Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist damit einverstanden, Untersuchungsergebnissen über seine Doktorarbeit zu veröffentlichen. Er möchte nur nicht, dass vor Ende des Verfahren Details an die Presse lanciert werden.
Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei seiner Verabschiedung in Berlin.
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Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei seiner Verabschiedung in Berlin.
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Berlin/Heidelberg. Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist mit der Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen zu seiner in Teilen abgeschriebenen Doktorarbeit einverstanden.
«Er wendet sich allerdings dagegen, dass Ergebnisse der Arbeit der Zweiten Kommission der Universität Bayreuth an die Presse lanciert werden und wurden, bevor das Verfahren beendet ist», teilten seine Anwälte am Mittwoch in Berlin mit. «Dies widerspricht allen Regeln eines ordentlichen Verfahrens, das interessenunabhängig betrieben werden sollte.»
Einen Strafantrag des Bundestages muss Guttenberg in der Plagiatsaffäre nicht befürchten. «Der Bundestagspräsident hat den Ältestenrat in seiner letzten Sitzung davon unterrichtet, dass dafür keine Notwendigkeit besteht», sagte Bundestagssprecher Guido Heinen dem Berliner «Tagesspiegel» (Mittwoch). Eine nähere Begründung gab es aus dem Büro von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) nicht. Für seine Dissertation soll Guttenberg den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages missbraucht haben.
Alles nur geklaut: Berühmte Plagiate
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Alles nur geklaut: Berühmte Plagiate
Bestseller-Autor Dan Brown ("Sakrileg") wehrte sich gegen Plagiatsvorwürfe. Die Autoren Michael Baigent und Richard Leigh hatten ihn beschuldigt, sich für den unter dem Titel „Da Vinci Code“ mit Tom Hanks (Bild) verfilmten Roman aus ihrem Sachbuch „Der heilige Gral und seine Erben“ bedient zu haben. Sie verklagten Brown auf zehn Millionen Pfund Schadenersatz – und verloren.
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Auch George W. Bush wurde beschuldigt, abgeschrieben zu haben. In seinen politischen Memoiren „Decision Points“ soll der Ex-Präsident andere Autoren zitiert haben, ohne das kenntlich zu machen.
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In frischer Erinnerung ist noch der Fall der Erfolgsautorin Helene Hegemann, die ganze Passagen fremder Autoren wörtlich in ihren Bestseller "Axolotl Roadkill" übernommen hatte. Es war der Literaturskandal des vergangenen Jahres - doch die heute 18-Jährige ging in die Offensive: "Ich selbst empfinde es nicht als geklaut, weil ich das ganze Material in einem völlig anderen und eigenen Kontext eingebaut habe."
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Manche Stücke von Elfriede Jelinek sind sogar fast nur aus Fremdzitaten zusammengesetzt. In solchen Montage-Werken kann die künstlerische Leistung auch darin bestehen, die Texte durch das gleichzeitige Geschehen auf der Bühne in einem neuen Licht erscheinen zu lassen.
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Die Schriftstellerin Andrea Maria Schenkel sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, für ihren preisgekrönten Krimi „Tannöd“ Passagen aus dem Sachbuch „Der Mordfall Hinterkaifeck“ verwendet zu haben. Die Bücher beruhen auf einem tatsächlichen Vorfall aus dem Jahr 1922. Der Sachbuchautor unterlag vor Gericht.
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Viele große Schreiber haben aus dem Abkupfern erst gar keinen Hehl gemacht. Der Dichter Heinrich Heine etwa bezeichnete Plagiatsvorwürfe als "töricht".
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Johann Wolfgang Goethe schrieb: "Die sämtlichen Narrheiten von Plagiaten und Halbentwendungen erscheinen mir läppisch." Zu seinen Lebzeiten gab es ein Urheberrecht wie heute noch nicht.
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William Shakespeare hat keinen einzigen Plot seiner Dramen selbst erfunden, und doch wird niemand behaupten, dass er ein Betrüger wäre. Denn aus den farblosen, hölzernen Figuren seiner Vorlagen schuf er unverwechselbare Persönlichkeiten mit psychologischem Tiefgang.
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Plagiate sind kein neues Phänomen. Thomas Mann etwa bekannte sich offen dazu, abgeschrieben zu haben. In seinen "Buddenbrooks" stirbt am Ende der junge Hanno an Typhus. Dafür bediente sich der Schriftsteller aus einem medizinischen Fachbuch. Dadurch, dass er die nüchterne Beschreibung des Krankheitsverlaufs im Kontext seines Romans wiedergibt, wirkt diese jedoch völlig anders - nämlich zutiefst schockierend
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Guttenbergs Aufstieg und Fall
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Guttenbergs Aufstieg und Fall
Dabei fing alles so vielversprechend an: Karl-Theodor zu Guttenberg wird 2009 Wirtschaftsminister im Kabinett Merkel. Im März zeigt er sich in Star-Pose in New York.
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Das Amt als Wirtschaftsminister hat er nur kurze Zeit inne. Nach dem Rücktritt Franz-Josef Jungs wird Guttenberg im Oktober 2009 Verteidigungsminister.
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Highway to Hell: der bekennende Hardrock-Fan Guttenberg ist der jüngste Verteidigungsminister, den die Republik je hatte. Sein Image als "junger Wilder" der CSU weiß er zu pflegen.
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Zünftig: Guttenberg mit Ehefrau Stephanie bei der „Kulmbacher Bierwoche 2010“.
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Gedenken: bei einer Trauerfeier für getötete Soldaten.
