Die Internationale Schutztruppe in Afghanistan (Isaf) führt eine geheime Liste mit Taliban-Führern der mittleren und höheren Kommando-Ebene. Diese Tatsache, die die Hamburger Illustrierte Stern am Mittwoch veröffentlichte, ist seit längerem bekannt, da sowohl im Zuge der Operation Enduring Freedom als auch unter Isaf-Mandat gezielt nach den Anführern der Aufständischen gesucht werden soll. Ebenfalls nicht neu ist, dass diese Liste laut Stern bei der Suche nach Taliban-Kommandeuren genutzt wird und einige Länder auch nicht davor zurückschreckten, die Gesuchten gezielt zu töten. US-Präsident Barack Obama hat beispielsweise die gezielte Tötung von Taliban-Anführern im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet offen eingeräumt. In der Regel werden dafür unbemannte Drohnen eingesetzt.
Der Stern berichtet nun aber, dass auch die Bundeswehr mittelbar an solchen Tötungen beteiligt sein könnte, indem sie mutmaßliche Taliban-Kommandeure aus ihrem Einsatzgebiet auf die Fahndungsliste schreiben. Das Einsatzführungskommando in Potsdam habe darüber das letzte Wort. Diese Liste soll zwei Kategorien haben. Die Gesuchten sind entweder zur Festnahme (capture) ausgeschrieben, oder zur Festnahme/Tötung (capture/kill). Das Kommando Spezialkräfte (KSK) würde sich an der Fahndung und Gefangenennahme beteiligen, schreibt das Blatt, allerdings nicht an gezielten Tötungen beteiligen. Die Deutschen würden darüber hinaus alle Gesuchten lediglich zur Festnahme ausschreiben, heißt es weiter. Der Stern gibt aber zu bedenken, dass andere Staaten, die keine Vorbehalte gegen das gezielte Töten hätten, diese Liste ebenfalls einsehen könnten.
Der angekündigte Strategiewechsel der Isaf könnte nun noch zu einer verstärkten Jagd nach den Führungskadern der Taliban führen, weil die internationale Gemeinschaft diese Kader ausschalten will, damit etwaige Mitläufer einfacher dazu zu bewegen sind, sich von den Aufständischen loszusagen und sich am geplanten "Versöhnungsprojekt" zu beteiligen. Dabei soll es sich um einen Programm handeln, in dem Ausbildung und Arbeit geschaffen wird für Leute, die sich von den Taliban lossagen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) kündigte an, dass Deutschland jährlich zehn Millionen Euro dafür bereitstellen will.
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