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Gigantisches Geschäft: Der Weg des Opiums

Aufständische in Südamerika und Afghanistan finanzieren sich seit Jahrzehnten durch den Rauschgifthandel. Der "Krieg gegen die Drogen" richtet sich deshalb immer auch gegen sie. Die Kosten sind enorm. Die Bilanz ist ernüchternd. Von Christoph Albrecht-Heider

Mohnanbau in Afghanistan (Archiv).
Mohnanbau in Afghanistan (Archiv).
Foto: rtr

Die Zahl ist atemberaubend: In den vergangenen 40 Jahren haben allein die USA nach Schätzungen des Magazins Time unvorstellbare 2500 Milliarden Dollar für den "War on Drugs" ausgegeben; so wird der Kampf gegen die Drogen seit den Tagen des US-Präsidenten Richard Nixon genannt. Die Bilanz ist freilich ernüchternd. Das illegale, todbringende Geschäft mit Rauschgift verspricht nach wie vor exorbitante Gewinne. Die UN schätzen den jährlichen Umsatz auf 400 Milliarden Dollar. Die weltweit gehandelte Menge wird dabei auf 730 Tonnen Heroin und 850 Tonnen Kokain taxiert.

Grafik: FR/Galanty - Animation: FR/kho

Die Jahre des Misserfolgs haben den US-Präsidenten Barack Obama bewogen, in Afghanistan - von hier kommen 93 Prozent allen Heroins - eine neue Strategie zu verfolgen, die im laufenden Jahr zum ersten Mal Früchte tragen soll. Statt die Felder - Schlafmohn ist das Ausgangsprodukt von Opium und Heroin - zu zerstören, fördern die Staaten stärker den Anbau von Nahrungsmitteln und bekämpfen den Handel mit den Endprodukten.

Dies wiederum exerziert die mexikanische Regierung unter Einsatz Zehntausender Soldaten bereits. Ihr Krieg gegen die Kartelle, die das Kokain vertreiben - der Grundstoff Coca wird ausnahmslos in den Andenstaaten Kolumbien, Ekuador, Peru und Bolivien angebaut -, fordert jedes Jahr Tausende Menschenleben, unterbricht aber den Drogenfluss in die USA kaum.

Der Konsum von Heroin und Kokain wurde ab den 60er Jahren in der westlichen Welt zunächst als innergesellschaftliches, als soziales Problem behandelt. Der italienische Innenminister Virginio Rogoni machte Anfang der 80er Jahre noch die Unterscheidung: "Das Rauschgiftproblem ist gefährlicher als der Terrorismus."

Doch das Geschäft mit den Drogen bekam bald eine politische Dimension. Aufständische, etwa in Afghanistan oder Kolumbien, begannen, ihren Kampf mit den Einnahmen aus dem Rauschgiftgeschäft zu finanzieren. Die USA waren da keinen Deut besser; bezahlten sie doch die Contras, die die Sandinisten in Nicaragua stürzen sollten, mit Dollars aus Drogengeschäften.

Die EU verfolgt ein kombiniertes Anti-Drogen-Konzept. Die Mitgliedsländer versuchen einerseits, den Konsum zu reduzieren. Andererseits wollen sie durch Kontrollen an den Außengrenzen das Angebot verringern.

Die Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik empfiehlt in einer Kokain-Studie vor allem Letzteres. Ihre These: Wird der Stoff zu teuer, wird weniger konsumiert. Kontrollen treiben die Preise, denn der Aufwand, die Droge zum Endkunden zu bringen, steigt. Nicht die Produktion harter Drogen ist teuer, sondern ihr Transport.

Autor:  Christoph Albrecht-Heider
Datum:  10 | 3 | 2010
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