Stuttgart. Tumultartige Szenen bei der Stuttgarter Demonstration gegen das Sparpaket der Bundesregierung: SPD-Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel wurde am Samstag während seiner Rede aus einem Block von rund 80 Menschen mit Eiern, Flaschen und Fahnenstangen beworfen.
Polizisten stürmten auf die Bühne, Schmiedel wurde mit Regenschirmen geschützt. Nach Polizeiangaben gab es auf der Bühne mehrere Verletzte. Zuvor hatten während des Protestzugs etwa 300 schwarz gekleidete und teilweise vermummte Autonome linksradikale Parolen gerufen.
Schmiedel sah den Angriff im Zusammenhang mit dem Streit um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21: Im Vorfeld habe es Massen-Mails gegeben, in denen zum Protest gegen ihn aufgerufen worden sei, weil er das Bauprojekt am Stuttgarter Hauptbahnhof befürwortet, sagte Schmiedel. Das hätten Krawallmacher zum Anlass genommen, ihre Aggression an ihm zu entladen.
Insgesamt hatten sich nach Polizeiangaben rund 10.000 Menschen an der Demonstration beteiligt. Die Veranstalter sprachen von rund 20.000 Teilnehmern. Zur der Demonstration "gerecht geht anders" hatten unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), Verdi und verschiedene Parteien aufgerufen.
Der baden-württembergische DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf warnte laut Redemanuskript auf der Kundgebung: "Wenn die Bundesregierung meint, sie könne die Verursacher der Finanzkrise weiter schonen und die Opfer der Krise noch mehr belasten - dann wird dies nur der Anfang unserer Proteste sein." Landgraf nannte Kürzungen bei Langzeitarbeitslosen und in der Arbeitsmarktpolitik eine "Sauerei" und "Frechheit".
An die Bundesregierung gerichtet sagte er: "Bei den einfachen Menschen traut ihr euch und vor den Mächtigen und der Wirtschaft kuscht ihr." Landgraf forderte "Leitplanken und Verkehrsregeln für die außer Kontrolle geratene Finanzbranche". Riskante Geschäfte müssten verboten, die Aufsicht verstärkt werden.
Polizisten in Berlin verletzt
In Berlin haben ebenfalls mehrere zehntausend Menschen gegen das Sparpaket der Bundesregierung protestiert. Zu der Demonstration in Berlin, die sich am frühen Nachmittag vom Alexanderplatz aus in Bewegung setzte, hatte das Bündnis "Wir zahlen nicht für Eure Krise" aufgerufen. Die Veranstalter sprachen von 15.000 bis 20.000 Teilnehmern.
Zwei Polizisten seien schwer verletzt worden, als sie mit einem Gegenstand beworfen worden, der "explodiert" sei, sagte ein Polizeisprecher. Die Einsatzkräfte seien im Krankenhaus operiert und stationär aufgenommen worden.
Nach Angaben des Sprechers ereignete sich der Vorfall, als Beamte in der Torstraße in Mitte mit Feuerwerkskörpern, Flaschen und Steinen beworfen wurden. Bei dem explosiven Gegenstand soll es sich nicht um herkömmliche Pyrotechnik gehandelt haben.
Die Demonstration richtete sich gegen das Sparpaket der Bundesregierung, mit dem aus Sicht der Veranstalter die "Umverteilung von unten nach oben" verschärft wird. Zur Abschlusskundgebung wurde unter anderen die Linke-Bundesvorsitzende Gesine Lötzsch als Rednerin erwartet.
Zu dem Bündnis gehören über 100 Organisationen und Initiativen, darunter Vertreter von Attac, Verdi und der Linkspartei. Die Berliner Demonstration stand unter dem Motto "Von Athen bis Berlin - Banken und Konzerne sollen für die Krise zahlen".
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Angela Merkel um Verständnis für die Sparmaßnahmen bittet und was andere Politiker darüber denken.
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.