Die Jugendmannschaft freut sich über Fußballtrikots, der Musikverein über ein Klavier, die Denkmalpflege über die Möglichkeit, das Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert erhalten zu können. Dankbar nehmen die Finanzminister von Hessen, Berlin oder Baden-Württemberg die Millionen aus Lottosteuer und Gewinnabgabe der Lotterien entgegen und stecken sie in Schulen, die Polizei oder die Absenkung des Defizits. Wer beim Lotto oder bei Sportwetten verliert, kann sich damit trösten, dass er sein Geld für einen guten Zweck verzockt hat.
Zwar gehen die Einnahmen des Staates mit dem Pech der Spieler seit Jahren zurück, weil die öffentlichen Anbieter Marktanteile verlieren. Doch mit 3,4 Milliarden Euro erreichen sie noch immer ein Volumen, auf das die Länder oder die Sport- und Wohlfahrtsverbände nicht verzichten können.
Die Vertreter der 16 Landessportbünde haben das Urteil des Europäischen Gerichtshofs mit großer Sorge zur Kenntnis genommen. Rolf Müller, der Präsident des Landessportbundes Hessen, bezeichnete es als „Katastrophe für das Ehrenamt“. Die deutsche Vereinssportlandschaft ist stark abhängig von dem, was aus dem staatlichen Glücksspiel zu den Landessportbünden fließt.
Ohne die in den Bundesländern festgeschriebenen Millionensummen könnten die Dachorganisationen ihre Aufgabe nicht wahrnehmen, die insgesamt 90000 Sportvereine in ihrer auch preislich attraktiven Arbeit im Wettkampf-und Gesundheitssport zu unterstützen, erklärt Günther Lommer, der Präsident des Bayerischen Landessport-Verbandes und stellvertretende Sprecher der Landessportbünde. Für einen Verein mit 3000 Mitgliedern gehe es dabei um eine Summe von 20000 bis 25000 Euro. Nun müsse ein Weg gefunden werden, die oft im Ausland sitzenden privaten Glücksspielanbieter zur Kasse zu bitten, um die hiesige Sportlandschaft nicht zu gefährden. Andere Alternativen sieht Lommer nicht: Die Vereine seien nicht gerade die Lieblinge der Sponsoren. kat
Der Deutsche Olympische Sportbund hat die EuGH-Entscheidung begrüßt. Der Präsident Thomas Bach spricht von einem Meilenstein. Nach Auffassung des Sportfunktionärs eröffnet der Spruch aus Luxemburg die Möglichkeit, „am staatlichen Lotterie-Monopol festzuhalten und zugleich eine staatlich regulierte Öffnung der Sportwetten umzusetzen“. DOSB, Deutscher Fußball-Bund, Deutsche Fußball Liga und Deutsche Sporthilfe streben seit geraumer Zeit ein solches duales Modell an.
Dieses Urteil „gibt der Einschätzung des deutschen Sports und der DFL recht, dass das Monopol im Bereich der Sportwetten in seiner jetzigen Form rechtswidrig ist und der Glücksspielstaatsvertrag geändert werden muss“, so DFL-Präsident Reinhard Rauball. Der Profifußball, dem durch das Verbot der Zusammenarbeit mit privaten Wettanbietern Millionen entgehen, steht an der Spitze der Befürworter einer Liberalisierung dieses Teils des Glücksspielmarkts. DFB-Präsident Theo Zwanziger fordert, dass der Leistung des Fußballs, auf dessen Spiele der Löwenanteil der Wetten entfällt, von privaten Anbietern Rechnung getragen wird. het
Das Beispiel Hessen zeigt, wie die Fördermaschine funktioniert. Über 235 Millionen Euro brachte die Lottogesellschaft dort 2009 ein. Davon konnte der Finanzminister gut 40 Prozent zur eigenen Verfügung in den Haushalt einstellen. Fast so viel flossen zweckgebunden an das Land, das damit die Kultur, den Sport, soziale Projekte und die Denkmalpflege förderte. Ein kleinerer Anteil von knapp einem Fünftel ging direkt an den Landessportbund, den Hessischen Jugendring oder die Wohlfahrtsverbände.
Solche Zuwendungen können zur Gewohnheit werden, was die Angst vor dem Entzug erklärt. Ihre Existenz sehen vor allem die Sportbünde gefährdet, die stark von den Lottomitteln abhängen.
Gelassen reagierten dagegen die Länder. So verwies das rheinland-pfälzische Finanzministerium darauf, dass die Folgen nicht absehbar seien. Noch sei nicht entschieden, ob die staatlichen Anbieter wirklich weichen müssten. Rund 127 Millionen Euro flossen 2009 in die Mainzer Kasse, 16 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum Landeshaushalt fällt diese Summe kaum ins Gewicht – jede in Berlin beschlossene Steuersenkung kostet den Finanzminister mehr. Auch die Kollegen in den anderen Ländern sehen keinen Grund zur Aufregung. Denn der regulierte Glücksspielmarkt wirft von Jahr zu Jahr weniger ab. Eine Freigabe – über die ja längst nicht entschieden ist – könnte sich also für die Länder als Empfänger der Lotterie- und Wettsteuern sogar als Geschäft erweisen.
Ausländische Firmen kontrollieren 94 Prozent des deutschen Wettmarktes, schreibt die Beratungsfirma Goldmedia. Massenweise wandern vor allem die Kunden, die im Internet spielen, zu den ausländischen Firmen ab. Dort winken bessere Quoten. So schüttet die regulierte Sportwette Oddset laut Goldmedia 58 Prozent der Einsätze als Gewinn aus, die unkontrollierte Konkurrenz dagegen etwa 80 Prozent. Und so geht das Steueraufkommen für den deutschen Staat zurück, obwohl der Markt insgesamt wächst
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