Wer der größte Star der diesjährigen Verleihung der Goldenen Kamera war, erwies sich am Samstagabend auf dem roten Teppich vor der Kreuzberger Ullsteinhalle. Während alle anderen - die Preisträger Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Denzel Washington, Dionne Warwick und Mario Adorf eingeschlossen – am Beginn des Teppichs aus den Limousinen ausstiegen und den Rest des Weges zu Fuß absolvieren mussten, durfte eine sitzen bleiben:
Miss Piggy, die weltberühmte Sau aus der Muppet-Show. Sie wurde im Schritttempo an den Fotografen und Kameraleuten vorbei gefahren und gab durch das offene Autofenster Auskunft („Ich liebe es, in Berlin zu sein!“). Später sang sie mit Gastgeber Hape Kerkeling zusammen ein Duett.
Bester deutscher Fernsehfilm: „Liebesjahre“ (ZDF)
Beste deutsche Schauspielerin: Nina Kunzendorf
Bester deutscher Schauspieler: Dietmar Bär
Beste Musik national: Helene Fischer
Beste Musik international: Caro Emerald
Lebenswerk Musik: Dionne Warwick
Beste Schauspielerin international: Scarlett Johansson
Bester Schauspieler international: Denzel Washington
Lebenswerk international: Morgan Freeman
Lebenswerk national: Mario Adorf
Beste Unterhaltung: „The Voice Of Germany“ (Sat.1)
Beste Information (Sportmoderatoren): Katrin Müller-Hohenstein
„Hörzu“-Leserwahl - Bester Comedian: Hape Kerkeling
Lilli Palmer und Curd Jürgens Gedächtniskamera (Nachwuchspreis): Liv Lisa Fries
Hollywoodstar Scarlett Johansson erzählte am Rande: „Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit, um die Stadt besser kennen zu lernen. Ich sollte wiederkommen, wenn es wärmer ist.“ Gegen die knackige Kälte hatten sich einige Gäste in warme Mäntel geworfen und mussten sich dann wie Sandra Maischberger mit Verweis auf ihren verdächtigen Kragen rechtfertigen: „Das ist kein Pelz!“
Andere liefen, der besseren Fotos wegen, in dünnen Kleidern über den Teppich. Christiane Paul beantwortete dabei die Frage, wie sie es schaffe, nicht zu frieren, so: „Ich friere!“ Sängerin Caro Emerald („A Night Like This“), die im vergangenen Jahr zum internationalen Star wurde, trug zwar deutlich sichtbar eine Gänsehaut spazieren, behauptete aber: „Ich bin so nervös, dass mir warm ist.“
Völlig unbeschwert war die 21-jährige Berliner Schauspielerin Liv Lisa Fries zur Gala gekommen – und stand plötzlich als Gewinnerin des Nachwuchspreises „Lilli Palmer & Curd Jürgens-Gedächtniskamera“ auf der Bühne. Sie hatte zuletzt besonders im Fernsehfilm „Sie hat es verdient!“ von Regisseur Thomas Stiller als jugendliche Mörderin beeindruckt. Vor lauter Aufregung vergaß sie den Dank an ihre Agenten - was ihr bei der Party anschließend sehr peinlich war.
Über das, was sie mit den 20.000 Euro Preisgeld machen wird, will Liv Lisa zunächst noch nicht weiter nachdenken: „Das glaube ich erst, wenn ich es habe.“ Auf ihrem Konto wird ihr das Geld für die nächsten beruflichen Entscheidungen eine gewisse Unabhängigkeit geben: „Ich kann so weiter die Filme drehen, die ich drehen will.
Also demnächst auch wieder einen Studentenfilm, wo es nicht so viel Geld gibt.“ Und ein neues Fahrrad wäre auch gut. „Mein Einkaufsfahrrad ist nämlich gerade kaputt gegangen.“ Zu ihren ersten Gratulanten gehörte übrigens der Schauspieler Jacob Matschenz, der ihr vorausgesagt hatte, dass sie diesen Preis gewinnen würde. Seine Botschaft per SMS: „Ich wusste es doch und bin ab jetzt der Prophezeier!“
Für die Laudatio auf Scarlett Johansson hatten die Veranstalter von der Programmillustrierten Hörzu Deutschlands beliebtesten Filmnuschler Til Schweiger gewonnen. Der war mit dem festen Willen gekommen, sich zu amüsieren. Was man schon daran sehen konnte, dass Schweiger auf dem roten Teppich mit erkennbarer Absicht nach der Schleppe von Barbara Schöneberger trat.
Ganz unabhängig davon, an wen die Trophäen tatsächlich gingen, erwies sich Iris Berben als beste Schauspielerin des Abends. Sie tat nämlich auch in schwierigen Momenten sehr glaubwürdig so, als würde sie sich amüsieren. Während der kleinen Plänkelei von Moderator Hape Kerkeling mit dem Publikum kurz bevor die TV-Übertragung startete, stand er plötzlich neben ihr und behauptete: „Das ist Veronica Ferres. Sie spielt heute Iris Berben. Deshalb spreche ich sie nicht an. An der Stimme würde man es merken.“
Und während man noch überlegte, ob das Fernsehen nicht lieber die „Warm up“-Einlagen übertragen sollte, weil die oft viel lustiger als die eigentlichen Sendungen, legte Kerkeling mit einer Ermahnung nach: „Schauen Sie nicht immer auf meinen Hintern. Das würde Iris Berben auch nicht tun.“
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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