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03. September 2014

Griechenland: Die Pasok ist nur noch ein Nichts

 Von 
Die letzten Aufrechten: mehrheitlich ältere Pasok-Anhänger applaudieren ihren Helden.  Foto: rtr

Griechenlands Sozialisten, einst wichtigste Kraft des Landes, scheinen sich aufzulösen.

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Die Panhellenische Sozialistische Bewegung (Pasok) wurde 40 Jahre am Mittwoch. Eigentlich kein Alter für eine Partei. Aber die Pasok scheint am Ende ihres politischen Lebens. Bittere Ironie der Geschichte: Ausgerechnet der Sohn des legendären Parteigründers Andreas Papandreou arbeitet zielstrebig auf den Untergang hin. Zum Jahrestag der Parteigründung zettelt er jetzt eine Revolte gegen Parteichef Evangelos Venizelos an. Das könnte der schwer angeschlagenen Partei den Rest geben. Und die Athener Regierungskoalition ins Wanken bringen.

Aufstieg und Niedergang der Pasok sind unauflöslich mit der Papandreou-Dynastie verbunden. Andreas Papandreou gründete die Bewegung 1974 nach dem Sturz der Obristenjunta und führte sie 1981 an die Macht. In den 80er und 90er Jahren war sie die dominierende politische Kraft in Griechenland. Der Gründer starb 1996.

Nach einem achtjährigen Interregnum des Reformers Kostas Simitis übernahm 2004 Giorgos Papandreou den Parteivorsitz – ein Amt, das er in erster Linie seinem Nachnamen verdankte. Zwar erzielte die Pasok unter Papandreou jr. Ende 2009 mit 44 Prozent eines ihrer besten Wahlergebnisse. Doch der Triumph wurde schnell von der Schuldenkrise überschattet. 2011 wurde Papandreou von seiner eigenen Partei gestürzt. Sein Nachfolger im Amt des Parteichefs, Evangelos Venizelos, übernahm ein sinkendes Schiff. Die Wähler straften die Pasok für den Sparkurs grausam ab. Bei den Wahlen vom Juni 2012 bekam sie nur noch gut zwölf Prozent. Es war ein in der Geschichte westeuropäischer Parteien beispielloser Niedergang.

Doch statt ihre verbliebenen Kräfte zu bündeln und sich politisch neu aufzustellen, zerfleischt sich die Pasok jetzt in Flügelkämpfen. Giorgos Papandreou hat den Verlust des Parteivorsitzes nie verwunden.

Das zeigte sich am Montagabend bei einer Veranstaltung der Andreas-Papandreou-Stiftung zum Partei-Jubiläum. Papandreou hatte zu dem Festakt auch seinen Nachfolger Venizelos eingeladen, um „Einigkeit“ zu demonstrieren, wie es offiziell hieß. Tatsächlich wurde die Veranstaltung zu einer Abrechnung mit Venizelos. Immer wieder unterbrachen Papandreou-Anhänger das Grußwort des Pasok-Vorsitzenden mit Buhrufen, stießen Verwünschungen gegen Venizelos aus, intonierten Sprechchöre „Papandreou, Papandreou“ und forderten den Sturz des Parteichefs Venizelos.

Papandreou hatte für Verstärkung gesorgt. In Reisebussen waren nicht nur zahlreiche Anhänger aus der Provinz angereist, auch seine Brüder Nikos und Andreas saßen im Saal und nahmen die Huldigungen des Publikums entgegen. Die Stimmungsmache gegen Venizelos schien der Papandreou-Clan zu genießen.

Koalitionspartner sorgt sich

Giorgos Papandreou sprach in seiner Festrede von einem „neuen Anfang“, was viele Zuhörer als Ankündigung einer neuen Parteigründung interpretierten. Bei der offiziellen 40-Jahr-Feier der Partei am Mittwoch glänzte Papandreou jedenfalls durch Abwesenheit. Er hielt stattdessen in London einen seiner gut dotierten Vorträge bei einer Veranstaltung der Royal Bank of Scotland. In ihrer gegenwärtigen Verfassung scheint die zerstrittene Partei tatsächlich keine Zukunft zu haben. In einer aktuellen Umfrage liegt die Pasok nur noch bei drei Prozent. Aus der einst übermächtigen Volkspartei ist ein welkes Mauerblümchen geworden.

Das muss auch dem konservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras Sorge bereiten. Er regiert seit Juni 2012 in einer Koalition mit den Resten der Pasok. Nicht nur die meisten Wähler, auch viele Funktionäre der Partei haben sich inzwischen der radikal-linken Syriza angeschlossen. Löst sich die Pasok auf, stürzt auch die Regierung Samaras.

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