Sie mussten sich mit auf Postern, T-Shirts und Gewändern aufgedruckten Bildern ihres Idols zufrieden geben. Selbst wenn sie sich auf einsturzgefährdete Balkone zwängten oder auf Bäume stiegen, bekamen sie ihn nicht zu Gesicht: Denn Barack Obamas nicht einmal 24-stündiger Aufenthalt in Ghana ließ keinen öffentlichen Auftritt, geschweige denn ein Bad in der Menge zu.
Diese Vorsichtsmaßnahme soll nicht nur wegen der Gefährdung des US-Präsidenten, sondern auch zum Schutz der Bevölkerung ergriffen worden sein: Beim Besuch Bill Clintons vor elf Jahren wären Hunderte Ghanaer fast zu Tode getrampelt worden. Um wie viel gefährlicher war da der Auftritt des "Sohnes Afrikas".
Beim Ghana-Besuch des US-Präsidentenpaares stand auch das Fort Cape Coast auf dem Programm. Die im 17. Jahrhundert erbaute Festung erinnert an eines der dunkelsten Kapitel Afrikas: Von hier aus wurden Tausende Sklaven nach Europa und Amerika verschleppt.
Die Festung dient inzwischen als Museum, die Kerker im Keller des Gebäudes zeugen von dem unglaublichen Verbrechen. Dutzende alte Festungen der Sklavenhalter sind an der Küste Ghanas verteilt. Doch während viele Gebäude verfallen, wurde das Fort von Cape Coast sorgfältig restauriert.
Das Ansehen des ersten dunkelhäutigen Präsidenten der USA ist in Afrika weder zu überbieten noch zu überschätzen. "Ganz Ghana will Sie sehen", gab Präsident John Atta Mills seinem Amtskollegen bei der Begrüßung zu verstehen: Ohne Übertreibung hätte er auch "ganz Afrika" sagen können. Zumindest medial vermittelt war das auch möglich: Denn Obamas vor ghanaischen Parlamentariern gehaltene Rede wurde live in ganz Afrika ausgestrahlt.
Programmatischer Entwurf
Es handelte sich um einen Grundsatzvortrag: Ein programmatischer Entwurf, der das künftige Verhältnis der Supermacht zu dem globalen Sorgenkontinent unmissverständlich klar umriss. Obamas Ecksteine: Afrika ist ein integraler Bestandteil der Weltgemeinschaft - "das 21. Jahrhundert wird nicht nur von den Ereignissen in Rom, Moskau oder Washington geprägt, sondern ebenso von dem, was in Ghana passiert."
Dabei sei der Kontinent, der vom Westen seit den Zeiten der Sklaverei höchst fragwürdig behandelt wurde, inzwischen für sein Schicksal selbst verantwortlich: "Der Westen ist nicht verantwortlich für die Zerstörung der simbabwischen Ökonomie oder für die Kriege, in denen Kinder als Soldaten rekrutiert werden."
Wichtigster Grund für die Fehlentwicklungen sei der Mangel an verantwortlicher Führung: "Entwicklung hängt von guter Regierungsführung ab. Das ist der Wirkstoff, der an viel zu vielen Orten viel zu lange gefehlt hat. Das ist der Wandel, der Afrikas Potential erschließen kann." Geschehe dies - wie in Ghana - werde die USA den Regierungen mit Freundschaft und mit Geld zur Seite stehen. Geschehe dies nicht, werde die Supermacht die Demokratieverächter "isolieren". Solche Worte hätte sich ein anderer westlicher Regierungschef kaum leisten können: An Bedingungen geknüpfte Hilfe gilt in Afrikas Hauptstädten als Gängelei. "Was aber aus dem Mund eines weißen Präsidenten nach Bevormundung klingt, wird aus Obamas Mund als brüderlicher Rat akzeptiert", erklärt ein Parlamentarier.
In Afrika kann sich der erste schwarze Präsident der Supermacht USA ganz andere Töne leisten. Für Zivilgesellschaften ein willkommenes Signal, doch für die "big men" des Kontinents eine Kampfansage.
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