Politik
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17. Januar 2013

Gewalt und Spiele: Click to kill

 Von Sebastian Moll
In diesem makabren, im Internet frei verfügbaren Animationsspiel muss der Spieler möglichst viele Kinder mit einer doppelläufigen Flinte ins Jenseits befördern. Foto: Flash Game net

Der jüngste Amoklauf in Newtown befeuert die Diskussion um die US-amerikanische Gewaltkultur. Jetzt geraten Spiele wie „Kindergarten-Killer“ ins Visier.

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Wayne La Pierre ist zu einer Spottfigur in den USA geworden. Keine Comedy-Sendung ließ den Direktor der National Rifle Association ungeschoren, der öffentlich empfahl, die existierende Waffengewalt mit noch mehr Waffen zu bekämpfen. Die Verantwortung für die amerikanische Gewaltkultur schob La Pierre auf Videospiele und gewalttätige Fernsehserien. Eines zumindest hat der Waffenlobbyist mit seiner Tirade gegen Computerspiele erreicht: Seit Weihnachten wird in den USA debattiert über die Gefahren gewalttätiger Spiele wie „Kindergarten Killer“, in dem der Spieler mit einer Flinte eine tödliche Jagd auf Kleinkinder macht.

Zehn Milliarden Dollar Umsatz

Im Feuilleton der New York Times wurde über den Zusammenhang zwischen dem Spielen von Games wie „Mortal Kombat“ oder „Call of Duty – Black Ops II“ und der Aggression von Gamern im wirklichen Leben zu lesen. Politiker beider Seiten schlugen sich zumindest in diesem Zusammenhang auf die Seite von dem Waffenmann La Pierre und verurteilten die Spiele. Die Sonderkommission von Vizepräsident Joe Biden zur Eindämmung von Waffengewalt setzte die Spiele ebenfalls auf ihre Tagesordnung.

Die Priorität von Bidens Bemühungen ist es zwar nach wie vor Wege zu finden, den Erwerb und Besitz von Waffen besser zu kontrollieren. Doch in dem Versuch, das Problem von allen Seiten anzugehen, versprach er auch, keinen Risikofaktor auszuschließen. Und so setzte er sich am vergangenen Freitag mit Vertretern der Spieleindustrie zusammen, um zu beratschlagen, was man tun könne.

Wirklich hart ging Biden mit der Branche, die alleine in den USA pro Jahr zehn Milliarden Dollar umsetzt, allerdings nicht ins Gericht. Der Vizepräsident gestand den Spielemachern zu, dass es keinen wissenschaftlich gesicherten Zusammenhang zwischen den Spielen und der Gewalt im wirklichen Leben gibt.

Und Biden war sich mit den Industrievertretern einig, dass die existierende Selbstkontrolle, die Altersbeschränkungen für bestimmte Spiele sowie die Kennzeichnungspflicht für bedenkliche Inhalte umfasst, ausreicht. Die Branche, so Biden, müsse lediglich besser kommunizieren, was sie bereits unternehme.

An drastischerem Vorgehen hinderte Biden neben der finanzkräftigen Spielelobby vor allem ein Urteil des obersten Bundesgerichts aus dem vergangenen Jahr, das Videospiele unter dem Verfassungsrecht auf freie Meinungsäußerung geschützt sah. Jeder Regulierungs- oder Beschränkungsversuch würde für die Regierung einen zähen juristischen Grabenkrieg bedeuten.

Politischer Druck erhöht

Den politischen Druck seit Newtown, etwas gegen die Spiele zu tun, hat Biden damit allerdings wohl nur noch erhöht. Die Gegner der Spiele beschweren sich noch lauter als vor diesem halbherzigen Treffen mit der Industrie. Sie weisen darauf hin, dass alle Amokläufer der vergangenen Jahre obsessive Spieler waren.

Dennoch konnte die Diskussion um gewalttätige Spiele die Debatte um Waffenkontrolle nicht vom ersten Platz der Tagesordnung verdrängen. Und so muss sich Wayne LaPierre wohl weiter mit den Angriffen auf seine Organisation auseinandersetzen.

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