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Große Einkommensunterschiede: Ärzte bestreiten Geldsegen

Sturm der Entrüstung: Zahlen der Krankenkassen, nach denen die Ärzte sehr gut verdienen, haben die Ärzteverbände empört. Die Kassenpatienten brächten nur 2400 Euro netto im Monat. Von Timot Szent-Ivanyi

Durchblick bei einer Darmstädter Augenärztin.
Durchblick bei einer Darmstädter Augenärztin.
Foto: Thomas Lohnes/ddp

Berlin. Die Ärzteverbände sind empört. "Was die Krankenkassen da machen, ist nicht in Ordnung", erregt sich der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Roland Stahl. "Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie die auf diese Zahlen kommen", so Stahl gestern.

Am Donnerstag waren Berechnungen des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen bekanntgeworden, nach denen die Honorare der niedergelassenen Mediziner deutlich steigen: So geht der Verband davon aus, dass der Reinertrag pro Praxis in diesem Jahr im Schnitt auf 164000 Euro klettert. Dies wären 22000 Euro oder 15 Prozent mehr als 2007 und immerhin 30 Prozent mehr als 2003.

Die KBV macht jedoch eine Rechnung auf, die ganz anders aussieht: So flössen den niedergelassenen Medizinern aus der gesetzlichen Krankenversicherung im Schnitt Bruttohonorare in Höhe von 173000 Euro zu. Davon müssten die Betriebskosten für die Praxis, Steuern und Sozialbeiträge abgezogen werden. Am Ende blieben den Ärzten im Schnitt jährlich 28800 Euro netto im Jahr übrig, monatlich also 2400 Euro, berichtet KBV-Sprecher Stahl weiter.

"Versorgung ist gefährdet"

Auch wenn man nun noch die Einkünfte aus der Behandlung von Privatversicherten hinzurechnen würde, käme man nie auf die angegebene Summe von 164000 Euro, so die Einschätzung der KBV. "Wer jetzt wie der Spitzenverband der Krankenkassen Honorarkürzungen fordert, der setzt die ambulante ärztliche Versorgung aufs Spiel", warnt KBV-Sprecher Stahl. Schon heute lebten 30000 der insgesamt 100000 Praxen von der Hand in den Mund und könnten keine Rücklagen bilden.

Was stimmt nun? Klar ist, dass vor allem Durchschnittszahlen mit Vorsicht zu genießen sind. Unbestritten ist schließlich, dass die Einkommensunterschiede bei den Medizinern enorm sind. Fachärzte verdienen mehr als Allgemeinmediziner, Ärzte im Westen mehr als in den neuen Ländern. Allerdings sind die nun vom Spitzenverband genannten Zahlen plausibel. Denn sie setzen auf Erhebungen des Statistischen Bundesamtes auf, das zuletzt im Jahr 2007 die Honorare per repräsentativer Befragung ermittelt hatte. Damals betrug der Reingewinn je Praxisinhaber im Schnitt 142000 Euro. Spitzenreiter waren die Radiologen mit 264000 Euro, am Ende standen die Allgemeinmediziner mit durchschnittlich 116000 Euro.

Seitdem sind die Honorare aber nicht gesunken, sondern gestiegen. Schließlich hat es 2009 eine Honorarreform gegeben, durch die die niedergelassenen Ärzte mehrere Milliarden Euro mehr bekommen haben. Das wird auch von den Ärzteverbänden nicht bestritten. Und auch für das laufende Jahr zeichnet sich eine weitere Erhöhung ab.

Auch SPD für Nullrunde

Für die Gesundheitspolitiker in Berlin ist jedoch die konkrete Höhe der Honorare derzeit gar nicht so entscheidend. Sie haben einen globalen Blick und schauen mit Sorge auf das Milliardenloch, das für 2011 im Gesundheitsfonds erwartet wird.

"Angesichts eines Defizits von bis zu 10 Milliarden Euro müssen wir alle Leistungserbringer, also auch Ärzte, mit in die Verantwortung nehmen", betont etwa die Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Carola Reimann (SPD). Eine Ausweitung der Leistungen könne es nicht geben. Heißt im Klartext: Nullrunden für die Ärzte.

Autor:  Timot Szent-Ivanyi
Datum:  27 | 5 | 2010
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