in Gent verlassen und radelte nach Hause, als er bemerkte, dass ihm drei Jugendliche folgten. Er radelte schneller, versuchte zu entkommen, wurde aber eingeholt und niedergeschlagen. „Es kann doch nicht sein, dass sich Schwule in einem Land wie Belgien verstecken müssen“, klagt Goethals.

Der Überfall in der vorigen Woche ist der jüngste einer Serie von homophoben Gewalttaten in Belgien. Oft lauern die Schläger ihren Opfern im Umfeld von Schwulencafés auf. Trauriger Höhepunkt war die Ermordung des 32-jährigen Ihsane Jarfi Ende April in Lüttich. Sein Tod gilt als erster homophober Mordfall in Belgien – dem Land, das von Elio Di Rupo regiert wird, dem einzigen offen schwulen Ministerpräsidenten der Welt.

Der Hintergrund der Täter

Offizielle Statistiken gibt es nicht zu Angriffen auf „Holebis“ – Homosexuelle, Lesben und Bisexuelle –, wie die Belgier gender-neutral sagen. Auffallend häufig sind laut Polizei an den Überfällen aber muslimische Jugendliche beteiligt. Nach einer Studie von Marc Hooghe von der Universität Leuven meidet ein Fünftel der muslimischen Jungen den Kontakt mit Schwulen. „Ich bin wirklich kein Rassist, aber es passiert mir schon, dass ich von nordafrikanischen Jugendlichen beschimpft werde“, gab Überfallopfer Goethals in einem Zeitungsinterview zu Protokoll.

Yves Aerts ist zurückhaltender in seiner Analyse. „Zwei der drei Täter beim Mord an Ihsane Jarfi waren blanke Belgier“, sagt er. Sprich: Sie kommen nicht aus einer Zuwandererfamilie. Aerts trägt eine khakifarbene Drei-Viertelhose und eine kleine Aids-Schleife am karierten Hemd. Der Jurist arbeitet seit fünf Jahren für die Holebi-Vereinigung „Cavaria“ in Antwerpen. Er glaubt nicht, dass die absolute Zahl der Übergriffe auf Schwule tatsächlich gestiegen sei. „Es gab immer eine Dunkelziffer. Aber nach dem schockierenden Mord wird darüber berichtet. Und die Opfer trauen sich endlich, auch zur Polizei zu gehen. In der Macho-Kultur, die dort vorherrschte, wurden Übergriffe auf Schwule doch jahrelang bagatellisiert.“

Der Aktionsplan der Regierung

UNTER STRAFE

Illegal ist Homosexualität in 68 Ländern weltweit. 29 von ihnen liegen in Afrika, 22 in Asien.

Die Todesstrafe droht Schwulen in sieben Ländern: Somalia, Iran, Jemen, Mauretanien, Nigeria, Saudi-Arabien und Sudan.

Lebenslange Haft müssen sie in Bangladesch, Barbados, Birma, Guyana, Pakistan, Sierra Leone und Singapur befürchten. In Uganda können Schwule und Lesben derzeit mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden.

Auch Aerts hat keine Statistiken. Aber er warnt vor vorschnellen Schlüssen. „Wir müssen damit aufhören, zu stereotypisieren.“ Muslimische Jugendliche neigten vor allem zu verbaler Gewalt, ist seine Erfahrung. Und: „Wir beobachten diese Tendenz auch überwiegend bei Jugendlichen, deren Familien aus Marokko stammen, nicht aber bei türkischstämmigen Jungs.“ Laut Aerts geht es um Machokultur und ein bestimmtes Bild vom vermeintlich starken Mann – das verfängt auch bei bestimmten anderen Bevölkerungsgruppen. „Ich würde daher lieber über Gender-Typisierungen reden.“

Belgiens Regierung hat einen Aktionsplan vorgelegt, danach sollen sogenannte Hassdelikte in Zukunft strenger bestraft und der Opferschutz gestärkt werden. „Es gibt aber leider kein Wundermittel gegen Homophobie“, sagt Aerts. Er verweist stattdessen lieber auf Ministerpräsident Elio Di Rupo: „Offen schwul, Sohn italienischer Zuwanderer und Arbeiterkind. Das steht für ein weltoffenes Belgien.“

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