kalaydo.de Anzeigen

Gewaltbereite Szene: Die autonome Gefahr von ganz rechts

Innenminister Friedrich (CSU) warnt vor einem gewaltbereiten Block von rechtsextremen „Autonomen Nationalisten“ (AN). Regelmäßig kommt es zu Gewaltausbrüchen auf Demonstrationen.

Aufmarsch von Neonazis in Gießen (Archivbild).
Aufmarsch von Neonazis in Gießen (Archivbild).
Foto: dpa

Wie eine Befreiung sei für ihn der Wechsel von den Neonazis zu den rechtsextremen „Autonomen Nationalisten“ (AN) gewesen, beschreibt ein junger Aussteiger seine Erfahrungen. „Vorher gab es in der Naziszene Vorgaben, was Musik, Kleidung, Essen betraf. Danach musstest du dich richten. Als AN konnte man freier sein. Du konntest hören, was du willst, du konntest Döner essen gehen, du konntest alternative Klamotten tragen.“

Seit vor acht Jahren die ersten „Autonomen Nationalisten“ auf rechten Demonstrationen auftauchten, hat sich die AN-Bewegung zu der am stärksten wachsenden Strömung innerhalb des Neonazi-Spektrums ausgeweitet. Vor dem Hintergrund des Terroraktes in Norwegen hat dann auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) die Autonomen Nationalisten als eine Gruppe bezeichnet, die den Behörden Sorgen bereite.

Mittlerweile zählt der Verfassungsschutz 1000 Personen zu dieser Szene, das ist fast jeder fünfte Neonazi. Regionale Hochburgen sind der Westen Deutschlands und Berlin. Da die AN-Szene betont gewaltbereit und unkontrollierbar auftritt, wird sie von den Sicherheitsbehörden hierzulande mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet. Nach Verfassungsschutzerkenntnissen sind die meisten der AN-Aktivisten zwischen 18 und 25 Jahre alt und damit deutlich jünger als die Wortführer der vergleichsweise traditionell ausgerichteten Neonazis.

Attraktiv ist für die Anhänger die aktionsorientierte Ausrichtung der AN – mit antiparlamentarischer Politik und radikalen Kampfformen widersetzen sich die Rechts-Autonomen dabei bewusst den Vereinnahmungsversuchen der NPD. Die rechtsextreme Partei hat darauf auch schon reagiert und die AN von ihren Demonstrationen als „unerwünscht“ ausgeschlossen. Experten beschreiben den Gestus des Autonomen Nationalisten als antibürgerlich, er fühle sich als „revolutionärer Fighter“. Eine theoretisch unterfütterte Ideologie existiert nicht, allerdings wird das Bekenntnis zum Nationalsozialismus nicht verschleiert.

Poltischer Kampf als militante Aktion

Im Auftreten kopieren sie die linken Vorbilder. Der Kleidungsstil ist leger, man lebt in Wohngemeinschaften zusammen, ist offen für alternative Kultur, hört Hip-Hop-Musik – gern auch von Migranten – und sprüht Graffitis, was für den ordnungsliebenden Neonazi ein Frevel ist.

Auf Demonstrationen marschieren die Rechts-Autonomen schwarz gekleidet, mit Sonnenbrille und Pali-Tuch im „nationalrevolutionären Block“. Auch Parolen wie „Nieder mit dem Kapitalismus“ oder „Kampf dem Bullenstaat“ sind vom eigentlichen politischen Gegner entlehnt.

Die Rechts-Autonomen verstehen ihren politischen Kampf vor allem als militante Aktion, was sich regelmäßig in Gewaltausbrüchen auf Demonstrationen beweist. Zudem werden den AN, die in zwar miteinander vernetzten, aber völlig autonom handelnden Kleinstgruppen organisiert sind, auch Überfälle auf linke Treffpunkte und Sachbeschädigungen zugeordnet. Mit ihren gewaltorientierten Aktionsformen wollen sie sich nach Einschätzung des Verfassungsschutzes als Avantgarde einer neuen Jugendrevolte inszenieren.

Auch deshalb werden die Rechts-Autonomen von den Sicherheitsbehörden als die derzeit gefährlichste Strömung in der Neonazi-Szene eingestuft.

Autor:  Andreas Förster
Datum:  28 | 7 | 2011
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!