kalaydo.de Anzeigen

Hartz IV: Rätselhafte Kraft

Beim möglichen Koalitionspartner, den Grünen, herrscht Entsetzen über den Hartz-IV-Vorschlag der SPD-Frau Hannelor Kraft. Eine Steilvorlage für die FDP? Von Annika Joeres

Schrille Töne: Nordrhein-Westfalens SPD-Chefin Kraft.
Schrille Töne: Nordrhein-Westfalens SPD-Chefin Kraft.
Foto: dpa

Düsseldorf. Die Düsseldorfer Grünen-Spitze hat es Samstagmittag aus dem Radio erfahren. Da hörten die Partei-Protagonisten mit Schrecken, wie SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft den rot-grünen Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen mit ihren Vorschlägen von einfacher und nur symbolisch entlohnter Arbeit für Hartz-IV-Empfänger durchkreuzt.

Der mögliche Koalitionspartner ist entsetzt. "Warum liefert Hannelore Kraft mit ihrem Vorschlag eine Steilvorlage für die FDP?", fragt Grünen-Landeschef Arndt Klocke. "Politik ist eben auch Handwerk, und gut gemeint ist nicht gut gemacht", so Klocke zur Frankfurter Rundschau. So ein Vorstoß in einem sich zuspitzenden Wahlkampf sei einfach unüberlegt. "Als wollte die SPD am Ende doch nicht regieren."

Alles über Hartz I bis IV

Die große Bilanz: Armut per Gesetz oder Chance für die Hoffnungslosen? Die Meinungen über die gewaltigste Sozialreform der Nachkriegszeit gehen auseinander. Die wichtigsten Instrumente aus den vier Hartz-Gesetzen: Was funktioniert? Was floppt? FR-online.de zieht Bilanz.

Kraft hatte am Wochenende vorgeschlagen, nicht vermittelbare Erwerbslose etwa zum Straßefegen oder zum Vorlesen in Altenheimen einzusetzen. Nach harscher Kritik von anderen Parteien und Gewerkschaften fühlte sich Kraft am Montag missverstanden: "Im Gegensatz zu den Plänen von FDP-Chef Guido Westerwelle, der den Druck auf unwillige Langzeitarbeitslose erhöhen will, geht es mir um Freiwilligkeit", sagte sie. Menschen, die keine Chance mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt hätten, sollten eine dauerhafte Perspektiven bekommen.

Das Kind im Brunnen

Das sind keine wirklich neuen Töne. Doch das Thema Hartz ist so brisant, dass das Kind aus Sicht der Wahlkämpfer in NRW schon im Brunnen liegt. "Der Zweck dieses Vorstoßes ist mir unerklärlich. Es ist mir ein echtes Rätsel", sagt die Grünen-Landesvorsitzende Daniela Schneckenburger zur FR.

Die von Kraft ins Spiel gebrachte "symbolische Aufwandsentschädigung" für die Arbeitslosen erinnere stark an Ein-Euro-Jobs - das sei kein taugliches Mittel der Beschäftigungsförderung. "Sie geht hier Westerwelle auf den Leim", so Schneckenburger weiter. Der Vorstoß der möglichen Koalitionspartnerin sei "natürlich nicht" mit den Grünen abgestimmt. "Wir machen einen eigenständigen Wahlkampf" - auch wenn beide einander zu Wunschpartnern erklärt haben.

Ende vergangener Woche hatte eine Umfrage von Infratest dimap erstmals ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Kraft und CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ermittelt. Erstmals würden Kraft ebenso viele Bürgerinnen und Bürger direkt zur Ministerpräsidentin wählen wie Rüttgers, erstmals seit Jahren hätte Rot-Grün eine Chance im Land. Nun haue Kraft "mit dem Arsch wieder um, was wir jahrelang aufgebaut haben", sagt ein Grüner.

Grünen-Landeschef Klocke ist ratlos. "Kraft hat nun ohne Not die populistische Westerwelle-Debatte weitergeführt. Auf so einen groben Westerwelle-Klotz kann man im Wahlkampf nicht mit einem kleinteiligen Vorschlag reagieren." Grünen und Christdemokraten, die in NRW ohnehin gut miteinander können, hat Kraft einen weiteren Grund zur Verschwisterung gegeben.

Autor:  Annika Joeres
Datum:  8 | 3 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!