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Talkshow-Held: in Afghanistan mit Johannes B. Kerner.
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Fußballfieber: WM-Gucken mit Marinesoldaten.
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Guttenberg und seine Frau Stephanie in Afghanistan.
Der Minister und seine Ehefrau wissen sich zu inszenieren.
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Der Volksminister: mit Bildzeitungs-Boss Diekmann (links).
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Bedingt sturmfest: auf der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern.
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Bad in der Menge: Auftritt bei der hessischen CDU in Kelkheim.
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Das Glamour-Paar Guttenberg in der Sendung "Wetten, dass ..." (Oktober 2010).
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Im Frühjahr 2011 stürzt Karl Theodor zu Guttenberg über seine Schummel-Affäre. Die ersten Vorwürfe, Teile seiner Doktorarbeit stammten nicht von ihm, wehrt Guttenberg im Februar 2011 noch ab, nennt sie "abstrus".
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Das Netzwerk Guttenplag bringt an den Tag: Bis zu 95 Prozent seiner Doktorarbeit hat der Minister abgeschrieben. Der Doktortitel ist futsch, kurz darauf auch alle politischen Ämter. Guttenberg zeigt sich bei seinem Rücktritt auch als Opfer: "Ich war immer bereit zu kämpfen. Aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht."
Das Amt, die Bundeswehr, die Wissenschaft und auch die ihn tragenden Parteien drohten Schaden zu nehmen, sagte Guttenberg.
Auf der Internetseite "GuttenPlag Wiki" beschäftigen sich Plagiatsjäger kritisch mit Karl-Theodor zu Guttenbergs Dissertation.
Dem Vernehmen nach stimmte sich Guttenberg mit CSU-Chef Horst Seehofer, FDP-Chef Guido Westerwelle und der Bundeskanzlerin ab.
Die Universität Bayreuth, wo Guttenberg seinen Doktor machte, setzt eine Untersuchungskommission ein und kommt zu dem Schluss: Guttenberg hat vorsätzlich getäuscht.
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verlässt nach seinem Rücktritt die Pressekonferenz.
Gegen Guttenberg gehe mehrere Strafanzeigen ein. Die Staatsanwaltschaft Hof ermittelt und gibt im November 2011 bekannt: Bei 23 Textstellen in der Doktorarbeit handele es sich um strafrechtlich relevante Urheberrechtsverletzungen.
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Zugleich wird das Ermittlungsverfahren gegen Guttenberg eingestellt - gegen Zahlung einer Summe von 20.000 Euro für wohltätige Zwecke.
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Im November 2011 meldet sich Guttenberg, der inzwischen in den USA lebt, auf der öffentlichen Bühne zurück, tritt in Kanada bei einer Podiumsdiskussion auf, gibt einer deutschen Zeitung ein Interview - und liebäugelt mit der Rückkehr in die deutsche Politik.
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Letzte Worte: Karl-Theodor zu Guttenberg erklärt im März 2011 in Berlin seinen Rücktritt vom Amt des Verteidigungsministers. Gestolpert ist er über die Plagiatsaffäre: Seine Doktorarbeit hat Guttenberg in weiten Teilen abgeschrieben.
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Die Anwälte Guttenbergs betonten in einer schriftlichen Erklärung, entgegen anderslautender Berichte habe ihr Mandant keine Klage gegen eine Veröffentlichung angedroht oder eingereicht. Am Vortag hatte es geheißen, die Anwälte hätten Vorbehalte gegen die Veröffentlichung, um die Persönlichkeitsrechte ihres Mandanten zu schützen. Die Universität hatte die Anwälte daraufhin aufgefordert, diese Vorbehalte zu überdenken. Sie räumten eine Frist bis 26. April ein, sich zu den Ergebnissen der Kommission zu äußern.
Universität prüft Vorsatz
Der CSU-Politiker soll Teile seiner Doktorarbeit von anderen Autoren übernommen haben, ohne dies zu kennzeichnen. Die Universität prüft, ob er dies mit Vorsatz tat. Den Doktortitel hat die Hochschule Guttenberg bereits aberkannt. Er war im Zuge der Plagiatsaffäre als Minister zurückgetreten.
Nach dem adligen CSU-Politiker war zuletzt auch die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin in Verdacht geraten, in ihrer Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. Die Universität Heidelberg untersucht mit Hochdruck entsprechende Vorwürfe. Der Promotionsausschuss der philosophischen Fakultät habe erste Schritte eingeleitet, um Koch-Mehrins Doktorarbeit zügig zu überprüfen, sagte eine Uni-Sprecherin.
Sollte sich der Verdacht erhärten, werde die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments um eine Stellungnahme gebeten, teilte ihre alte Hochschule mit. Die Untersuchung der 227-seitigen Dissertation werde eine Weile dauern. Mit einem Ergebnis wird nach Ostern gerechnet. Die FDP-Politikerin hatte am Dienstagabend über ihren Sprecher in Brüssel ausrichten lassen, sie wolle sich zu den Vorwürfen nicht äußern.
Die Staatsanwaltschaft Heidelberg prüft Ermittlungen wegen möglicher Urheberrechtsverletzungen. Bisher gebe es aber keinen Anfangsverdacht einer Straftat und damit kein Ermittlungsverfahren, sagte ein Sprecher.
Der Internet-Plattform «VroniPlag Wiki» zufolge soll Koch-Mehrin auf mindestens 20 Seiten ihrer Arbeit «Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik» abgekupfert haben. (dpa)