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Großbritannien: Polizei sucht Osterbomben-Fabrik

Die Angst vor pakistanischen Terrorzellen wächst. Anti-Terror-Einheiten der britischen Polizei durchsuchen 14 Häuser und Wohnungen, nach dem zuvor zwölf Terrorverdächtige festgenommen wurden. Von Peter Nonnenmacher

Ein Haus in Nordwestengland wird durchsucht.
Ein Haus in Nordwestengland wird durchsucht.
Foto: Getty

London. Großbritannien und Pakistan wollen enger zusammenarbeiten, um die Einschleusung pakistanischer Extremisten nach England zu verhindern. Das vereinbarten der britische Premierminister Gordon Brown und Pakistans Präsident Asif Ali Zardari am Freitag in einem Telefongespräch. In London war der Verdacht gewachsen, dass immer mehr potenzielle Bombenleger aus Pakistan sich über Studentenvisa Zugang zum Vereinigten Königreich verschaffen. Die Angst war gestiegen, nachdem die Polizei bekannt gab, sie habe in Liverpool und Manchester zwölf Terror-Verdächtige festgenommen - davon elf Pakistaner, die meisten Studenten.

Peinliche Sicherheitspanne

14 Häuser und Wohnungen wurden auch am Freitag noch von Anti-Terror-Einheiten der britischen Polizei durchkämmt. Die britischen Medien gingen davon aus, dass die Polizei eine "Osterbomben-Fabrik" suchte, die El-Kaida-Aktivisten aus Pakistan irgendwo in Nordwestengland angelegt hatten, um einen Anschlag vorzubereiten. Regierungschef Brown sprach davon, die Polizei habe "ein ganz beträchtliches Terror-Komplott" aufgedeckt. Aus Polizeikreisen verlautete, ein Anschlag habe offenbar "unmittelbar bevor gestanden". Nicht bestätigt wurden allerdings Vermutungen, dass zwei große Einkaufszentren und ein Nachtclub in Manchester Ziele der angeblich geplanten Anschläge gewesen sein sollen.

Die Polizeiaktion war offenbar monatelang vorbereitet worden. Sie musste am Mittwoch um zwölf Stunden vorverlegt werden, weil der Chef der Terror-Abwehr der Londoner Polizeistreitkräfte, Bob Quick, am selben Morgen versehentlich die Einzelheiten der Aktion offen zur Schau getragen hatte, als er in Downing Street vorsprach: Das betreffende Dokument in seiner Hand wurde von Pressefotografen abgelichtet, als er aus dem Auto stieg. Eigentlich hatte die Polizeiaktion erst in der folgenden Nacht stattfinden sollen. Stattdessen wurde sie schon nachmittags, unter gefährlicheren Umständen, ausgeführt. Quick selbst sah sich am Donnerstag zum Rücktritt gezwungen. Sein Fehler hätte, wie er selbst zugab, "diese große Anti-Terror-Operation gefährden können".

Die Festnahme elf pakistanischer Staatsangehöriger, von denen die meisten Studenten sein sollen, führte derweil direkt zu der Frage, ob sich geschulte El-Kaida-Leute aus Pakistan über Studentenvisa Einlass in Großbritannien verschaffen, um dort für Terroraktionen bereit zu stehen. Rund 10 000 Pakistaner erhalten alljährlich solche Visa zugeteilt. Der Regierung zufolge gibt es zwar gewisse Kontrollmaßnahmen, die das Einschleusen möglicher Zellen verhindern sollen. So werden nicht nur Erkundigungen über die betreffenden Antragsteller eingezogen, sondern diese neuerdings auch mit Fingerabdrücken und biometrischen Angaben registriert. Schulen und Hochschulen, die sie in Großbritannien besuchen, müssen ihren Aufenthalt im Auge behalten.

Schon bei der Entscheidung über eine Visavergabe sei es allerdings schwierig, die Bildungseinrichtungen, aus denen die Antragsteller kämen, richtig einzuschätzen, klagen die britischen Einwandersbehörden. Einige dieser pakistanischen "Schulen" seien schlicht Einschleusungszentren, in denen in einer kleinen Anzahl von Räumen Unterricht vorgetäuscht werde, während man in den Hinterzimmern die "Schüler" auf die illegale Einwanderung vorbereite.

Die BBC zitierte den Terrorismus-Experten und früheren Polizeikommandanten Bob Milton mit den Worten, El Kaida habe offensichtlich "eine neue Taktik entwickelt" und siedle Terrorzellen in Großbritannien an, die zu gegebener Zeit aktiviert werden könnten. Professor Michael Clarke vom Royal United Services Institute bezweifelte, dass die Polizei die Personalstärke habe, um die nötigen Kontrollen durchzuführen.

Brown ermahnt Islamabad

Pakistans Hochkommissar (Botschafter) in London, Wajid Shamsul Hasan, schlug den britischen Behörden vor, seinem Land Einblick in die Liste der Visa-Antragsteller zu gewähren, um den Briten mit zusätzlichen Informationen helfen zu können. Ansonsten tue Pakistan "schon genug", in Sachen Terrorabwehr, meinte Hasan. Premierminister Gordon Brown hatte gefordert, dass Pakistan "mehr tun" müsse, um im eigenen Land den Terrorismus in den Griff zu bekommen.Seite 12

Autor:  PETER NONNENMACHER
Datum:  11 | 4 | 2009
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