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17. März 2010

Hass auf Juden in Skandinavien: Gelbe Sterne auf den Rücken

 Von Hannes Gamillscheg
In Skandinavien beklagen Juden häufige Übergriffe.  Foto: afp

In Skandinavien beklagen jüdische Gemeinden massive Übergriffe, die meist von Muslimen ausgehen. Alleine aus Malmö sind 30 jüdische Familien ausgewandert. Die Veratwortlichen vor Ort bleiben eine Reaktion schuldig. Von Hannes Gamillscheg

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Kopenhagen. Wenn sich Aron auf dem Heimweg von der Synagoge seinem Kopenhagener Wohnviertel nähert, nimmt er die Kippa ab. Auf Nørrebro, wo die Mehrheit der Bewohner muslimische Zuwanderer sind, muss niemand wissen, dass er Jude ist. Norwegische Schüler bekommen gelbe Sterne auf den Rücken geklebt, ohne dass Lehrer eingreifen. 2009 sind aus Malmö 30 jüdische Familien ausgewandert, weil ihnen die Schikanen zu viel wurden. In Skandinavien beklagen jüdische Gemeinden Übergriffe. Die Verantwortlichen ignorierten dies.

"Wenn jüdische Familien nach Israel auswandern wollen, ist das nicht Malmös Sache", wiegelte Bürgermeister Ilmar Reepalu ab und bestritt, dass in seiner Stadt Juden angegriffen würden. Die Wirklichkeit, die Fredrik Sieradzki kennt, ist anders. "Wir werden angepöbelt, wir werden physisch angegriffen." Es gebe keinen Zweifel, wer hinter der Gewalt stehe: "Personen, die aus den Nahen Osten kommen".

Die Angriffe eskalierten im Vorjahr, als 200 jüdische Demonstranten während des Gaza-Krieges eine Kundgebung für Frieden und Mitleid mit den zivilen Opfern beider Seiten hielten und von einer viel größeren Gruppe palästinensischer Gegendemonstranten mit Steinen, Flaschen und Molotowcocktails vom Platz gehetzt wurden. Reepalu forderte daraufhin die jüdische Gemeinde auf, sie solle sich lieber von Israels Übergriffen distanzieren. Später wurde der jüdische Friedhof geschändet, Gemeindemitglieder von Maskierten überfallen, kleine Kinder beschimpft. Einem jüdischen Schüler drohten Mitschüler, man werde ihn "halal-schlachten".

Im norwegischen Fernsehen berichteten Lehrer und Eltern, wie der Unterricht über den Holocaust boykottiert werde und Aussagen wie "Die Juden standen hinter dem 11. September" unwidersprochen blieben. Als ein Schüler klagte, dass er mit dem Tod bedroht werde, weil er ein "Judenschwein" sei, wies ihn der Lehrer mit dem Hinweis ab, dass so etwas allen passieren könne.

Unterrichtsministerin Kristin Halvorsen zeigte sich überrascht über das Ausmaß diesen "unakzeptablen" Rassismus, weist aber Vorwürfe zurück, sie habe durch scharfe israel-kritische Aussagen solche Übergriffe legitimiert.

Die 86-jährige Judith Popinski, die Auschwitz überlebt hat, erzählt immer noch an schwedischen Schulen über ihre Erfahrungen. Doch dort, wo muslimische Schüler in der Überzahl sind, ist sie nicht mehr willkommen.

Ein Treffen von Malmös jüdischer Gemeinde mit Bürgermeister Reepalu hat diesem nun doch zu denken gegeben. "Das hassvolle Bild ist viel stärker als ich glaubte", räumte er ein und will Initiativen ergreifen, die sichern, dass sich "alle in Malmö sicher fühlen."

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