Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) muss sich gegen Vorwürfe wehren, er habe bei seiner Doktorarbeit getäuscht. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung (sueddeutsche.de) gibt es in Guttenbergs Dissertation einige Passagen, die wörtlich mit Formulierungen anderer Autoren übereinstimmen, ohne dass er dies wie vorgeschrieben gekennzeichnet hat. Die Doktorarbeit sei an mehreren Stellen „ein dreistes Plagiat“ und „eine Täuschung“, sagte der Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano, der die Parallelen bei einer Routineprüfung entdeckt hat.
Fischer-Lescano lehrt an der Universität Bremen Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht. Der zuständige Ombudsmann von Guttenbergs früherer Universität Bayreuth, Diethelm Klippel, prüft die Vorwürfe.
Nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hat Guttenberg auch die Einleitung seiner Doktorarbeit aus einem Artikel in dem Blatt abgeschrieben. Der einleitende Absatz der Arbeit decke sich fast wortwörtlich mit einem am 27. November 1997 erschienenen Text der Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig über das Vorbild Amerikas für Europa, berichtete die Zeitung am Mittwoch in ihrer Online-Ausgabe. Das Zitat sei bei zu Guttenberg weder im Text als solches kenntlich gemacht noch sei Zehnpfennig als Quelle angegeben, hieß es.
Der CSU-Politiker hatte seine Doktorarbeit 2006 an der juristischen Fakultät in Bayreuth abgegeben. 2007 wurde er dann mit der Bestnote summa cum laude zum Dr. jur. promoviert. Die Stellen, an denen sich ohne Nachweis wortgleiche Parallelen mit fremden Texten finden, umfassen nach den der SZ vorliegenden Originalquellen insgesamt mehrere Seiten.
„Die Textduplikate ziehen sich durch die gesamte Arbeit und durch alle inhaltlichen Teile“, sagte Fischer-Lescano. Der Minister erklärte, er habe „die Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt“.
Doktorvater verteidigt Guttenberg
Der Verteidigungsminister wehrt sich gegen die Vorwürfe, schließt aber einzelne Fehler beim Zitieren nicht aus. „Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus“, teilte Guttenberg am Mittwoch in Berlin mit. „Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob bei über 1200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten und würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen.“ An der Arbeit der Dissertation hätten keine Mitarbeiter mitgewirkt. „Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung.“
Mit der Angelegenheit befasse sich bereits der Ombudsmann für wissenschaftliche Selbstkontrolle der Universität Bayreuth, hatte eine Sprecher Guttenbergs zuvor mitgeteilt.. „Dem Ergebnis der jetzt dort erfolgenden Prüfung sehe ich mit großer Gelassenheit entgegen“, zitierte der Sprecher den Minister.
Der Doktorvater von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, Prof. Peter Häberle, nimmt Guttenberg in Schutz. „Die Arbeit ist kein Plagiat“, sagte Häberle der Bild-Zeitung. „Sie wurde von mir in zahlreichen Beratungsgesprächen eingehend kontrolliert.“ Gleichzeitig betonte der inzwischen emeritierte Wissenschaftler: „Herr zu Guttenberg war einer meiner besten Seminaristen und Doktoranden.“ (afp/dapd/dpa)
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