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Politik
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26. Januar 2013

Gipfeltreffen: Kurzreise um die halbe Welt

 Von 
Angela Merkel nimmt am EU-Lateinamerika-Gipfel teil.  Foto: dpa

Die Spitzen der EU treffen sich mit den Staats- und Regierungschefs Lateinamerikas zum Gipfel in Chile. Dabei wird vieles anders sein als bei vergleichbaren Treffen zuvor.

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Wenn an diesem Wochenende die Staats- und Regierungschefs Europas und Lateinamerikas in Chile zu ihrem siebten Spitzentreffen zusammenkommen, wird vieles anders sein als bei den Gipfeln davor. Den EU-Staaten steht erstmals ein formell geeintes Lateinamerika gegenüber, seit sich die 33 Staaten Süd- und Mittelamerikas sowie der Karibik 2011 zum Verbund zusammengeschlossen haben. Die Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (Celac) vertritt 600 Millionen Einwohner.

Dementsprechend groß ist das Selbstbewusstsein. Lateinamerika ist längst das Image der Problemregion mit Diktaturen und Wirtschaftskrisen los. Während in Europa die Ökonomie stagniert, die Menschen ihre Jobs verlieren und die Depression um sich greift, protzt Iberoamerika mit Wachstum, Armutsreduzierung und einem Rohstoffboom.

Kein Bittsteller mehr

In den vergangenen drei Jahren haben die Staaten der Region mit einem durchschnittlichen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 4,5 Prozent den EU-Wert deutlich übertroffen. Nach Prognosen der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik werden die Länder zwischen Mexiko und Argentinien auch dieses Jahr durchschnittlich um 3,8 Prozent wachsen.

Die Latinos wollen daher zeigen, dass sie kein Underdog und Bittsteller mehr sind. „Hier beginnt eine neue Ära, ein Verhältnis, das sehr viel ausgewogener sein muss zwischen dem alten Kontinent und Lateinamerika“, fordert stellvertretend der Gastgeber, Chiles Präsident Sebastián Piñera.

Denn Lateinamerika hat in den vergangenen Jahren nicht nur die Verbindung zu den USA als engstem Nachbarn gelockert, sondern auch die Nabelschnur zur alten Heimat Europa ein Stück weit durchtrennt. „Europa ist nicht mehr der einzige Partner jenseits der USA für die Länder des Subkontinents“, sagt Günther Maihold Lateinamerika-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin und gegenwärtig Gastprofessor in Mexiko. „Afrika, der pazifische Raum und die arabische Welt sind die neuen regionalen Partner, mit denen viele Staaten Lateinamerikas ihre Beziehungen weiterentwickeln.“

Wenn die Staaten Europas ihre privilegierte Position von einst zurückgewinnen wollen, müssen sie Lateinamerika auch als politischen Partner wahrnehmen. Vor allem Brasilien, aber auch Chile, Kolumbien und Venezuela haben in den vergangenen Jahren deutlich Präsenz gezeigt. Sei es nach dem Erdbeben in Haiti, bei der Uno oder globalen Themen wie nachhaltiger Entwicklung und der Reduzierung von Umweltschäden oder im Falle Venezuelas die Unterstützung vieler armer Staaten mit vergünstigtem Öl. „Früher haben wir nur diskutiert, wie viel Hilfe wir aus Europa bekommen, jetzt sprechen wir über die Tiefe der Integration und wie wir gemeinsam die großen globalen Herausforderungen meistern können“, betont Präsident Piñera.

Europas Agenda

Europa kommt aber auch mit einer Agenda nach Chile. Zum einen wollen die Europäer mit den Latinos gemeinsam über eine internationale Finanzarchitektur diskutieren, zum anderen wollen sie mehr Sicherheit für ihre Investitionen. Vor dem Hintergrund von Nationalisierungen von Schlüsselindustrien in Venezuela, Ecuador und Bolivien wollen vor allem die Spanier einen Passus über Investitionssicherheit in der Abschlusserklärung des Gipfels durchsetzen, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnimmt.

Die Direktinvestitionen der EU in Lateinamerika beliefen sich 2011 auf 471 Milliarden Euro und sind höher als die der EU in Russland, China und Indien zusammen. Sie entsprechen 47 Prozent der gesamten ausländischen Direktinvestitionen in Lateinamerika und der Karibik.

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