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Grüne Jugend: "Wir sind auch radikaler"

Kathrin Henneberger, Vorsitzende der Grünen Jugend, sagt im FR-Interview, dass junge Mitglieder der Partei aktionistischer, visionärer und radikaler als die alten Haudegen seien, weshalb sie entsprechend in den Parlamenten vertreten sein sollten.

Die Geografiestudentin Kathrin Henneberger (21) ist Vorsitzende der Grünen Jugend.
Die Geografiestudentin Kathrin Henneberger (21) ist Vorsitzende der Grünen Jugend.

Frau Henneberger, ist es wichtig, dass Reinhard Bütikofer einem Jüngeren wie Cem Özdemir an der Parteispitze Platz gemacht hat?

Natürlich ist es gut, wenn auch mal neue und jüngere Leute zum Zug kommen. In der Partei muss langsam ein Generationenwechsel stattfinden. Junge Leute müssen Gelegenheit haben, für die Parlamente zu kandidieren und auch in den Bundesvorstand zu gehen.

Zur Person

Die Geografiestudentin Kathrin Henneberger (21) ist Vorsitzende der Grünen Jugend.

- Grüne Jugend

- Blog von Kathrin Henneberger

Die Grüne Jugend hat sich dafür eingesetzt, dass jeder dritte Platz auf der Liste zur Europawahl für Newcomer reserviert wird. Und was ist mit dem Bundestag?

Einzelne Landesverbände, wie etwa Niedersachsen, handhaben das auch bei der Bundestagswahl schon so. Die Europaliste wäre ein erster Schritt, dieses System zu verbreitern. Natürlich wünschen wir uns, dass alle Landesverbände diese Quote auch bei der Bundestagswahl anwenden.

Nun kommt sie erst einmal gar nicht. Der Vorstoß ist bei der Parteitagsmehrheit durchgefallen. Was machen jüngere Leute denn anders als die Altvorderen?

Wir sind aktionistischer. Wir haben im Sommer das Kohlekraftwerk in Moorburg mitbesetzt und haben jetzt Blockaden beim Atomtransport nach Gorleben mitorganisiert. Wir sind visionärer. Zum Beispiel wollen wir schnellstmöglich 100 Prozent Ökostrom. Wir sind auch radikaler. So meinen wir, dass die Hamburger GAL aus der schwarz-grünen Koalition hätte aussteigen sollen, als sie merkte, dass sie das Kohlekraftwerk Moorburg nicht verhindern kann.

Haben Sie deshalb die Parteiführung in einer symbolischen Aktion auf den Parteitagsbeschluss festgenagelt, keine neuen Kohlekraftwerke zu akzeptieren?

Ja. Weil es dabei darum geht, ob Deutschland seine internationalen Klimaschutzverpflichtungen überhaupt einhalten kann. Werden die jetzt schon geplanten gut zwei Dutzend Kohlekraftwerke in Deutschland verwirklicht, ist damit eine klimafreundliche Zukunft verbaut. Das Moratorium für diese veraltete Technik muss den Grünen so heilig sein wie der Atomausstieg. Ein solcher Beschluss darf einer etwaigen Regierungsbeteiligung nicht geopfert werden, weil er zum Kernbestand grüner Identität gehört.

Was wünschen Sie sich vom neuen Parteichef Cem Özdemir?

Dass er die Ökologie inklusive Klimaschutz als zentrale grüne Themen voranbringt. Und dass er uns als Grüne Jugend ernstnimmt und ehrlich und fair mit uns zusammenarbeitet.

(Interview: Monika Kappus)

Datum:  16 | 11 | 2008
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