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Harrisburg: Die Ruhe nach dem Störfall

In dem Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg im US-Bundesstaat Pennsylvania sind geringe Mengen Radioaktivität ausgetreten. 150 Arbeiter wurden nach Hause geschickt - vorsichtshalber, wie es hieß. Von Dietmar Ostermann

Im Kernkraftwerk Three Mile Island im US-Bundesstaat Pennsylvania wurde Strahlen-Alarm gegeben, nachdem geringe Mengen Radioaktivität austraten. (Archivbild)
Im Kernkraftwerk Three Mile Island im US-Bundesstaat Pennsylvania wurde Strahlen-Alarm gegeben, nachdem geringe Mengen Radioaktivität austraten. (Archivbild)
Foto: Foto: dpa

Three Mile Island - bei diesem Namen horcht man auch in den USA auf. Im März 1979 war das Kernkraftwerk bei Harrisburg Schauplatz des bislang schwersten Atomunfalls der US-Geschichte. Nun hat sich auf der kleinen Insel im Susquehanna-Fluss wieder ein Störfall ereignet: Bereits am Samstag trat nach Angaben des Betreibers Exelon in dem zu Wartungsarbeiten abgeschalteten Reaktor eine geringfügige Menge Radioaktivität aus. 150 Mitarbeiter seien evakuiert worden.

Eine "Handvoll" war den Angaben zufolge einer geringfügigen Strahlendosis ausgesetzt. 16 Millirem soll sie bei einem der Angestellten betragen haben. Der zulässige Jahreswert liegt bei 2000 Millirem. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe nicht bestanden. Über die Ursachen wurde zunächst nichts bekannt. Die US-Kontrollbehörde NRC kündigte eine Untersuchung an.

US-Atomkraft
Atomkraft in Deutschland

104 Kernkraftwerke laufen in den USA bereits, mehr als in jedem anderen Land. Sie produzieren ein Fünftel des Stroms. In Deutschland kommt rund ein Drittel des Stroms aus Atomkraftwerken.

Die Bush-Regierung wollte die Kernkraft massiv fördern und hat das Genehmigungsverfahren vereinfacht. Derzeit ist der Bau von 17 neuen Meilern beantragt. Zudem sollen auf Eis gelegte Projekte wieder reanimiert werden. Doch es fehlt noch an Krediten

Laut einer Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) ist eine Renauissance der Atomkraft auch in Amerika "unwahrscheinlich". Die Branche erwarte weiter "Stagnation und Niedergang". (ost/ak)

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Für die US-Atombranche kommt der Störfall zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Vor 30 Jahren wurde Three Mile Island zum Synonym für die Risiken der Nuklearkraft: Eine Serie aus technischen Pannen, Bedienungsfehlern und Konstruktionsmängeln hatte im damals nagelneuen Reaktor 2 zu einer teilweisen Kernschmelze geführt, die den Betonmantel beinahe bersten ließ. Zehntausende Menschen wurden evakuiert. Das Vertrauen in die bis dahin boomende Atomtechnik schwer erschüttert. Seither gingen in den USA nur Reaktoren ans Netz, deren Bau vor dem Störfall auf Three Mile Island begonnen hatte.

Inzwischen aber ist Atomkraft in den USA wieder salonfähig. Die Erinnerung an den brisanten Störfall von 1979 ist verblasst. Eine Mehrheit der US-Bürger spricht sich in Umfragen für einen Ausbau der Atomkraft aus. Die Branche ist seit Jahren um ein neues, grünes Image bemüht: als klimafreundliche Alternative zu Kohle und Gas und als patriotisch-korrekter Ersatz für importiertes Öl. Seit die damalige Bush-Regierung die Atomkraft vor acht Jahren zu einem Pfeiler ihrer Energiepolitik machte, hofft die Nuklearindustrie auf eine Renaissance.

Auch nach dem Wechsel im Weißen Haus ist der Optimismus der Atomlobbyisten ungebrochen: Barack Obama gilt nicht als Atomkraftgegner. Zwar setzt der neue Präsident vor allem auf einen massiven Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind und Solar. Sollten die USA mit dem Klimagesetz , das im Kongress beraten wird, einen CO2-Emissionshandel nach europäischem Vorbild einführen, sehen sich auch die Betreiber der 104 US-Atomkraftwerke als Sieger - weil die Abgabe vor allem den derzeit wichtigsten Konkurrenten Kohle verteuert.

Kritiker und Skeptiker sehen die Zukunft der Atomkraft in den USA weniger rosig. Sie verweisen auf astronomische Baukosten und nach wie vor starke Widerstände gegen neue AKW, wo immer die Pläne konkret werden. Einen Reaktor in ihrer Nähe lehnt noch immer eine große Mehrheit ab.

Einen öffentlichen Aufschrei wie 1979 immerhin muss sie nicht fürchten. Die neue Panne auf Three Mile Island ist kein Beinahe-GAU wie vor 30 Jahren. Zeitungen wie der Washington Post oder der New York Times war die Nachricht nur eine kurze Meldung wert. CNN erklärte, die kontaminierten Mitarbeiter seien kaum mehr Strahlung ausgesetzt gewesen als bei drei Röntgen-Aufnahme der Brust.

Autor:  Dietmar Ostermann
Datum:  23 | 11 | 2009
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