Hubert Aiwanger sagt, er sei nicht durch die Gegend gezogen, um einen Promi zu finden. Ein Riesenzugpferd, das brauche man gar nicht, nicht unbedingt zumindest. Die Freien Wähler könnten mit „Müller, Meier, Huber“ an der Spitze antreten, sie würden Erfolg haben bei der nächsten Bundestagswahl. Weil eine Partei fehle, die die bürgerliche Mitte wirklich vertrete. „Fünf Prozent plus X“, das ist Aiwangers Ziel bei der Wahl 2013.
Aiwanger ist Bundesvorsitzender der Freien Wähler. Er hat vor drei Jahren in Bayern einen Erfolg feiern können, mit dem erstmaligen Einzug in den Landtag. Jetzt soll es der Bundestag sein. Und auch wenn Aiwanger sich nicht auf Promi-Suche gemacht haben will, einer sitzt an diesem Montag neben ihm: Der frühere Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel. „Hons-Olaf Henkel“, sagt Aiwanger, ganz geht er nicht weg, der niederbayerische Dialekt. Henkel hat in den letzten Wochen mit der Gründung einer Partei kokettiert. Er hat die Notwendigkeit an den Euro-Rettungsversuchen der Regierung festgemacht, die er ganz misslungen findet. Zum Thema hat er ein Buch geschrieben, Bücher verkaufen sich besser, wenn sie mit steilen Thesen verbunden werden.
Liberal und wertkonservativ
Aber es geht ja nicht um den Verkauf. Henkel sagt, dass er ein engagierter Bürger sei und dass er versuche über Bücher und öffentliche Auftritte die Verhältnisse zu ändern. Geändert habe sich durch die Bücher und Auftritte zunächst einmal vor allem der Umgang mit ihm. Die persönlichen Angriffe stellten alles in den Schatten, was er bisher erlebt habe, sagt er und verweist ohne weitere Details auf Grünen-Chef Jürgen Trittin und die Bild-Zeitung. Die hat ihn neulich als „Ranschmeißer“ und „Trittbrettfahrer“ bezeichnet.
Genau so sei es nicht, sagt Aiwanger. Seine Freien Wähler seien eine „liberal wertkonservative Partei der bürgerlichen Mitte“, keine Populisten, keine Trittbrettfahrer. Dass Henkel sie unterstütze, sei toll, denn der habe schließlich „seinen Verstand nicht an der Garderobe abgegeben“.
Das findet Henkel auch. Er sei maximal politisch inkorrekt, weil er es – wie die Freien Wähler – wage, zu sagen, dass es so nicht geht mit der Euro-Rettung. Aiwanger findet, Griechenland müsse die Euro-Zone verlassen. „Das ist Alternative B“, sagt Henkel. Es gebe auch Alternative C: Die wirtschaftlich starken Länder verlassen die Euro-Zone.
Das wollen sie gemeinsam vorantreiben, wenn die Freien Wähler im Bundestag sind. Ob Henkel dabei sein wird, ist offen. Er hat die Idee mit der Parteigründung aufgegeben, man muss da viele Unterstützerunterschriften sammeln. Es ist praktischer, sich einer bestehenden Partei anzuschließen. Henkel betont, dass ihn viele schon hätten haben wollen, „auch die SPD“. Er habe noch an die FDP geglaubt, die aber mit dem Mitgliederentscheid bewiesen habe, dass sie nicht mehr zu gebrauchen sei. Die CDU mit Merkel sei ohnehin „auf der schiefen Bahn“.
Kein Lobbyist der reinen Lehre
Jetzt hat er sich für die Freien Wähler entschieden. „Zur Zeit“ strebe er kein Mandat an, sagt Henkel. Er werde demnächst 72 Jahre alt und wolle sich die Belastung nicht mehr antun. Er werde sich im Übrigen nicht nehmen lassen, auch andere liberale Gruppierungen zu unterstützen.
Aiwanger sagt, er werde auch Gespräche mit Ex-Verfassungsrichter Paul Kirchhoff führen, der die CDU 2005 mit seinen Steuerreform-Vorstellungen fast den Wahlsieg kostete. Neumitglieder werde man genau prüfen, um zu verhindern, dass die FDP oder Rechtsextreme den Laden kapern.„Fünf Prozent plus X“ meint Aiwanger erreichen zu können. Er wolle die politische Szene unter Druck setzen. Er gehe nicht davon aus, dass er das bürgerliche Lager durch Zersplitterung in die Bedeutungslosigkeit treibe. Man sei ja ein möglicher Koalitionspartner für CDU und CSU. Allerdings auch für Grüne und SPD. Das Zünglein an der Waage wolle man sein, sagt Aiwanger. Er habe sich übrigens rückversichert. Henkel berate zwar die Großbank Merryll Lynch, sei aber „kein Lobbyist der reinen Lehre“.
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