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Politik
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04. November 2012

Grüne: Schlitzen, schauen, prüfen

 Von Thorsten Knuf
Die Spitzenkandidaten der Grünen zur Bundestagswahl 2013 stellen sich vor.  Foto: dpa

In Berlin beginnt die Auszählung der Grünen-Urwahl. Am Sonntag sollen die Spitzenkandidaten feststehen

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Demokratie kann ziemlich fummelig sein. Briefumschlag aufschlitzen, reinschauen und prüfen, ob er vollständig ist. Sortieren, auswerten, protokollieren. Immer wieder aufs Neue, alles per Hand und unter strenger Aufsicht eines Notars. Nur beim Öffnen der vielen tausend Kuverts hilft eine Maschine.

Sonntagmorgen in den Uferhallen, einem Kulturzentrum in Berlin-Wedding: Bei den Grünen hat die Auszählung der Urwahl-Briefe begonnen. Fünfzig freiwillige Helfer werden sechs Tage lang im Einsatz sein. Am kommenden Sonnabend dann soll feststehen, welches Spitzen-Duo die Partei 2013 in die Bundestagswahl führen wird.

Steffi Lemke, die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, verleiht dem wuseligen Treiben in dem ehemaligen Straßenbahndepot am Sonntag historische Fallhöhe. So etwas habe es in der deutschen Parteienlandschaft noch nie gegeben, sagt sie. Schon jetzt stehe fest, dass die Urwahl für die Grünen „ein voller Erfolg“ sei.

Neuer Schwung und gute Laune

Lemke spricht von einem „Beitrag für Demokratie, gegen Intransparenz und Hinterzimmerpolitik“. Das ganze Verfahren, die öffentliche Debatte über die Kandidaten und die Basis-Veranstaltungen der vergangenen Wochen hätten der Partei gute Laune und neuen Schwung verliehen. Auch im Hinblick auf die geplante Ablösung von Schwarz-Gelb im kommenden Jahr.

Tatsächlich wurden die Parteimitglieder nur deshalb direkt gefragt, weil sich die Führungsriege der Grünen intern nicht auf ein Spitzen-Tandem für die Bundestagswahl hatte verständigen können. Monatelang wurde diese Frage ergebnislos zwischen den führenden Köpfen der Partei und der Bundestagsfraktion diskutiert. Wie immer in solchen Situationen spielten persönliche Ambitionen sowie der Geschlechter- und Flügelproporz eine Rolle. Anfang September schließlich leitete ein Kleiner Parteitag die Urwahl ein. Ihre Stimmen konnten die rund 60.000 Grünen-Mitglieder im vergangenen Monat abgeben.

Chancen dürften nur die Promis haben


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Lemke sagt, sie gehe davon aus, dass sich deutlich über 30.000 Mitglieder tatsächlich beteiligt haben. Die genaue Zahl wird voraussichtlich erst Mitte der Woche feststehen. Noch ist das Auszähl-Team in den Berliner Uferhallen nämlich in der Sichtungsphase: Jeder Wahlbrief wird darauf überprüft, ob er neben dem Umschlag mit dem eigentlichen Stimmzettel auch eine eidesstattliche Erklärung des Absenders enthält, wonach er tatsächlich Grünen-Mitglied ist. In einem zweiten Schritt werden die Erklärung und der Umschlag voneinander getrennt. Erst danach erfolgt die eigentliche Auswertung der Stimmzettel.

Fünfzehn Kandidaten standen zur Wahl, Prominente wie einfache Basis-Mitglieder. Realistische Chancen dürften nur die vier Promis haben: Parteichefin Claudia Roth, die beiden Fraktionsvorsitzenden Jürgen Trittin und Renate Künast sowie Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt. Im künftigen Spitzen-Duo muss mindestens eine Frau sein, das schreibt das Statut so vor. Roth und Trittin zählen zur Parteilinken, Künast und Göring-Eckardt gehören dem Realo-Flügel der Partei an.

Unter diesen vieren wird es am Ende nicht nur zwei Sieger geben, sondern auch zwei Verlierer. In der Politik gelten Wahlverlierer häufig als angeschlagen. Fällt eine Niederlage deutlich aus, kann sie sogar ein echter Karriereknick sein. Doch darüber mag man bei den Grünen derzeit gar nicht reden.

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