Bei einem Gottesdienst sagte der Papst am Samstag in London, er habe die „unbeschreiblichen Verbrechen“ als „Schande und Demütigung“ empfunden. Der Missbrauch durch Kirchenangehörige habe „unendliches Leid“ über die unschuldigen Opfer gebracht, sagte er in einer Predigt in der Kathedrale von Westminster. Den Opfern sprach er sein „tiefes Bedauern“ aus. Am Nachmittag war Benedikt mit fünf Menschen zusammengetroffen, die von katholischen Priestern missbraucht wurden. Das Treffen in der vatikanischen Botschaft in Wimbledon dauerte nach Angaben des Vatikans rund 30 bis 40 Minuten. Bei den Opfern handelte es sich um vier Frauen und einen Mann. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte, der Papst sei sehr bewegt gewesen, als er die Menschen angehört habe. Er habe „seine tiefes Leid und seine Beschämung darüber ausgedrückt, was die Opfer und ihre Familien erlitten“, sagte der Sprecher weiter.
Kirche nicht "wachsam genug"
Benedikt XVI. hatte schon zum Auftakt seines Besuchs am Donnerstag Fehler der Kirchenführung im Umgang mit den Missbrauchsfällen eingeräumt. Diese sei „nicht wachsam genug“ gewesen. Ende 2009 war bekanntgeworden, dass katholische Würdenträger in Irland jahrzehntelang Vergewaltigungen und Misshandlungen von Minderjährigen vertuscht hatten. Auch in Deutschland und anderen Ländern auf der ganzen Welt wurden zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche bekannt.
Missbrauch, die Familienpolitik der katholischen Kirche und deren Haltung zur Homosexualität waren das Thema einer Protestkundgebung in der Londoner Innenstadt, an der am Samstag tausende Demonstranten teilnahmen. Viele trugen rosafarbenen Mitren und hatten aufgeblasene Kondome bei sich, auf Schildern standen Slogans wie „Ablehnung von Kondomen tötet Menschen“ oder „Chef der größten Missbrauchsbande der Welt“. Mit Trommeln und Pfeifen zogen die Demonstranten vor den Wohnsitz von Premierminister David Cameron.
Sechs Männer, die einen Anschlag im Zusammenhang mit dem Aufenthalt von Benedikt geplant haben sollen, wurden derweil weiter in der Hochsicherheitswache Paddington Green in London festgehalten. Bei den Männern im Alter von 26 bis 50 Jahren soll es sich um Algerier handeln. Sie sind bei einer Firma beschäftigt, die mit der Säuberung der Wege und Plätze im Stadtteil Westminster beauftragt ist.
Messe für 80.000
Rund 80.000 Menschen haben am Samstagabend Papst Benedikt XVI. bei einer Messe im Londoner Hyde Park zugejubelt. Die herzliche Zustimmung der Menge stand im scharfen Kontrast zu den Protesten, die es kurz vorher gab: In der Londoner Innenstadt demonstrierten Tausende gegen den Besuch des Pontifex. Die Demonstranten hatten Benedikts Haltung zum Missbrauchsskandal, zur Homosexualität, zur Abtreibung und zur Benutzung von Kondomen zur Aids-Prävention kritisiert.
Bei der Messe ging der Papst auch auf Kardinal John Henry Newman ein, den er an diesem Sonntag in Birmingham seligsprechen wird. Der von einer meditativen Stimmung geprägte Gottesdienst war die letzte und zugleich teilnehmerstärkste Veranstaltung des Papstes in London. Benedikt XVI. schilderte den von der anglikanischen zur katholischen Kirche übergetretenen Newman (1801-1890) als Vorbild der Leidenschaft für Wahrheit. Damit habe er eine Botschaft gerade für die Gegenwart, in der „intellektueller und moralischer Relativismus“ die wahren Fundamente der Gesellschaft zu untergraben drohten, so der Papst. (afp/dpa)
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